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Flashback 30 Jahre zurück. Lydia Lunch ist die Underground-Ikone schlechthin. Als Musikerin arbeitet sie u.a.mit Nick Cave, Rowland S. Howard (R.I.P.), J.G. Thirlwell, Sonic Youth, Die Haut und Einstürzende Neubauten zusammen, was 1986 in dem Meilenstein-Album „Honeymoon In Red“ mündet. Aber sie ist auch Schauspielerin (u.a. in verschiedenen Richard Kern Kurzfilmen), Schriftstellerin und Spoken-Word-Artist.

Zurück in die Gegenwart. Lydia Lunch hat im Mai ihr neues Album „Under The Covers“ veröffentlicht, wieder gemeinsam mit dem englischen Musiker Cypress Grove. Aktuell ist sie mit ihrer Band Retrovirus auf Tour, gestern im Leipziger UT Connewitz.

Während sich Lydia selbst, die immerhin schon 58 Jahre alt ist, kaum bewegt, geben die Retrovirus Mitglieder auch physisch alles. Gitarrist Weasel Walter, der sonst auch Schlagzeug spielt, beackert seine Gitarre Sonic-Youth-like von allen Seiten und hält sie mal hoch wie eine Fahne oder nach vorn wie ein Gewehr. Alle paar Minuten macht er unvermittelte Luftsprünge, ganz egal, ob sie gerade zur Musik passen oder nicht.

Basist Tim Dahl beherrscht ebenso grandios sein Instrument und lässt dieses mal nach Birthday Party oder mal nach Big Black erklingen. Schlagzeuger Bob Bert, Vorgänger von Steve Shelley bei Sonic Youth und früherer Trommler bei Jon Spencer’s Pussy Galore, spielt, als wäre er erst dreißig, auch wenn ihm ab und zu ein hochgeworfenes Drumstick beim Fangen wieder aus der Hand fällt.

Der Lunchische Desert-Blues (den sie selbst erfunden hat, wie beim Konzert nochmal betont), verbreitet seinen staubigen, düsteren Groove im ganzen Saal. Lydia, die zwischen den Stücken selbst gemixte Weinschorle zu sich nimmt (am Abend vorher war es noch Whiskey mit Orangensaft), singt mit heiserer Reibeisen-Stimme (die auch beim Sprechen so klingt).

Die vier auf der Bühne, die alle zusammen mehr als 100 Jahre Musikerfahrung vereinen, verbreiten eine atemberaubende Aura und versetzen die Zuschauer zurück in das L.A. oder New York City der Achtziger. Unterstrichen wird das durch Coverversionen von Suicide („Frankie Teardrop“) und Pere Ubu („Final Solution“) im Set. Dabei klingen sie jedoch nicht retro, sondern nach wie vor hochgradig relevant.

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