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Berlin Festival 2015

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In den zehn Jahren seines Bestehens hat das Berlin Festival schon einiges an Herausforderungen gemeistert. Allen Dingen voran den Umzug vom traditionsreichen Tempelhofer Flughafen hin zum Gelände des Arena Parks im letzten Jahr. Doch auch die neuerliche Ausgabe zeigte sich Veränderungen gegenüber offen und präsentierte sich neben dem Sprung im Kalender vom gewohnten September-Wochenende auf die letzten Meter des Wonnemonats Mai mit einem deutlichen Fokus auf die elektronischen Spielarten der Musik.

Dass das Festival in den letzten Jahren zunehmend zum Gesamterlebnis geworden ist, in dem musikalische sowie kulturelle Strömungen aufeinander treffen, wurde auch dieses Jahr mit einem Schmelztiegel aus den verschiedensten Performances zelebriert. Neben nationalen und internationalen Acts, die die tausenden Besucher zur Hauptbühne pilgern ließen, tanzten sich die Zuschauer trotz des teils wechselhaften Wetters zu den Klängen auf der „Elektronischen Wiese“ warm oder vergnügten sich auf dem Badeschiff.

Wer sich einmal nach einer kleinen Pause vom hektischen Treiben voller Beats und Grooves sehnte, der erkundete derweil das Art Village, ließ sich Zaubertricks vorführen, genoss die Sonnenstrahlen in Wassernähe der Spree oder richtete den Blick auf die verschiedenen Screenings, die von Musik-Dokus bis hin zu Ausflügen ins Horror- oder auch Fantasy-Genre für reichlich Abwechslung sorgten. Sportlicher ging es dagegen bei den Luftakrobaten von Sol’Air oder dem Wasserballett zu, die der fröhlich tanzenden Masse eine Lehrstunde in Sachen Körperspannung erteilten.

Definitiv das am weitesten verbreitetste Accessoire auf dem Festival-Gelände war der Blumenkranz im Haar vieler Mädchen, den man sich je nach Belieben selbst flechten konnte. Wem das zu öko war, der schmierte sich lieber bunte Kriegsbemalung ins Gesicht und testete diese anschließend auf ihre Wasserfestigkeit, wenn die nächste Band den eigenen Schwitzfaktor nach oben schnellen ließ.

Und dafür gab es dieses Jahr gleich mehrere Gelegenheiten. Zwar war das Line-Up insgesamt stark auf die Bedürfnisse der Elektro-Liebhaber ausgerichtet und machte der Hauptstadt alle Ehre, was ihre langjährige Reputation als Hochburg elektronischer Klangarten angeht, aber dem Zuspruch der Besucher nach zu urteilen, ging das neue Konzept bestens in all seinen Facetten auf. Der Arena Park mutierte zum kleinen Mekka für diejenigen, die über drei Tage lang verteilt genau darin eintauchen wollten.

Und das am besten ganz entspannt. Selbst vor der Hauptbühne brach trotz des teilweise hohen Besucherandrangs keinerlei Hektik aus. Wer sich ein paar Minuten vor dem jeweiligen Show-Beginn hinein in die Dunkelheit der Arena wagte, bekam mit Sicherheit einen Platz mit guter Sicht. Eben jene wollten sich vor allem die Anhänger von Chet Faker sichern, die rechtzeitig Stellung bezogen und bereits vorab zu den Klängen von Sylvan Esso tanzten, die ihren eingängigen Elektro-Dance-Pop wie am Schnürchen auf die Menge losließen.

Howling mäßigten das Tempo dann gleich im Anschluss wieder entschieden und sorgten im dichten Kunstnebel für einen angenehm atmosphärischen Ausgleich, der seiner Form nach zwar eher subtil, aber beständig zum Grooven anregte. Auch die kleine Nirvana-Hommage mit ihrer Version des Klassikers „Smells Like Teen Spirit“ gestaltete sich eher beschaulich, blieb aber ein wenig zu sehr im eigenen Sound-Kosmos hängen. Dagegen hatte Chet Faker wenig Mühe, sich mit seinem Set zu verzapfen, das sich über sein Debüt „Built On Glass“ erstreckte. Mit Streifenpullover und Wollmütze bekleidet, gab sich der Australier sympathisch wie eh und je und durfte beim letzten Song „Talk Is Cheap“ ganz auf die Kraft der Stimmbänder aller Anwesenden hoffen, die ihn wie von selbst begleiteten, während er kurz innehielt, um den Moment zu genießen.

