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Albrecht Schrader (Credit Marie Koehler)

Albrecht Schrader – Nichtsdestotrotzdem

Auf kurz folgt lang, beziehungsweise auf eine EP folgt ein Album von Albrecht Schrader. Gerade erst als Vorsitzender des Rundfunktanzorchesters Ehrenfeld das Erbe von Dendemann in Jan Böhmermanns NEO MAGAZIN ROYALE angetreten, bringt der in Köln ansässige Musiker seinen ersten Longplayer mit dem wunderschönen Namen „Nichtsdestotrotzdem“ an den Start.

Dass der vielbeschäftigte Bach-Fan überhaupt Zeit für ein Album hatte, ist erstaunlich, schließlich saß er neben der obigen Aufgabe im TV noch für Peter Doherty an den Tasten, wirkte bei Herrenmagazin mit und komponierte für ein Theaterstück.

„The Introduction Of Pieter“ öffnet die Tür für 12 Tracks zwischen Pop-Song, elektronischer Tanzmusik, Samstagabend-Show und Big Band, perfekt ineinander fließend arrangiert.

Federnd bewegt sich „Ganz Normal“ durch die Partynacht, um hier, wie auf „Leben In Der Großstadt“ – dem zum Hit gewordenen Namensgeber seiner letzten Veröffentlichung – den wichtigen Dingen des Lebens Leichtlebigkeit durch Ironie und spöttische Provokation gegenüber zu stellen.

Wo andere das Thema Wegsehen mit Gutmenschentum und moralischem Zeigefinger bearbeiten, seziert Multiinstrumentralist Schrader im Titeltrack mit der Präzision des Skalpells das Abgrenzen der eigenen Komfortzone vor zu viel fremden Einfluss.

„Zufrieden Ahnungslos“ lebt es sich halt leichter, wie es die folgende Ballade im Duett mit Tiana Wagner (der Schwester von Hanitra Wagner von Die Heiterkeit) besingt. Dass sich über der klavier-getragenen Ballade eine dreckig quietschend Gitarre entlädt, macht die Diskrepanzen dieser Lebensstrategie hörbar.

Schwungvoll und leicht ergießt sich Sozialkritik in „Die Form“, singt Schrader von der „Ohnmacht Der Chance“ im Mindestlohnsektor, stellt „Menschen Harmonieren Miteinander“ fest, was nicht unbedingt so vorteilhaft ist, wie es klingt.

„Der Zustand“, in dem wir uns bewegen, lässt nicht viel Unvorhersehbares zu, Albrecht Schrader will deshalb nicht zur Revolte aufrufen. Das im Stil eines PeterLicht doppelbödige Analysieren ist seine Sache.

Wenn „The Apotheosis Of Pieter“ am Ende die Brücke zum Opener schlägt, hat er nicht nur musikalisch bestens unterhalten, sondern auch umfassend zum Um-die-Ecke-denken eingeladen.

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