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The Soft Moon – Criminal – Tod, Welt, Raum

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Wer würde nicht gern mal Depeche Mode im Milleniumfalken entführen, wie Buzz Lightyear bis zur Unendlichkeit und viel weiter tragen, ihnen Kopfhörer aufsetzen, auf denen abwechselnd Nirvana, Nothing But Thieves und diverse Punk-Bands laufen – quatsch – gleichzeitig natürlich, und sie dann dazu zwingen, diese Einflüsse in ein Album zu komprimieren?

Was nach einem sehr unterhaltsamen Mash-Up-Science-Fiction-Rockumentary-Drehbuch klingt, beschreibt jedenfalls annähernd den Sound des neuen Albums des Post-Punk-Projekts von Luis Vasquez alias The Soft Moon aus Oakland.

„Criminal“ heißt das neue, vierte Werk des amerikanischen Musikers. Und obwohl es den Hörer, ob er will oder nicht, in ungekannte Sphären entreißt, liegt den meisten Songs eine Atmosphäre zu Grunde, die entfernt an eine amerikanische Vorstadt der 80er erinnert.

Auf dem Titeltrack „Criminal“ selbst, welcher das Album abschließen soll, vermischt sich so die unheimliche Atmosphäre von „Smooth Criminal“ mit dem Anspruch, Großes zu umschreiben, wie es in den 70ern Isao Tomita auch schon mit seiner elektronischen Interpretation von Holsts „Planeten“ versuchte.

Da taucht es wieder auf. Das Thema des Alls, des Universums, das The Soft Moon gekonnt aufweichen. „Burn“, „Choke“, „ILL“, „The Pain“ und „It Kills“ heißen fünf der zehn Songs auf der Platte. Der Tod, oder jedenfalls der Weg dahin, soll es als Gegenstück zur scheinbaren Unendlichkeit richten.

So ließe sich auch das unheimlich hohe Pacing des Albums erklären, welches den Hörer, angetrieben von langwieriger musikalischer Verdichtung, nach jedem Track atemlos zurücklässt. Luis Vasquez lässt uns Teil seiner eigenen existenziellen Qual werden und liefert damit einen roheren musikalischen Einblick in die Gefühlswelt des Künstlers, als man es gewohnt ist.

„Choke“ beispielsweise baut sich scheinbar ohne Ende auf, ohne der stark verzerrten und sehr leisen Stimme unter den industriellen Beats viel Platz einzuräumen. Der Industrial-Rock schaut auf „Burn“ kurz vorbei, erinnert dabei an die oben genannten Nothing But Thieves. Fast poppig wirken dagegen „Give Something“ und „Like A Father“, wobei letzteres nicht untanzbar ist.

Und wer sich immer noch fragt, was Depeche Mode da im Raumschiff verloren haben, sollte sich „Born Into This“ nicht entgehen lassen. Eine einschüchternde Intimität begleitet all diese Einflüsse und lässt einen mit dem Gefühl zurück, jemanden sehr gut kennengelernt zu haben.

Wird diese Scheibe der Band viele neue Fans bescheren? Vermutlich nicht. Aber hätte The Soft Moon das gewollt, wäre mit Sicherheit kein so in sich geschlossenes Album entstanden, wie „Criminal“ es ist. An Stellen schwer zugänglich, an anderen dafür überraschend eingängig, lässt einen dieser Trip überwältigt zurück.

Da fällt es einem nicht leicht zu glauben, dass Vasquez nicht nur Kopf, sondern auch alleiniger Körper der Band ist. Umso leichter hingegen, dass dieses Album live, begleitet von ausgeklügelten Lichtshows, die Erfahrung auf der Platte nochmal in den Schatten stellen wird. Untermalt von Live-Gitarren entwickeln die Songs von „The Soft Moon“ dann sogar noch eine Leichtigkeit, die an Shoegaze erinnert.

Also, ins Album reinhören? Ja. Live erleben? Auf jeden Fall.

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