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Pearl Jam – Dark Matter

„Keine Hyperbel – das ist unsere beste Arbeit“, sagt Eddie Vedder über „Dark Matter“. Und auch, wenn die meistens Pearl-Jam-Fans das wahrscheinlich so nicht unterzeichnen würden, denn ganz ehrlich, welches Album schafft es schon, „Ten“ oder „Vitalogy“, die ganze Musikgenres definiert haben, den Rang abzulaufen, behält er zumindest in gewisser Hinsicht recht. Denn tatsächlich ist „Dark Matter“ gut und gerne das beste Album der jüngsten Diskographie von Pearl Jam.

Und das ließen schon die beiden Vorab-Singles hoffen. Wo „Dance Of The Clairvoyants“ als Vorbote zu „Gigaton” für große Aufschreie sorgten (weil Pearl Jam midlifecrisis-mäßig plötzlich die Gitarren in die Ecke geworfen und durch Synthies und andere elektronische Spielereien ersetzt hatten), senden „Running“ und der Titelsong „Dark Matter“ ganz eindeutige Rock-Signale.

Und die sollten sich auch auf Albumlänge bewahrheiten. Auch, wenn der Opener „Scared Of Fear“ die ersten Sekunden mit einem sphärischen Synthie-Intro kurz eine andere Richtung antäuscht, prescht die Band anschließend mit Gitarren-Riff und treibendem Schlagzeug los, bevor in der Mitte des Songs ein herrliches Solo eine kurze Ruhepause einläutet, nach der Vedder sich zum Finale immer mehr in Rage singt: „I’ll Give / But I can’t give up“. Wie schön, dass Pearl Jam das auch nach mittlerweile fast 35 Jahren Bandgeschichte immer noch nicht tun.

In „React / Respond“ geht es noch eine Nummer schneller und wilder zu. Metallisches Schlagzeug trifft auf einen getriebenen Eddie Vedder, der die Zügel loslässt und ohne Scheuklappen durch diese 3:30 Minuten galoppiert.

Der Kontrast zwischen der kleinen, sphärischen Dissonanz, die kurz den Vorhang aufschlägt und sich dann in den punkigen Refrain auflöst: Was für ein Sahnehäubchen. Und das Outro aus harten Riffs, wildem Gekniedel und Vedders Lache, die man in den nächsten Horrorfilm packen könnte, ist die Kirsche obendrauf.

„Going Through The Wreckage“ ist der erste Mid-Tempo-Song, der eine wärmere Stimmung anschlägt. Und was braucht man als Pearl-Jam-Fan schon mehr, als wenn Eddie Vedders Stimme auch mit fast 60 immer noch so glasklar jegliche Höhen erklimmt?

„Upper Hand“ ist auch einer dieser zurückgenommeneren Songs, der auf knapp sechs Minuten jede Menge Atmosphäre entfaltet. Soundgarden grüßen hier genauso wie Pink Floyd und Pearl Jam laden zu einer kleinen Zeitreise in die Musikgeschichte ein. Da steigt man doch gerne ein.

Vielleicht ist es kein Zufall, dass die letzten Worte des versöhnlichen Closers „Setting Sun“ „Let us not fade“ lauten. Mit „Dark Matter“ beweisen Pearl Jam, dass das kein Schicksal ist, vor dem sie sich fürchten müssen.

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