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Fil Bo Riva – Live im Mojo Club, Hamburg

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Draußen scheint die Sonne, aber die Stimmung ist im Keller, Hamburg ist abgestiegen, die Zuschauer heute auch. Eine passende Einleitung für das Konzert von Fil Bo Riva im Mojo Club in Hamburg zu finden, fällt nicht schwer – es hat niemand gesagt, dass sie witzig sein muss.

Um in den dunstigen Club zu gelangen, muss man nämlich die Treppen an den tanzenden Türmen hinuntersteigen, den Keller der Reeperbahn aufsuchen. Schlussendlich findet man sich in einer mehrstöckigen Arena wieder, die auch römischen Gladiatorenkämpfen als angebrachte Austragungsstädte hätte dienen können. Ok – ganz so groß ist der Club auch nicht, aber für die römische Undergroundszene hätte es reichen können.

Der Club füllt sich an diesem Abend allerdings auch ganz ohne leicht bekleidete Ringkämpfer bis in die letzten Ecken. Stattdessen betreten Rikas heute als erstes die Bühne und präsentieren sich mit weiten Hemden, feinen Hosen und eklektischer Musik.

Irgendwo zwischen der Intensität von Rex Orange County, dem urbanen Tempo von Vampire Weekend und einem weltmännischen Selbstbewusstsein spielen die vier Musiker viel Gitarre, vernachlässigen den Bass und das Piano nicht und haben sichtlich Spaß daran, Unvorhersehbarkeit mit beständiger Zelebrierung sämtlicher Anwesender abzuwechseln. Sich selbst und das Publikum feiernd heizen Rikas selbst das Kellergewölbe schnell auf.

Etliche Gitarren-Soli später muss das Publikum dann aber doch kurz warten, ehe Fil Bo Riva die Bühne betritt. Dies tut der gebürtige Italiener bescheiden und fast unbemerkt, indem er sich mit Gitarre in der Hand den Weg durch den künstlichen Nebel bahnt, der die Bühne verhüllt. Der Eindruck von geruchslosem Zigarettenrauch wird nur noch einmal verstärkt, als das tiefste Organ seit Henning May den ersten Song anstimmt.

Beeindruckt und in ihren Erwartungen bestätigt, beginnt das Publikum zu nicken, später zu schunkeln und wenn man ganz genau hinschaut, sogar zu hüpfen. Schuld daran sind alte und neue Songs Fil Bo Rivas. Während kaum jemand „Killer Queen“ und „Franzis“ nicht mitsingt, stoßen „Blindmaker“ und anderes neues Material auf ähnlich intensive Begeisterung.

Das schwierig zu verortende Genre des in Berlin aktiven Künstlers eröffnet auch der Performance auf der Bühne sämtliche Türen. Manchmal wird das Gesicht in Achterbahnfahrten durch die eigene stimmliche Range verzogen, manchmal klagend die Gitarre erhoben, wenn das Leiden eines jungen Mannes aus kratziger Kehle gebeichtet wird. Manchmal wirkt der Auftritt aber auch wie noch mehr wie Indie-Pop mit dem Anspruch, international relevant zu sein.

Euphorisierende Melodien, die so schon Milky Chance Tür und Tor geöffnet haben, lassen es jedenfalls nicht unmöglich erscheinen, dass etwas Zeit und ein Album die Musik Fil Bo Rivas auch über die Grenzen der mitteleuropäischen Musikgemeinschaft hinaustragen könnte. Dazu kommen teils italienischer Gesang und eine instrumentale Leistung, die – wie schon bei der passend gewählten Vorband – selbst vor Jazz- und Weltmusik nicht zurückschreckt.

Sogar Johnny Cash darf im Geiste dabei sein und wird mit einem Cover verehrt. Das Cover von Johnny Cash ist auch einer der wenigen Momente, in denen Fil Bo Riva einen Song explizit hervorhebt und lobt. Sonst wirkt seine Stimme eher wie die, eines ruhigen und beruhigenden Erzählers, der, sollte es mit der Musikkarriere doch nicht klappen, sowohl für Hörspiele als auch für Dokumetationen ideal geeignet wäre – nur so am Rande.

Ein anderer dieser wenigen und gleichzeitig auch letzter Moment des Abends ist das abschließende Lied „Like Eye Did“. Wie mit einer Stimme grölt das Publikum seiner tiefen Stimme nach und dem Ende eines Abends entgegen, der die meisten glücklich und mit nur einer Frage im Kopf aus dem Kellerclub emporstiegen lässt: Bekommt man von Elektrozigaretten eigentlich auch eine rauchige Stimme?

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