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Ich fühle mich nicht wie ein Popstar – George Ezra im Interview

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George Ezra ist mit seinem Debütalbum „Wanted On Voyage“ (2014) nicht nur in seiner Heimat England, sondern der ganzen Welt zum Star geworden. Das Album war mega-erfolgreich, nicht zuletzt dank eingängiger Hits wie „Budapest“ oder „Did You Hear The Rain?“. Mit dem Rummel und dem entstandenen Druck geht der aus Hertford bei London stammende Ezra ziemlich lässig um und bleibt auch mit seinem neuen Album „Staying At Tamara’s„, trotz ähnlicher Erfolgszutaten, knapp vor der Grenze zum Mainstream-Pop stehen. Wie er das geschafft hat, sein Umgang mit Erfolg und andere Einsichten in die Ezra’sche Gemüts- und Gedankenwelt gab uns George Ezra im MusikBlog Interview.

MusikBlog: George, der Erfolg deines Debütalbums war sicher eine große Überraschung. Wie bist du damit umgegangen?

George: Nicht sehr gut, glaube ich. Aber nicht in einem negativen Sinn, ich habe es einfach nicht so bewusst wahrgenommen, wie ich es vielleicht hätte sollen. Ich war noch sehr jung und es war alles etwas bizarr. Erst am Ende der Tour habe ich realisiert, was ich alles geschafft hatte. Als ich mit dem ersten Album im Studio war, dachte ich nicht, dass es irgend jemand hören würde. Es gab keine Fanbasis oder so. Ich habe es eher als eine Möglichkeit gesehen, meine Musik aufzunehmen.

MusikBlog: Gab es keine Anzeichen bei den Konzerten, die du bis dato gespielt hattest?

George: Doch, sicher, aber das ist etwas anderes. Es ist ein großer Sprung von einem erfolgreichen Konzert hin zu einem Radiohit oder einem erfolgreichen Album. Bei einer Live-Show ist es vergleichsweise einfach, mit den Zuschauern eine Verbindung einzugehen.

MusikBlog: Nun, den Sprung hast du ja geschafft und jetzt bist du ein Star.

George: Der Erfolg war mehr als ich mir erträumt hatte, es war nichts, auf das ich abgezielt hatte. Ich fühle mich nicht wie ein Popstar. Ich fühle mich einfach wie George Ezra.

MusikBlog: Aber viele Künstler ändern sich auch mit dem Erfolg.

George: Ja, aber ich denke, das ist eine Frage der Persönlichkeit und kommt vielleicht von den Unsicherheiten oder dem Unglücklichsein dieser Person. Wenn du dich so veränderst, dann stimmt etwas nicht mit dir.

Mir hat kürzlich einer gesagt, du musst es doch schon gewohnt sein, nur in großen Hallen zu spielen. Und ich antwortete, nein, als Musiker sollte man dankbar sein über jedes Publikum. Natürlich ist es toll, auf großen Festivals zu spielen, aber vor Kurzem habe ich in London vor 700 Leuten gespielt und es war einfach magisch.

Ein Musiker zu sein, ist auf der einen Seite fantastisch, auf der anderen Seite hast du keine Kontrolle darüber, ob das, was du den Zuhörern präsentierst, wirklich funktioniert. Ich glaube, mit dieser Unsicherheit umzugehen, ist nur etwas für junge Leute. (lacht)

MusikBlog: Du bist ja noch jung, hast du diese Unsicherheit vor dem zweiten Album wieder gespürt?

George: Sicher. Ich erwarte nicht, dass mein neues Album erfolgreich wird, nur weil das erste erfolgreich war. Einen solchen Automatismus gibt es nicht. Als wir die Hälfte des neuen Albums aufgenommen hatte, realisierte ich im Studio „Scheiße, die Leute werden das hören“. Und Cam (Cam Blackwood, der Produzent) rief mir zu „Ja, natürlich, wo lebst du denn?“ (lacht)

MusikBlog: Aber ganz von Null hast du ja trotzdem nicht angefangen.