Die Umbaupause auf der Bühne nutzte derweil Kid Simius ganz und gar zu seinem Vorteil und wirkte als „Lückenfüller“ ein wenig deplatziert. Sein vergleichsweise kurzes Set hätte problemlos in die Verlängerung gehen können. Wenn da nicht schon James Blake mit den Füßen geschart hätte, um hinter seinem Keyboard Platz zu nehmen. 2011 eröffnete er das Festival noch bei gemeinem Tageslicht und sein Auftritt konnte nicht mit dem erfolgreichen Debüt mithalten. Nun gebührte ihm die späte Stunde und seine Songs konnten sich in ihrer vollen Größe und Intensität entfalten. Zwischendurch plauderte er immer wieder mit seinem charmanten Londoner Akzent mit dem Publikum, das selbst bei einer kleinen technischen Störung weiterhin wie gebannt auf musikalischen Nachschub wartete.

Atari Teenage Riot hätten am Sonntag wohl jeden mit ihrer geballten Energie und Lautstärke hochgeschreckt. Dennoch forderte Alec Empire wiederholt „Turn that shit up!“ in Richtung Soundboard und untermalte die anstachelnden Songs mit viel Körpereinsatz, denen auch seine beiden Bandkollegen teilten. Im zuckenden, grell weissem Licht mutierte jedes Stück zum musikalischen Fausthieb und bohrte sich unmittelbar in die Magengegend. Rudimental gaben sich weitaus weniger aggressiv und zielten mit ihren Ohrwurm tauglichen Songs eher auf die breite Masse ab, die sich von der guten Laune sowie der Lässigkeit des britischen Musikerkollektivs im Handumdrehen anstecken ließ.

Acht Jahre nach ihrem letzten Album kehrte Róisín Murphy dieses Jahr mit ihrem neuen Werk „Hairless Toys“ zurück und ließ es sich nicht nehmen, zur besten Primetime ihren Berliner Fans den sehnsüchtig erwarteten Besuch abzustatten. Die Grande Dame des Disco-Pop entführte die Zuschauer über eine knappe Stunde lang in ihre Welt des Downtempo, den sie mit größter Raffinesse zelebrierte. Zahlreiche Outfitwechsel und eine große Portion Nonchalance später hatte sie alle um den Finger gewickelt. Ein Statement-Accessoire wurde gegen das nächste ausgetauscht, aber sie blieb auf ihrer poppig-elektronischen Siegestour stets auf Kurs. Selbst im kanariengelben Mantel mit Oma-Kopftuch machte sie irgendwie eine gute Figur und pellte sich im Takt der Musik bis auf ein darunter liegendes Glitzer-Kleid aus, das mindestens ebenso so sehr strahlte wie die Irin selbst, die ihren Auftritt sichtlich genoss.

Das Festival-Finale bestritten im Anschluss die britischen Elektro-Urgesteine von Underworld, die sowohl optisch als auch klanglich kaum gealtert schienen und bis in die Nacht hinein ein Song-Feuerwerk nach dem nächsten zündeten. Karl Hyde demonstrierte dabei stets genug Lockerheit in der Hüfte, um sich mit geschlossenen Augen nicht nur stimmlich, sondern auch physisch den Songs hinzugeben. Und die wirkten trotz ihres Alters keineswegs eingestaubt, so dass an Bettruhe gar nicht erst zu denken war. Die durfte sich erst genehmigt werden als Underworld mit dem letzten verklingenden Ton ihre Absolution dazu gaben und das Berlin Festival zu einem würdigen Abschluss kam.

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