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Man will eigenständige Spuren hinterlassen – Faber im Interview

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Julian Pollina alias Faber war eins Restaurant-Sänger. Zwischen der biederen Prosecco-Community und einsamen Theken-Herzen sang sich der Barde mit dem röhrigen Organ in seiner Heimatstadt Zürich durch ein musikalisches Potpourri aus melancholischem Singer-Songwriter-Pop, Americana-Swing und Polka.

Zwei Jahre später muss Faber schmunzeln, wenn er an jene Tage zurückdenkt. Im Juli 2017 erinnert nämlich nicht mehr viel an die Zeit, in der sich zahlende Mittagstisch-Gäste über Fabers mitunter ziemlich raue Gangart gewundert haben. Heute steht der 23-Jährige im Fokus der Öffentlichkeit. Die Musikbranche hat ihn liebgewonnen, ihn gemeinsam mit Sophie Hunger auf Tour geschickt und ihm die Zeit gegeben, musikalisch zu wachsen.

Mittlerweile stehen zwei EPs zu Buche. Dieser Tage erscheint nun endlich Fabers Debütalbum. Es heißt „Sei Ein Faber Im Wind„. Auch heute noch nimmt der Schweizer mit italienischen Wurzeln kein Blatt vor den Mund. Begriffe wie „Ficken“, „Blasen“ und „Nutte“ sind in Fabers Texten keine Seltenheit. Die Szene ist entzückt. Und wir auch. Seine Musik verdient sich hierzulande den Einzigartig-Button.

Wir trafen uns mit Faber in Berlin zum Interview und sprachen über klare Ansagen, unterschätzte Dynamiken und musikalische Vergleiche.

MusikBlog: Faber, deutschsprachiger Pop präsentierte sich bis dato als ein rosarotes Gemisch aus guter Laune, Herzschmerz-Emotionen und spießbürgerlichen Durchhalteparolen. Jetzt kommst du plötzlich mit Zeilen wie „Warum, du Nutte, träumst du nicht von mir?“ und „An dicken Titten nippen ist auch schön“ um die Ecke. Eingefleischte und mittlerweile eingelullte Szene-Anhänger fragen sich nun: Muss das sein?

Faber: (lacht) Ach, so schlimm ist es doch nun auch nicht, oder? Ich spreche nur aus, was ich fühle und denke. Und dafür nutze ich die Sprache, die wir alle sprechen. Selbst in biedersten Kreisen sind Worte wie „Ficken“ oder „Blasen“ präsent. Da kann sich keiner ernsthaft von frei machen. Das ist nun mal so.

Mir ist es einfach wichtig, mich nicht zu verstellen. Sicher, ich spiele auch mit Wortbildern und brauche bisweilen auch mal zwei oder Zeilen, um auf den Punkt zu kommen. Aber grundsätzlich bin ich doch ein Freund der klaren Sprache. Das war schon immer so.

MusikBlog: Wann hast du denn gemerkt, dass dir die Musik und das Schreiben von Texten mehr bedeuten als andere Dinge im Leben?

Faber: Da war ich schon ziemlich früh klar. Ich glaube, mit 15 wusste ich bereits, dass die Musik mich mein ganzes Leben lang begleiten wird.

MusikBlog: Und ab wann wurde dir bewusst, dass daraus auch mehr werden könnte?

Faber: Da gab es keinen besonderen Augenblick. Ich bin jemand, der überzeugt davon ist, dass, wenn man etwas wirklich will und sich dafür auch den Arsch aufreißt, dass man am Ende dann auch für seine Mühen belohnt wird. Und ich rede in meinem Fall jetzt nicht von unverhältnismäßigem Reichtum und großen Stadien.

Die Tatsache allein, dass mir Leute zuhören und sich von meiner Musik angesprochen fühlen, bestätigt mich bereits. Das ist das, was ich immer wollte. Ich wollte besser werden. Ich wollte bessere Texte schreiben und meine Musik entwickeln. Diesen Weg bin ich gegangen. Und jetzt sitze ich hier und rede mit dir über mein Debütalbum. Ergo: Alles gut. Es hat also geklappt.

MusikBlog: In der Tat. Apropos Debütalbum. Du beschreibst deinen Sound selbst als „Akustik-Punk für Mädchen“. Ich hingegen höre auf deinem Album Polka, Pop und Swing. Hab ich was an den Ohren?

Faber: (lacht) Nein, alles gut. Ich denke, dass ich die Dynamik, die eine solche Kategorisierung auslösen kann, einfach ein bisschen unterschätzt habe. Das habe ich ganz am Anfang mal gesagt, als mir keine bessere Bezeichnung für meinen Sound einfiel. Und seit diesem Tag macht das überall die Runde. Damit werde ich wahrscheinlich auch in zehn Jahren noch konfrontiert.

MusikBlog: Du hast auch einmal gesagt, dass du gerne singen könntest wie Jaques Brel.

Faber: Ja, dazu stehe ich allerdings auch heute noch. Jaques Stimme fasziniert mich einfach. Die perfekte Melange aus Dreck und porentiefer Reinheit. Großartig.

MusikBlog: Als ich dein Album zum ersten Mal gehört habe, kamen mir sofort Künstler wie AnnenMayKantereit, Element Of Crime und Hildegard Knef in den Sinn.

Faber: Allesamt tolle Musiker. Das ehrt mich.

MusikBlog: Aber?

Faber: Nö, passt schon. Also ich bin jetzt nicht zwingend mit der Musik von Hildegard Knef groß geworden. Aber es ist doch auch so: Jeder hört was anderes. Und genau das macht Musik doch so spannend. Ich find’s toll, dass ich mit Leuten in einen Topf geworfen werde, die jeder kennt, selbst wenn man nicht aus der Musikrichtung kommt. Das ist doch ein großes Kompliment.

Faber: Auf jeden Fall. Spätestens nach dem zweiten Durchlauf hast du bei mir dann ein Alleinstellungsmerkmal hinterlassen.

Faber: Das ist gut. Denn das ist am Ende das Entscheidende. Mit anderen verglichen zu werden ist super. Aber schlussendlich will man ja eigenständige Spuren hinterlassen. Schön, dass du das noch erwähnt hast. (lacht)

MusikBlog: Es ist, wie es ist.

Faber: Ja, und toll, dass es so ist, wie es ist.

MusikBlog: Vielen Dank für das Interview.

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