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Dawes – Passwords

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Vom ersten Album erwartet man ein Zeichen, einen Sound, der über Jahre gereift ist und sich endlich der Öffentlichkeit präsentiert, vom zweiten eine Bestätigung dieses Sounds, ein Konzept, vom dritten dann die Neuerfindung.

„Passwords“ ist das sechste Album der Dawes aus Los Angeles. Was erwartet man da eigentlich? Nüchtern betrachtet könnte man einen natürlichen Nachfolger des Vorgängers, „We’re All Gonna Die“, erwarten, das selbst einen Bruch im Sound der Band bedeutete. Zum Folk-Rock à la Neil Young gesellte sich auf der fünften Platte der US-Amerikaner Synths und Strukturen, die aus dem dynamisch sehr engen Korsett des Folk ausbrachen.

Man könnte auch ambitioniert denken, und nach der letzten eine weitere Innovation erwarten. Die Einbindung punkiger Drums vielleicht, den düsteren Texten des Vorgängers entsprechend, oder Gitarrensoli, die benanntes Korsett etwas auflösen würden.

„Passwords“ ist nicht Innovator, sondern eher ein zweites zweites Album des Quartetts, ein natürlicher Nachfolger des mutigen „We’re All Gonna Die“, eine konsequente Fortführung der vergangenen Neuerfindung.

Der erste Song des Albums „Living In The Future“ gibt sich so mit Synths und schweren Gitarren als raumfüllender Soundkoloss, als vielsagender Prolog eines soliden Albums.

„Stay Down“, „Crack The Case“ und „Never Gonna Say Goodbye“ lassen die abgeflaute Romantik der Folk-Vergangenheit wieder aufleben und langweilen ein wenig, eben weil die Dawes sich in diesem Genre schon erprobt und ausgetobt haben.

Der Höhepunkt des Albums findet sich zu Beginn seiner zweiten Hälfte, wo „I Can’t Love“ fast erschreckend stark an nächtliche Autofahrten zu The Blue Nile’s „Over The Hillside“ bei offenem Fenster erinnert. Vom Synthesizer untermalt gibt sich in diesem Song alles in minimalistischer Fassung elegant und monumental zugleich.

„I Can’t Love“ geht fließend in „Mistakes We Should Have Made“ über und offenbart darin seine melancholische Hoffnung, jetzt über die Freuden der Zukunft bestimmen zu können. So etwas wie eine Hymne über das Nicht-mehr-jung-sein, die überstandene Prägungsphase und die Freiheit, die damit einhergeht.

In der bittersüßen, aber optimistischen Betrachtung der eigenen Vergangenheit vertonen die Dawes eine Perspektive, die selten Gehör findet. Die Perspektive verpasster Entscheidungen, entgangener Freuden und ehrlicher Reue bringt eine Schwäche mit sich, die Rockmusik sich ungern eingesteht und die das sechste Album der Dawes allerdings zu einem ihrer besseren macht.

Musikalisch und inhaltlich ist „Passwords“ eine retrospektive Platte voller Referenzen, die sich nicht eindeutig definieren lässt, aber gerade damit eine Antwort liefert. Und zwar die auf die Frage, was ein sechstes Album sein sollte, wenn die Neuerfindung schon geschehen und der Sound schon gefestigt ist.

Wie die Antwort für die Dawes klingt, kann man sich auf „Passwords“ jetzt anhören, eine Regel gibt es nicht. Schlauer ist man wohl immer erst nachher.

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