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The Soft Moon – Live im Hafenklang, Hamburg

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Von der Decke des kleinen Klubs an der Elbe baumelt eine Disco-Kugel, die von einem roten Dreieck umspannt wird. Wie ein kleiner, unwirklicher Planet hängt sie da, geschmückt durch die Reflexion dessen, was unter ihr passiert.

Genau so unwirklich, und vielleicht im selben Sternensystem verankert, steht der Amerikaner Luis Vasquez alias The Soft Moon an diesem Freitag auf der kleinen Bühne des Hafenklangs. Und auch, wenn weder The Soft Moon noch die Disco-Kugel wirkliche Planeten sind, entfacht diese Planetenkonstellation eine Intensität, die seinesgleichen sucht.

Schon beim Betreten des Hafenklangs merkt man an diesem Abend, das eine besondere Schwere in der Luft liegt. Das mag an dem Zigarettenrauch liegen, der sich wie ein Filter über alles legt, was nur wenige Meter von der Elbe entfernt im Hafenklang passiert.

Vielleicht liegt es aber auch daran, dass das ausverkaufte Konzert besonders Leute anzieht, die sich in Luis Vasquez selbstzerfleischender Musik wiederfinden. Jetzt schon spürt man die Energie und Spannung eines Mannes, der auf seinem neuesten Album „Criminal“ einen Rundumschlag auf alles, was die Seele „tötet“, unternommen hat.

Der Abend beginnt allerdings mit einem Support, der mit weniger Ressourcen bereits einen Vorgeschmack darauf gibt, was von The Soft Moon zu erwarten ist. Helm aus London schafft, lediglich aus Beatkonstruktionen und unterschiedlichsten Samples, eine Atmosphäre, die sowohl einige Köpfe zum Nicken, als auch einige Gesichter zum Verdutzt-blicken bewegt.

Die Augen schließen müssen auch einige, als die Stroboskoplichter im Takt der Musik von Helm anfangen, den gesamten Raum zu erleuchten. Das aufblitzende Licht bahnt sich den Weg durch eine Mischung aus Zigarettenrauch und Nebel, die Helm in regelmäßigen Abständen fast verschluckt, und sorgt so dafür, dass man sich wie in einem surrealen Raum selbst verliert.

Nach seinem relativ kurzen Set kann man Helm noch dabei beobachten, wie er seine Geräte abbaut und selbst hinter die Bühne trägt. Langsam verschwindet er in Nebelresten und der eingespielten Musik, die aus den Lautsprechern strömt und die Zeit bis The Soft Moon überbrücken soll.

Und die vergeht schnell. Nach einer kurzen Pause, in der Instrumente gestimmt und Setlisten verteilt werden, betritt Luis Vasquez die Bühne. Nicht allein, wie er auf der Platte zu hören ist, sondern mit zwei begleitenden Musikern. Trotzdem liegt der Mittelpunkt ganz klar auf dem Mann, der auch die Mitte der Bühne einnimmt.

Mit zerrissenem Shirt und einer kurzen, trockenen Begrüßung beginnt Luis Vasquez ein Set, das von der ersten Sekunde an jeden in den Bann zieht. Besonders ihn selbst. So scheint es jedenfalls, wenn Vasquez beinahe besessen von der eigenen Musik auf der Bühne herumspringt und seinem Schmerz mit starkem Hall Gehör verschafft.

Ein großer Teil des Sets setzt sich aus Songs des neuen Albums „Criminal“ zusammen. Die Thematik des Todes und des Schmerzes ist bei Songs wie „Choke“ und „The Pain“ nicht nur in der sich selbst befreienden Stimme, sondern auch in dem verzerrten Gesicht Vasquez‘ erkennbar.

Sprünge auf der Bühne wirken dank der ausgeklügelten Lichtshow wie Sprünge durch die Dimensionen und „Like A Father“ regt sogar das Publikum dazu an, in eigener Weise den Sprung zu wagen.

Eine Einladung, die ein großer Teil der Masse annimmt und die jeder auf seine eigene Art umsetzt. Körper biegen sich im Rhythmus von „Give Something“ und „Into The Depths“, anderen genügt ein wippender Fuß oder ein nickender Kopf.

Allen gemein ist aber der Applaus, der nach dem letzten Track des regulären Sets nicht verhallen mag. Punks, Männer in Anzügen, Hipster, Menschen applaudieren Luis Vasquez, der nach einer kurzen Pause noch einmal zurückkehrt, um zwei weitere Songs zu spielen.

„Black“ und „Want“ bringen nochmal alles mit, was The Soft Moon ausmacht. Markerschütternde Schreie voller Emotionen holen sich im Hall selbst ein und ergänzen sich zu einem Geräuschmosaik der Verzweiflung. Es ist beruhigend, Vasquez zwischen all dieser existenziellen und selbstzerstörerischen Musik lachen zu sehen, als er sich bei dem Publikum bedankt und die Bühne endgültig verlässt. Dem Publikum geht es ähnlich.

Irgendwie bereinigt und sorglos schauen die Gesichter auf die leere Bühne, nachdem das letzte Lied gespielt und der letzte Schrei verhallt ist. Selbst diejenigen, die sich kaum vom Platz bewegt haben. Denn in der Musik von The Soft Moon geht es nicht um erschöpfende Euphorie oder energiegeladene Wut. Die Intensität des Auftritts an diesem Abend kam von einem Platz, den jeder gern benennt, aber niemand so recht verorten kann. Der Seele.

Die Seele, ein Planetensystem für sich, erfährt zwischen Elbe und Reeperbahn eine kollektive Selbstexorzierung. Und das alles nur, weil ein einziger Mann den Mut und das Talent dazu hatte, seine zu öffnen.

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