George: Das einzige, was ich diesmal gemacht habe: Ich wusste von dem ersten Album, was gut live mit einem großen Publikum funktioniert. Meine absoluten Lieblingsmomente bei Live-Shows z.B. sind „Budapest“ und „Blame It On Me“. Dieses Gefühl wollte ich für einige Songs auf der neuen Platte wieder haben.

MusikBlog: Auch deine Stimme klingt etwas reifer.

George: Ich bin nun entspannter beim Singen. Beim ersten Album habe ich versucht, irgendwie aus der Masse der Singer/Songwriter herauszustechen, aber diesmal habe ich meine Stimme nicht mehr so gepuscht, sondern versucht, sie natürlicher klingen zu lassen.

MusikBlog: War das Songwriting diesmal schwieriger?

George: Ja, es hat alles viel länger länger gedauert, als ich eigentlich wollte.

MusikBlog: Warum?

George: Beim ersten Album hatte ich aus den sechs Jahren davor Musikmaterial, das ich mehr oder weniger nur zusammen gestellt habe, eine Kollektion meiner bisherigen Arbeit sozusagen. Bis auf den Song „Paradise“, den ich auf Tour in den USA geschrieben habe, habe ich diesmal am Stück alles neu geschrieben.

MusikBlog: Warum die Ausnahme mit „Paradise“?

George: Wir waren damals an der Westküste unterwegs, zu zwölft im Tourbus und alle waren krank. Es fing mit einem an, dann kam jeden Tag eine weitere Person dazu. Die Sonne hat draußen geschienen, aber die Stimmung im Bus war ziemlich unten. Ich wollte mich positiv ablenken und habe den Song spontan mit meinem Telefon aufgenommen. Nach dem Ende der Tour bin ich zuhause darüber gestolpert und er hat mir so gefallen, dass ich ihn verwendet habe.

MusikBlog: Wie sind die anderen Songs entstanden?

George: Zuhause in London zu schreiben, fällt mir sehr schwer. Daher hatte ich mich 2016 zu einem Trip nach Barcelona entschlossen. Ich wollte in kein Hotel, also habe ich über das Internet jemanden gefunden, Tamara, die ein Zimmer vermietet hatte und bei der ich schließlich einen ganzen Monat gewohnt habe.

MusikBlog: Daher auch der Albumtitel „Staying At Tamara’s„?

George: Genau, ich fand, das war ein sehr guter Name für ein Album. Tamara war viel unterwegs, sie hatte viele Künstlerfreunde, die ständig kamen und gingen. Ich fühlte mich wieder wie ein Student. Ich war allein, spreche kein Spanisch oder Katalanisch. Ich bin einfach in der Stadt rumgelaufen und habe alles, was ich gemacht habe, in einem kleinen Tagebuch niedergeschrieben.

MusikBlog: Und dieses Tagebuch war die Basis für das Album?

George: Ja. Ich glaube nicht, dass du ein Album schreiben kannst, ohne zu wissen, worüber du eigentlich schreiben willst. Du brauchst ein Grundthema und das war für mich diese Zeit in Barcelona. 2016 war eine merkwürdige Zeit, all diese Ereignisse in der Welt mit Donald Trump, Brexit usw. Ich war ziemlich beunruhigt darüber, dachte aber auch, ich kann daran eh nicht viel ändern, ich bin nicht Superman.

MusikBlog: Du glaubst nicht, dass Musiker die Welt beeinflussen können?

George: Es gibt sicher Künstler, die sehr artikuliert ihre Meinung äußern, aber dazu gehöre ich nicht. Das hat nichts damit zu tun, dass ich mich davor drücken will, es ist einfach nicht meine Art. In dem Albumsong „Pretty Shining People“ z.B. heißt es „Why why, what a terrible time to be alive, if you’re prone to overthinking“, aber darauf folgt „Hey pretty smiling people, we’re alright together“. Bei mir muss am Ende immer ein positives Gefühl überwiegen.

MusikBlog: Vielen Dank für das Interview.

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