Generic selectors
Exact matches only
Search in title
Search in content
Search in posts
Search in pages
The Glorious Sons (Credit Vanessa Heins)

The Glorious Sons – Young Beauties And Fools

Das verflixte zweite Album sorgte in allen Bereichen des Indie bekanntlich schon häufiger eher für Enttäuschung als für Jubel. Zu sehr hatten vielversprechende Garagenbands den Fokus verschoben oder bauten aus dem Nichts elektronische Elemente ein, wo vorher der rohe, handgemachte Ton geschätzt wurde.

Für viele heißt es dann: die Hoffnung auf Album Nummer drei setzen. The Glorious Sons umgehen diese lästige Wartezeit, indem sie sich auf ihrem Zweitling „Young Beauties And Fools“ Neues trauen, ohne ihre Wurzeln zu missachten.

Und diese liegen im modern angereicherten Americana – elektronische Gitarren, peitschende Rhythmen und der dynamische Gesang von Frontmann Brett Emmons versiegeln den Sound, der sich auf traditionelle Melodien stützt. Was erstmal nach unangenehm testosteronbetonten, Stadionkonzerten-fordernden Macho-Rock klingt, entpuppt sich schnell als sympathisch vorantreibender Indie mit schwedischer Note alá Mando Diao.

„I need to rest my poor heart“, singt Emmons, zunächst bloß von Klaviertönen begleitet, doch von Entspannung kann hier auch nicht die Rede sein, verzerrte Gitarren und ein betont lauter werdender Gesang fegen im direkten Anschluss durch den Opener.

Steigerung ist auf „Young Beauties And Fools“ ohnehin ein wiederkehrendes Element: The Glorious Sons nutzen selbst die eigentliche Kurzweiligkeit eines drei- bis vierminütigen Songs so punktgenau, dass er sich emotional von unscheinbaren Tönen zur Höchstform aufbauen kann, ohne auch nur eine Sekunde zu lang zu sein. Es endet, wie es angefangen hat, mit einem plötzlichen Abbruch mitten im musikalischen Geschehen und selten mit einem leiser werdenden Mikrophon.

Dieses dramatische Auserzählen pointiert zu takten wie hier, ist nicht nur für Indie-Rock untypisch, sondern auch ein Talent, das die Band aus Kingston, Ontario nur mit wenigen gemein hat.

Die Kirsche auf der Sahne des Musik-Eisbechers folgt zugleich: „My Blood“, „Everything Is Alright“ oder „Josie“ sind zudem schlichtweg Hits, mit denen The Glorious Sons auch über ihre Heimat hinaus tatsächlich schaffen, Stadien zu füllen. Dort haben es außerdem gleich sieben Songs des Albums in die Charts geschafft. Bleibt wohl nur abzuwarten, wie viele es hierzulande werden.

Schreibe einen Kommentar