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Isolation Berlin – Live im Uebel Und Gefährlich, Hamburg

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Etwas einschüchternd und beeindruckend zugleich gestaltet sich die Anreise zum Uebel & Gefährlich in Hamburg jedes Mal. Im Flakturm IV gelegen, der auch aus großer Entfernung kaum zu übersehen ist, hat der Club es sich zur Aufgabe gemacht, Hand in Hand mit anderen Kreativen aus einem militaristischen Denkmal einen Treffpunkt für Musik und Liebe zu machen. Heute Abend hilft ihm dabei Isolation Berlin aus, dreimal darf geraten werden, Berlin.

Im vierten Stock angekommen, erwartet einen einer der erhabensten Ausblicke Hamburgs. Um diesen zu erhaschen, muss man zwar die Toilettenräume aufsuchen, praktischerweise müssen Menschen das aber eh relativ regelmäßig. Schaut man dort aus dem Fenster, sieht man die Dunkelheit langsam über Hamburg einbrechen, unter höchster Anstrengung aufgehalten von dem leuchtenden Heiligengeistfeld, auf dem der optimistische Frühlingsdom mit all seinen Fahrgeschäften in allen möglichen Farben seine Anwesenheit verkündet.

Viel los ist heute aber nicht nur auf dem Heiligengeistfeld, sondern auch im Ü/G. Schon als die Vorband Erregung Öffentlicher Erregung die Bühne betritt, rückt das Publikum eng zusammen und füllt trotzdem einen Großteil des Ladens aus. Deutschen Post-Punk, der Geschichten aus dem Leben erzählt, ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen, bietet die Band aus Berlin und Hamburg, die als Vorband ähnlich aufmüpfig und emotional ist und kaum geeigneter sein könnte, das Publikum auf Isolation Berlin vorzubereiten.

Als Sängerin Anja Kasten dann in „LA Ray“ von billigem Rotwein, der „so mittel“ schmeckt, singt, dürfte jedem im Publikum endgültig bewusst werden, dass Erregung Öffentlicher Erregung erzählen, nicht fantasieren – leben, nicht träumen. Wenn Erregung Öffentlicher Erregung in Deutschland auch nur annähernd so viel öffentliche Erregung erregen können, wie Erregung im Gesicht ihres Keyboarders und Synthesizer-Spielers Philipp Tögel erkennbar ist, wenn er völlig in den Synths seiner Band aufgeht, ist bald ganz Deutschland erregt, öffentlich.

Mit dem Ende ihres Auftritts geht dann aber doch noch ein Ruck durch die Menge, der die Reihen ein wenig näher an die Bühne und ein wenig weiter weg von der Bar transportiert. Die Begeisterung des Publikums, in dem alt und jung heut beieinander stehen, wird erstmals hör- und spürbar, als Tobias Bamborschke und Konsorten die Bühne betreten und ihre Saiteninstrumente in die Hand nehmen.

Abgeranzte Lederjacke und Schiebermütze als Markenzeichen für sich auserkoren, befindet sich Bamborschke in illustrer Gesellschaft. Während Gittarist und Pianist Max Bauer einen Beatles-Look pflegt, steht Bassist David Specht in feinem Zwirn auf der Bühne. Diese ungleiche Paarung spiegelt sich auch in den Songs der Band wider.

„Marie“ und „Serotonin“ leiten den Abend zwar langsam ein, etablieren jedoch gleich die Grundstimmung, die man von Isolation Berlin gewohnt ist. Ein bisschen hoffnungslose Romantik, ein wenig selbstzerstörerische Melancholie und eine Prise ironischer Alltäglichkeit bringen die Massen zum Schunkeln und Mitsingen.

Irgendwo zwischen deutschem Pop und internationalem Punk findet Sänger Bamborschke etwas, das seine Gefühlswelt genau artikuliert. Obwohl Gefühlswelt vielleicht untertrieben ist, bei der Fülle an Emotionen, die seinem Gesicht sogar dann abzulesen sind, wenn er nicht singt.

Der Mund formt Wörter, die gar nicht entstehen und das regelmäßige, fast zwanghafte, Richten der Mütze gehört mindestens genau so sehr zum Auftritt von Isolation Berlin, wie die ausufernden Gitarren-Soli von Max Bauer.

Auch der Titeltrack des letzten Albums „Vergifte Dich“ darf nicht fehlen und bildet mit „Wenn Ich Eins Hasse, Dann Ist Das Mein Leben“ ein nihilistisches Duo, das nicht unbedingt zum Tanzen, dafür aber definitiv zum Zuhören anregt.

So geht es dem Zuschauer an diesem Donnerstagabend nicht nur einmal. Isolation Berlin bringen genug Energie mit, um die Zuschauer in Bewegung zu versetzen und genug tragisches Schauspiel in Textform, um nicht plakativ oder prätentiös rüberzukommen. Das Publikum geht diesen Kompromiss ein und fühlt sich wohl.

Sämtliche Dämme brechen dann aber auf sowie vor der Bühne während „Kicks“ und „Wahn“. Der Moshpit, der sich im vorderen Drittel des Clubs formt, scheint eine so starke Anziehungskraft zu entfalten, dass es selbst Bamborschke nicht mehr auf der Bühne hält. Mit Mikrofon in der Hand verschwindet er im Publikum, taucht wieder auf und meldet sich mit vampirhaftem Gelächter aus den Tiefen des Wahns zurück.

Eine doppelte Zugabe, die sich gewaschen hat, endet ruhig und lässt die Fans so euphorisiert zurück, dass in den ersten Momenten nach Ende des Konzertes immer noch die Hoffnung in der Luft liegt, Isolation Berlin würden die Bühne noch ein drittes Mal zurückerobern. Dann geht aber das Licht an, der Fiebertraum ist vorüber und jeder muss sich wohl damit zufrieden geben, dass das Konzert vorbei ist.

Eine junge Band, die in schweißtreibender Art und Weise die deutsche Musik von hinten aufräumt und zum Glück noch nicht so langweilig klingt, dass sie heute Abend beim Echo auf der Bühne stehen muss.

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