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Johnny Marr – Call The Comet – Wenn Legenden lernen

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Es gibt sie immer wieder. Diese Alben, auf denen jemand in die Fußstapfen eines anderen Künstlers treten muss oder möchte, sich dabei maßlos übernimmt und man am Ende enttäuscht auf eine Platte zurückblickt, die nichts über denjenigen selbst aussagt.

Johnny Marr tritt mit „Call The Comet“ in große Fußstapfen. Dass es seine eigenen sind, macht die Sache nicht einfacher, ist es doch schon schwer, sich von einem fremden Sound zu emanzipieren. Ob es trotzdem klappt? Einfache Frage, komplizierte Antwort.

Als Gitarrist der Smiths schrieb Marr Musikgeschichte, auf seinem ersten Debütalbum „The Messenger“ überdurchschnittlich gute, aber unterdurchschnittlich erfolgreiche Lieder. Auf „Call The Comet“ wird es jetzt politisch, progressiv und poppig.

Das erste klare Indiz der späten Neuerfindung muss wohl „The Tracers“ sein, das die breite Inszenierung eines Songs der High Flying Birds von Noel Gallagher und das virtuose Gitarrenspiel des Altmeisters zusammenführt, um eine intensive Dramatik aufzubauen. Der Track fährt ein Tempo, das sein ehemaliger Kollege Morrissey nur noch selten bis gar nicht durchhält.

Genauso geht es mit „Hey Angel“ weiter, das in ähnlichem Ton den ersten Akt des Albums abschließt. Akt, weil das Album klar strukturiert zu sein scheint, von einem Konzept getragen wird. Auf einen treibenden ersten Akt folgt ein transitorischer zweiter.

„Hi Hello“ klingt nach Smiths, „New Dominions“ und „Walk Into The Sea“ modern und experimentell. Einflüsse von Modest Mouse, für die Johnny Marr mehrere Jahre Gitarre spielte, lassen sich hier jedenfalls erahnen.

Marr borgt, schafft und lässt sich inspirieren, als wäre er ein hungriger Künstler auf dem Weg der Selbsterfindung. Es gelingt ihm sogar, den politischen Diskurs in sein Album zu integrieren, ohne populistisch und verschwörerisch das Gefühl zu vermitteln, es ginge ihm um reine Aufmerksamkeit.

Und auch, wenn das Finale von Marrs zweitem Album dem ein oder anderen zu sehr nach der Blaupause eines Rockalbums klingen mag, markiert es den gelungenen Abschluss eines eklektischen Versuchs, schneller als der eigene Schatten zu sein.

Inspiriert durch eine jüngere Generation an Gitarrenmusikern, die Johnny Marr vor drei Jahrzehnten selbst dazu inspirierte, auf der Klampfe Hits zu schreiben, tritt Marr nicht plump in seine eigenen Fußstapfen.

Wie jahrelang geplant und souverän inszeniert, ist „Call The Comet“ das Album eines Beobachters, der 30 Jahre lang die verzweifelten und trotzdem wunderschönen Versuche seiner Nachfolger,  ihn zu übertreffen, begutachtete, nur um diese jetzt in einem Album zu verarbeiten.

Marr kam, Marr sah, Marr siegte.

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