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Typhoon – Live im Knust, Hamburg

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„Asa Nisi Masa“. Ein Mantra, das Federico Fellini 1963 in seinem Film 8 1/2 erfand und dessen genaue Bedeutung bis heute ein Geheimnis und Grund zur Spekulation bleibt, wird an diesem Abend im Knust vom gesamten Publikum Richtung Bühne gebrüllt.

Auch unter den Zuschauern dürfte niemand so recht gewahr dessen sein, was man da gerade von sich gibt, sicher etwas Spirituelles. Eine weit verbreitete Deutung des Mantras spricht diesen drei Lauten eine Kraft bei, die Erinnerungen verstärkt, wiederherstellt, lebendig werden lässt.

Typhoon schaffen an diesem Samstag in Hamburg Erinnerungen. Ob das die Wirkung des Mantras bestätigt, oder einfach nur der Qualität der amerikanischen Band zuzusprechen ist, sei mal dahingestellt. Irgendwie erleuchtend ist der Abend trotzdem.

Bevor das Rock-Orchester aus Salem die Bühne betritt, wird dem Publikum an diesem Abend eine deutsche Band präsentiert. Linda Rum und Band liefern ein entspanntes Vorprogramm ab, das unaufregend ist, aber irgendwie glücklich macht. Das mag daran liegen, dass die drei jungen Musiker selbst andauernd lachen müssen.

Das mag aber auch an der Musik liegen, die sich wie ein Schleier über das Publikum legt. Vom Cello begleitet, erinnert Linda Rum in Momenten an Balmorhea mit mehrstimmigem Gesang, Folk-Pop mit vielen Ebenen und schönen Momenten.

Dass Linda Rum und Band heute nur zu dritt sind, stört da kaum. Auch ohne Drums und Synths schafft die gebürtige Nürnbergerin es, jedem Zuschauer ein Lächeln aufs Gesicht zu zaubern. Die meisten ahnen, dass das nicht das letzte Lächeln des Abends ist, denn sobald die junge deutsche Band sich sympathisch verabschiedet hat, zieht es die gesamte Masse ein klein wenig nach vorn.

In Erwartung und in Sorge wird gespannt beobachtet, wie ein Mikrofon nach dem anderen angeschlossen und ein Instrument nach dem anderen verkabelt wird. In Erwartung der Wirkung, die ein ganzes „Orchester“ an Rock-Musikern entfalten kann. In Sorge darüber, wie die insgesamt 11 Musiker von Typhoon auf die kleine Bühne im Knust passen sollen.

Es sind dann doch nur sieben Musiker und ein Teebecher, die die Bühne betreten. Lead-Sänger Kyle Morton entschuldigt sich direkt zu Anfang für mögliche Hustenanfälle während des Konzerts, die, falls es überhaupt welche gab, jedenfalls nicht auffallen.

Der im Hintergrund vor sich hin qualmende Teebecher wird von Morton in regelmäßigen Abständen zum Mund geführt. Ins Bühnenbild passt er auch wunderbar, hüllt er doch den zweiten Drummer von Typhoon, über dessen Verschwinden Morton wegen der voll gestellten Bühne witzelnd spekuliert, in einen schwachen Dunst ein.

Den Beginn des Sets macht mit „Common Sentiments“ ein Song, der mit dem typisch hallenden Gesang Mortons und einer folkigen Instrumentation ohne viele Höhepunkte den Prolog schreibt, Spannung erzeugt, ohne sie selbst aufzulösen.

Bassist und Gitarrist lassen ihre Blicke hier schon auf die eigenen Schuhe sinken und so erahnen, dass Ausflüge in den Shoegaze bei einer so großen Auswahl an Instrumenten nicht fehlen dürfen.

„Darker“ vom neuesten Album „Offerings“ lässt live solche Assoziationen dann auch erstmals erwachen. Die beiden Instrumente ergänzen sich zu einem spielerischen und tiefgründigen Geflecht, das von zwei Drummern im Zaum gehalten wird. Lieder wie „Rorschach“ und „Prosthetic Love“ dürfen natürlich auch nicht fehlen.

Mortons Stimme wirkt dabei irgendwie fern und zerbrechlich, erhält aber von der dramatischen und beruhigenden Melodie der Violine und des Basses eine Sicherheit und Tiefgründigkeit, die sich den Weg bis tief in die Brust des Zuschauers bahnt.

Ein warmes Gefühl macht sich dort breit, wo das Herz schlägt. Man könnte sich fast vorstellen, der kränkelnde Morton könne an seiner eigenen Stimme genesen, die Kraft aus der Musik ziehen, die er selbst kreiert. Kein Zweifel an dieser Annahme lässt „Wake“, das wie das Outro eines bewegenden Musicals beginnt und in der Rezitation des Mantras „Asa Nisi Masa“ endet.

Nach zögerlichen ersten Anläufen gewöhnt sich auch das Publikum an diese spirituelle Einladung zum Mitsingen. Blicke schweifen immer wieder zum Nebenmann, ob dieser denn auch das unverständliche, etwas unheimliche Mantra runterbetet. Das tut er, und das tun am Ende so viele, dass man sich selbst nur noch als Teil der Masse wahrnehmen kann.

Vorerst seinen Abschluss findet der Abend in einer Performance von „Young Fathers“, die in ihrer Einheitlichkeit nur noch einmal das frühere Bild einer Band bestärkt, die sich auf vielen Ebenen versteht. Alle Instrumente gehen Hand in Hand, sind voneinander abhängig, harmoniebedürftig, aber auch selbstständig wunderschön. Eine freiwillige Gemeinschaft an Sounds, die an diesem Abend im Knust sinnbildlich für die Zuschauer und Typhoon steht. Keiner kann ohne den anderen, und alle sind mehr als glücklich und dankbar dafür.

Vorerst, denn trotz Krankheit lassen es sich die sieben Künstler von Typhoon nicht nehmen „Artificial Light“ als Zugabe zum Besten zu geben. Gipfelnd in unnachahmlicher Energie findet sich in diesem Song die Antwort auf das zweite Mantra des Abends. Der gemeinsame, von kulthaftem Klatschen untermauerte, Ruf nach „Zugabe“.

Ob „Zugabe“ oder „Asa Nisi Masa“, Typhoon beweisen an diesem Abend, was Musik wirklich bedeutet. Gemeinschaft auf der Bühne, vor der Bühne, in der Band und im Publikum. Auch wenn die Bedeutung des Mantras immer noch ein Rätsel darstellt, erhält sich nach diesem Auftritt jedenfalls die romantische Vorstellung, dass jeder diesen Abend, im Grübeln über die Wirkung dieser drei Worte, nie vergessen wird.

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