Wer so viel unterwegs ist wie Digger Barnes, hat eine Menge Dreck an den Schuhen. Aufgesammelt auf seinem nie endenden Road-Trip oder während seiner Gigs in alten Tankstellen oder stillgelegten Flugzeughangars.

Für den Auftritt in Leipzig hat sich der Norddeutsche gestern den Staub aus den Kleidern geschüttelt, um im dortigen Schauspielhaus mit seinem langjährigen künstlerischen Partner Pencil Quincy Station zu machen.

Nicht der erste Auftritt an dieser Stelle, und man hätte wissen können, dass die Kombination von Musik und bewegten Bildern einen Besuch wert ist. Das Grillwetter oder die Classic-Open Konkurrenz im benachbarten Rosental machten allerdings das Rennen, entsprechend schütter besetzt war das Auditorium.

In einem Theater wird geklingelt, wenn es los geht. Als sich die Türen erstmalig schlossen, standen die Binoculers aus Hamburg auf den Brettern des großen Saales. Ein halbes Dutzend Songs spielten Nadja Rüdebusch und Daniel Gädicke, die später auch Teil der Diamond Road Show sein werden, und stimmten mit einer Hundreds-light-Variante trefflich auf das Kommende ein.

Als Digger Barnes um kurz vor neun erscheint, macht sich mit den ersten Klängen eine verwegen-charmante Landstreicher-Stimmung breit. Schlagzeug, Banjo, Mellotron, Klavier, Violine und Keyboard, natürlich Konzertgitarren dazu ein Kontrabass: vergleichsweise viel Instrumentarium haben er und die beiden Multiinstrumentalisten Johnny Latebloom und Mosquito Hopkins dabei.

Stilsicher und flexibel bedient der Melancholiker damit die ihn umwehende Outlaw-Aura in einem Konzert, das zum großen Teil aus Stücken seines letzten Werks „Near Exit 27“ besteht, aber auch genügend Platz für eine Retrospektive lässt.

Dazu ist auf der Bühne der Arbeitsplatz des Visualkünstlers Pencil Quincy untergebracht, der vorbeihuschende Caddys, dichte Wälder, Dinosaurier, triste Hotels und manchmal die eigenen Finger auf die Leinwand projiziert und so eine Stimmung wie in Urzeiten des Lichtspielhauses erzeugt.

Im sensiblen Zusammenspiel mit der Band erzählt der Drifter inner- und außerhalb der Lieder seine Geschichten über die großen und kleinen Dramen des Lebens, von nach Benzin riechenden Menschen auf der Strecke, von den Lebensgeistern aus der Kaffeetasse und einsamen, gescheiterten Existenzen allerorten.

Aber er und die anderen Herrschaften auf der Bühne können, wenn sie wollen, auch richtig laut werden und damit der Musik von hoffnungsvoll über beruhigend bis düster viele Nuancen verpassen; dabei stetig von einer ganz speziellen Americana-Interpretation vorwärts getrieben.

Ein feines Konzert traf auf zu wenig Interessenten. Drift on, Digger Barnes. denn wie sang es Nick Cave einst so schön „There is always one more town. A little further down the track”.

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