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Cigarettes After Sex – Live im Gruenspan, Hamburg

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In Hamburg scheint die Sonne. Niemand weiß so genau, wie viele Jacken angebracht wären bei einem Wetter, das in den letzten Tagen zwischen traditionellem Regen und sehr modernem Sonnenschein pendelt  man zieht das Nötigste an.

Am gestrigen Samstagabend tritt die US-amerikanische Band Cigarettes After Sex im Gruenspan auf und lockt größtenteils Menschen mit monochromem Kleidungsstil an, die früh und zahlreich in den theateresken Club eintreten, nicht drängen.

Nicht drängen, weil der frühe Einlass und Showbeginn es quasi unmöglich machen, eine Schlange vor der ausverkauften Location zu bilden. Statt sich also schon mit dem Mittagessen in der Hand und der Absicht, eine wartende Masse zu bilden, vor dem Gruenspan anzustellen, erlebt so fast jeder einen unkomplizierten und individuellen Eintritt in die dunstigen Hallen.

Wie in einer verrauchten Traumwelt sieht man vor der Bühne kaum mehr als die nebelverhüllte Silhouette des Vordermannes. Zeitlos scheint das Noir-Setting, das aus einem frühen Abend die ewige Mitternacht macht. Rote und weiße Scheinwerfer verfärben die Luft und die gedämpfte Musik, die aus den Lautsprechern tönt und niemanden warm machen soll lassen es noch unwahrscheinlicher erscheinen, dass die Nacht nicht einmal begonnen haben soll.

Die Musik holt die Besucher runter, nimmt sie bei der Hand, um schon den ersten Schritt gen atmosphärischer Post-Apokalypse zu wandeln, die heute Abend in Form einer Band bühnenreif wird.

Ohne Vorband betreten Cigarettes After Sex diese Bühne, ohne überschwängliche Begrüßung oder Selbstbeweihräucherung. Die Lichter werden erst gedimmt und dann auf Frontsänger Greg Gonzalez gerichtet, der seinen Blick nicht vom Mikrofon wenden kann, seine Augen sogar meist geschlossen lässt.

Gonzalez scheint das Singen der eigenen Songs gut zu tun, jedenfalls zu helfen bei der Verarbeitung ferner Welten, die Erfahrungen und Verluste in ihm heraufbeschworen haben Therapie durch Introspektion. Dem Publikum geht es ähnlich.

Erstaunlich wenig Kameras gesellen sich zwischen aufmerksamen Zuhörer und Musiker. Stattdessen werden die Augen entweder nicht abgewandt vom träumerischen Schauspiel oder ganz geschlossen, während die hypnotisierte Masse wie ein Pendel den Rhythmus nie verliert.

Applaus gibt es viel und sogar zu Beginn einiger Songs, obwohl der Auftritt eine Einheit aufweist, die durch eine Unterteilung der Lieder nur gefährdet würde. „Apocalypse“ und „Each Time You Fall In Love“ gehören neben „K.“ zu diesen Songs und lassen sogar verhaltenes Mitsingen erkennen.

„Think I like you best when you’re dressed in black from head to toe“. Gonzalez muss das Publikum lieben, das in seiner sanften Stimme ein extraterrestrisches Zuhause gefunden hat und in sich ruht. Ein verqualmtes Kino, das durch die endlosen Weiten des Weltalls schwebt und einen letzten Blick auf das Ende der Welt wagt.

Während „Apocalypse“ das reguläre Ende des Sets markiert, lässt „Dreaming Of You“ als Zugabe die Illusion einer weltlichkeitsbeendenden, transzendenten Erfahrung perfekt werden. Dröhnende Gitarren, die immer höher und weiter gleiten und vom selben Rhythmus bis in die Ekstase getrieben werden, wirken neben dem weißen Hintergrundlicht, das die Band ganz verschwinden lässt, wie mehr als nur das Ende eines Konzerts.

Auf dem Balkon sieht man die dunklen Umrandungen seines Vordermannes jetzt nicht bloß als leere Gestalt, sondern als jemanden, der unaufgeregt aber angespannt das Ende beobachtet, sich Karten für die Loge beschafft hat, nur um dabei zu sein.

Benebelt und berauscht vom Auftritt der Cigarettes After Sex taumeln die Besucher langsam aus der Mitternacht heraus, auf die Große Freiheit. Es ist noch nicht einmal neun Uhr, die ersten Junggesellenabschiede und Kegelclubs versammeln sich vor den zahlreichen, bunten und lauten Clubs, die noch kaum beleuchtet werden müssen.

Die Sonne scheint wieder, oder immer noch. Wer an diesem Abend im Gruenspan war, wird sich nachher kaum sicher sein, was davon zutrifft. Aber das ist auch egal, wenn sich die Menge langsam auflöst und vereinzelt durch die bunten Gruppen in Richtung Reeperbahn diffundiert, allesamt mit dem Bewusstsein, etwas Außergewöhnliches miterlebt zu haben.

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