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Lord Huron – Vide Noir

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Gerade im breiten Folk-Künstler-Wirrwarr ist es nicht immer leicht, die eigene Besonderheit auch praktisch behaupten zu können: wo mal sanfte, mal deftigere Akustik-Gitarren, softer Gesang und allerlei anderer Saiteneinsatz zusammentreffen, läuft man schnell Gefahr, dass alle Songs im Kern gleich klingen und auch im Übergang kaum zu unterscheiden sind. Was dann zählt, ist oft der Inhalt und die damit transportierte Emotion.

Genau in dieser romantischen Iron & Wine-Atmosphäre startet auch das dritte Album „Vide Noir“ von Lord Huron. Mit stetigen Gitarren-Streichereien und von Frontmann Ben Schneider elfenhaft ausgeführtem und anschließend dumpf abgemischtem Gesang, besingen sie im Opener einen ungeahnten, aber hoffnungsvollen Neuanfang. Und so abgedroschen ihre dafür gewählten Worte schon sind, so gut klingen sie wenigstens zusammen: „I don’t know who I am, I don’t know where I’ve been“.

Doch direkt mit „Never Ever“ ist die Folk-Träumerei schon dahin: Lord Huron greifen zu knurrenden Elektro-Gitarren, Schneider klingt zwischenzeitlich verdächtig nach Brandon Flowers in den energischeren Killers-Songs und auch der Bass ist unüberhörbar eingesetzt.

Vielleicht sind es ihre Wurzeln, welche die Band aus Los Angeles, einer Stadt, die nicht unbedingt für seine zarten Songwriter bekannt ist, abrupt in den rocknahen Indie-Sound drängen. Vielleicht aber dann doch der Wille, sich ein wenig Einzigartigkeit im diesigen Folk-See zu erspielen, indem man schleichend zu Alternative übergeht.

Dieser Übergang zeichnet sich auch durch vorantreibende Melodien und die Betonung der Instrumente aus, wie in „Ancient Namens Part I“ & II. Statt auf lyrische Feinheiten setzt die Band hier auf sich intensiv-aufstauchende Wiederholungen („I gotta get away from here / I gotta get away from her“), um ihre Aussagekraft zu bestärken.

Songs wie „The Balancers Eye“ und das unaufgeregte „Moonbeam“ siedeln hingegen genau in der Mitte der zwei musikalischen Gegenpole von „Vide Noir“ an.

Lord Huron gelingt es, Folk souverän zu öffnen und Rock ohne Klischees in ihre Songs einzubinden. Eine Fähigkeit, die bisher noch ihresgleichen sucht.

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