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The Libertines – All Quiet On The Eastern Esplanade

The Libertines waren auch außerhalb des Indiezirkels mal ein Phänomen. Dafür hat vor allem Skandalnudel Pete Doherty ganze Arbeit geleistet. Man könnte es erfolgreiche Promo nennen, hätte sie nicht das Problem, dass die Popularität der Musik bei weitem nicht mit dem der Eklats mithalten konnte.

Was Doherty und Supermodel Kate Moss so allerhand Unrühmliches gedreht hatten, welche Drogeneskapaden die ganze Band lähmten, es geisterte derart penetrant durch die Boulevard-Presse, dass auch jeder geistig minderbemittelte Bildzeitungsleser (hier wird bewusst nicht gegendert) einen proletarischen Eindruck von The Libertines hatte, ohne einen einzigen Ton ihrer Musik zu kennen.

Diese Zeiten sind glücklicherweise passé und die Indie-Community hat die unlikely lads wieder ganz für sich. Mit dem Nebeneffekt, dass nun eine gewisse Ruhe und beinahe schon Genügsamkeit in den Sound der Band Einzug erhalten hat.

Nimmt man den stürmischeren Auftakt „Run Run Run“ einmal beiseite, der sich um das Streben nach Freiheit dreht und noch am ehesten ihren Heydays von vor 20 Jahren anhaftet, so sind die übrigen Stücke eher in der Tradition von Croonern geschrieben, als der des schmuddeligen Garage-Rocks.

Streicher und Pianotupfer in „Shiver“, der Oasis-Moment in „Night Of The Hunter“ und über allem eine britische Eleganz, die so gar nicht zur ausgedehnten Kneipenschläger-Attitüde und Suchtproblematik der Bandvergangenheit passen will. Auf verbrauchtere Weise gleicht das jetzige Wirken mehr den neuen Arctic Monkeys als den alten Stooges.

Das Quartett selbst scheint mehr denn je bei sich angekommen zu sein. Sowohl Carl Barât als auch Pete Doherty teilen diese Auffassung.

Wo die erste Platte aus Panik, die zweite aus Elend und die dritte aus Komplexität entstanden sei, ist die vierte das Produkt einer Band, die zur gleichen Zeit am gleichen Ort in der gleichen Geschwindigkeit agiert. Man könnte es beinahe harmonisch nennen.

Dabei ist die Abwesenheit von Harmonie doch gerade das, was sie mit „Up The Bracket“ groß gemacht hat. Sollte dieses Album also tatsächlich die erwachsenen The Libertines porträtieren? Es wäre ein erschreckend eindrückliches Bild davon, dass niemand vor dem Alter gefeit ist.

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