Folge deinen Lieblingskünstler*innen – verpasse kein Konzert · 
Jetzt Fan-Mitglied werden

Bonnie ‚Prince‘ Billy – Ghosts Of American Psychonauts

Als Will Oldham – besser bekannt als Bonnie ‚Prince‘ Billy – mit seiner Band am Valentinstag 2025 ins Pico Union Project in Los Angeles einlud, hing noch der Rauch der Waldbrände über der Stadt, die im Januar jenes Jahres Südkalifornien verwüstet hatten.

Kein romantisches Candle-Light-Dinner also, sondern ein musikalisches Erlebnis zwischen Untergang und Trost. Das Ergebnis ist das neue Live-Album „Ghosts Of American Psychonauts“ und ist keine bloße Werkschau, sondern fühlt sich eher an wie eine gemeinsame Séance zwischen Oldham und seiner Band.

Begleitet von Musikern wie London May, Emmett Kelly und gleich drei Saxophonisten, führt das Album quer durch die eigene Songgeschichte, von „I See A Darkness“ bis zu frischeren Stücken aus „The Purple Bird“ (2025).

In dieser Bandbreite liegt die Stärke: die neue Version von „London May“ wirkt so eindringlich und schwer, dass Oldham die Zeile, nach der schrecklichen Nacht komme wieder ein heller Tag, so authentisch vorträgt, als wolle er sein Publikum tatsächlich davon überzeugen – bevor wenig später in „Trees Of Hell“ die Hölle losbricht.

Das Stück über die Rache der Natur mutiert live zu einem chaotischen, geradezu furchteinflößenden Ausbruch – die diffusen Saxophon-Linien klingen, als würden sich irgendwo Pforten öffnen. Apokalyptisches Americana, sozusagen.

Immer wieder flattert der Klang der Blasinstrumente durch den Mix und sorgt für Wärme mitten in den getragenen Songs – ein Kunstgriff, der ähnliche Gefühle weckt wie Bon Ivers jüngstes Live-Album „Volumes: One“ (2026): dissonante Momente, plötzliche Dynamik-Ausbrüche, wie in „Shorty’s Ark“, dazu roher, teilweise brüchiger Gesang.

Diese Verbundenheit zwischen den Musikern und mit dem Publikum trägt die Songs, die sich zwischen Trauer, Einsamkeit, Nächstenliebe, Weltuntergang und Umweltbewusstsein bewegen.

„Downstream“, bei dem „The-Purple-Bird“-Produzent David Ferguson mit warmem Bariton eine Strophe übernimmt, fragt bang, was eigentlich noch im Wasser und im Wind steckt. Nach den Bränden, die Wochen zuvor noch die Stadt heimgesucht hatten, klingt diese Frage fast wie eine rhetorische.

Manche Songs klingen wie Predigten, allerdings ohne erhobenen Zeigefinger – eher wie eine leise, spirituelle Warnung vor dem, was kommen könnte.

Dass „I See A Darkness“, längst ein Klassiker mit eigener Johnny-Cash-Version, hier eine dankbarere, weniger aussichtslose Facette zeigt, passt ins Bild: Selbst in den düstersten Momenten reicht hier jemand die Hand.

Am Ende zeigt sich vor allem, wie kunstvoll die Arrangements jenes schwer greifbare Live-Gefühl einfangen, das Musiker und Publikum zu einem großen gemeinsamen Klangkörper verschmelzen lässt.

Acht Songs, eine gute halbe Stunde – am besten hört man sie sich einfach zurückgelehnt im eigenen Wohnzimmer an und lässt sie danach noch lange nachwirken.

„Bonnie ‚Prince‘ Billy – Ghosts Of American Psychonauts" in deine Jahres-Charts?

Fan-Mitglieder markieren Alben als Favorit und küren ihre eigenen Jahrescharts.

Kommende Konzerttermine

Keine aktuellen Termine

Schreibe einen Kommentar

Das könnte dir auch gefallen

Künstlerfoto: Bonnie ‚Prince‘ Billy
Album

Bonnie ‚Prince‘ Billy – We Are Together Again

Künstlerfoto: Helena Deland
News

MusikBlog präsentiert Helena Deland 2027

Künstlerfoto: Lars Bygdén
Album

Lars Bygden – War

Künstlerfoto: Superfan
Album

Superfan – My Piledriver Heart

Login