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Friends Of Gas (Credit Stephan Martin/MusikBlog)
Friends Of Gas (Credit Stefan Preuss/MusikBlog)
Gewalt (Credit Stephan Martin/MusikBlog)

Friends Of Gas und Gewalt – Live im Molotow, Hamburg

Ein „Schlachtfest“? – Schlachtfeste! Kurze Überraschung beim gestrigen Konzert von Gewalt und FOG – Friends Of Gas startet. Nächste Überraschung – der gut gelaunte Bär am Schlagzeug fehlt. Immerhin nur temporär.

Der neue Track „Felder“ eröffnet ernsthaft mit einer Wand aus Sound. Düsterer als die zu hell beleuchtete Bühne. Die Optik erinnert eher an einen Proberaum.

Nina Walsers Sprechgesang unverkennbar krächz-knarzig. Die Jeans gewohnt beeindruckend unstylisch. Der wabernde Bass eröffnet das „Ewige Haus“. Thomas Westner an der Gitarre wirkt verträumter als er klingt. Der Bass schiebt unauffällig aber kontinuierlich vorwärts.

Der Kick folgt aber auf den Fuß. Ausruhen gibt es nicht. Das Schlagzeug funktioniert. Auch ohne Stammbesetzung. Viel Bekanntes folgt, teils neu interpretiert.

„Gewalt geht immer! Es geht nach vorne!“ das trifft auch zu auf die erreichte Intensität. Mit der Lautstärke steigt auch der Noise-Pegel. Rückkopplungsorgien mit Rücken zum Publikum.

Veronica Burnuthian, die Gitarre knapp unterm Kinn hängend, grinst subtil. So, als ob sie weiß, wie sich ihr Sound subtil und hintergründig ins Hirn fräst. Nina’s verträumter Blick im Widerspruch zum Sound.

„Saurer Schnee“ startet sehr psychedelisch. Gefühlt endloses Intro, fast an alte Talk Talk erinnernd. Das ändert sich, als die Fünf die aufgebaute Spannung explosionsartig loslassen. Akustische Klimax, sehr schnell, der Bass tritt nach vorne. Unschuldig harmonischen Passagen wiegen einen vermeintlich in Sicherheit. Kopflastiger Noise bis zum Ende. Verschwitzt wie Teile des Publikums geht es von der Bühne.

Nicht klassische Vorband: Zugabe! „Template“ kracht nochmal richtig nach. Nina krächzt den Abend lautstark zu neuen Höhen.

Umbau. Man kann Kabel nicht gewissenhafter verlegen als Helen Henfling im Minikleid mit Goldbesatz. Das Wichtigste: drei Bierkisten mit Blaulicht.

Licht aus, komplett. Die drei Blaulichter blitzen, DM1 beginnt tapfer alleine. Falls ein Drum-Computer tapfer sein kann. Gefühlt endlos, bis die Band Gewalt kommt. Die steigt dafür gleich mit Wucht ein.

Ab der ersten Sekunde hochkomprimierte Noise-Wand. Aus hochverdichtetem, rostigem Stahl. Mindestens. Leider die Stimme zu sehr im Hintergrund. Die Mischung erinnert kurz an ein echt altes Dead Kennedys Bootleg.

Patrick Wagner im schmutzbeschmierten, weißen Anzug im krassen Kontrast zur adretten Helen. Größerer Kontrast noch ihr Auftritt und der grandiose Lärm, den Helen in den Saal schiebt. DM1 dominiert und kennt nur vorwärts.

Wären da nicht die Texte. „Du bist allein. So soll es sein.“ Das schmerzt nicht nur akustisch. Patrick schreit keine Worte, er schreit Inhalt. Brachiale Rückkopplungen eröffnen „Szene einer Ehe“.  „Was denn!? Was ist denn!?“. Wenn Gitarre und Bass kurz verschnaufen, geht das auch ohne Mikro.

Grober Einstieg, konsequent weiter ausgebaut. Musik? Lärm? Kunst? Massen-Tinnitus ist das wahre Ziel. Auf alle Fälle tanzbar.

Patrick setzt sein Vorhaben „mal nicht so viel zu labern“ konsequent um. Ohne wirkliche Pause jagt ein Track den nächsten. So geht es durch alle Singles. Die Veröffentlichungs-Strategie übrigens so eigenwillig wie der Sound.

„So geht die Geschichte“. Stellvertretend für so viele Stücke des Abends. Tanzbare Energie und Inhalt im Konflikt. Paralyse und aufputschende Überforderung. Schlussendlich abruptes Ende, keine Zugabe. Wozu auch, die Ohren pfeifen laut genug. Jetzt ist vollkommen klar, warum Gewalt als zweites spielen.

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