Nick Murphy (fka Chet Faker) – Live im Palladium, Köln

Nick Murphy hat sich schick gemacht. Um exakt 21.30 Uhr betritt der Australier mit weißem Hemd, schwarzer Anzughose und Sakko die Bühne des Kölner Palladiums. Obwohl nicht ausverkauft, haben erstaunlich viele Leute den Weg nach Mühlheim gefunden. Vor allem wenn man bedenkt, dass die Show ursprünglich in der Live Music Hall stattfinden sollte, die nicht mal die Hälfte an Publikum beherbergen könnte.

Aber genau da ist auch ein bisschen das Problem. Denn der Funke will nicht so richtig überspringen. Nick Murphy formerly known as Chet Faker kann man aber auch nicht so richtig einen Vorwurf machen. Obwohl man nach Sichtung des Merchandise-Stands – der ausschließlich Nick-Murphy-Artikel enthält – schon kurzzeitig Angst hatte, Murphy hätte Chet Faker nun endgültig hinter sich gelassen, liefert er im Set eine gute Mischung.

Auch wenn Nick/Chet mit „Gold“ und „1998“ direkt zu Beginn gleich zwei seiner größten Hits verballert. Er ist mit völliger Inbrunst dabei. Die Augen meist geschlossen, taumelt er über die Bühne wie in Trance und jagt seine Stimme zwischen Kopf und Brust hin und her, überfallt seine Synthesizer und reißt die Arme zum Gitarrensolo in die Luft.

Vielleicht sind einige einfach mit der falschen Erwartungshaltung gekommen. Denn mit einem DJ-Set hat das Konzert äußerst wenig gemeinsam. Nick Murphy hat eine vierköpfige Band dabei, die sich an Schlagzeug, Gitarre, Bass, Saxophon und diversen Synthesizern so richtig austoben darf.

Ergebnis davon sind minutenlange Intros und Outros gespickt mit diversen Soli. Immer wieder wird die Bühne dazwischen komplett in Dunkelheit getaucht und das Publikum in Unwissenheit gelassen, was genau da jetzt gerade passiert. Verwirrte Blicke. Links wird sogar über einen Stromausfall gemunkelt, bevor die These jäh vom Schlagzeug verworfen wird.

Neben seiner Band hat Murphy einen weiteren Gast im Gepäck. Der Londoner DJ Marcus Marr, mit dem gemeinsam Murphy noch als Chet Faker die EP “Work” herausgebracht hatte, übernimmt während des gesamten Konzerts immer wieder Parts an der Gitarre, so auch bei “The Trouble With Us”.

Bei den Hits jedoch gerät das Kölner Publikum völlig in Ekstase. Allen voran „Talk Is Cheap“, das den offiziellen Teil des Konzertes mit Zuschauergesang beendet. Zur Zugabe lässt Murphy sich nicht lange bitten: „Vielen Dank. Ihr seid sehr geduldig. Als nächstes spiele ich einen Song, den ich seit einiger Zeit schreibe. Er heißt ‚Believe Me’“, kündigt der Australier den Zugabenblock an, setzt sich alleine ans Klavier und spielt eine Ballade.

Und eben diese ruhigen Momente gelingen heute Abend nur mit den bekannten Nummern wie „To Me“. Der Rest versinkt leider im Gesprächslärm. Das Publikum will mitsingen. Die Elektro-Kids wollen tanzen und haben keine Geduld für neuen Input.

Schade, denn was Nick Murphy da mit seiner Band zaubert, hat wirklich Potential. Nur so 1oo prozentig reingewachsen in die Rolle des Frontmanns scheint der Australier noch nicht zu sein.

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