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Madsen (Credit Dennis Dirksen)

Madsen – Lichtjahre

Sicher, der Anfang der 2000er war keine schlechte Zeit für deutschen Indie-Rock. Die Sportfreunde Stiller, Wir sind Helden und auch Madsen hatten damals irgendwie ihre Berechtigung, und wenn diese nur darin bestand, regelmäßig das Aushängeschild der „MTV Campus Invasion“ zu sein.

Heute sind viele Bands von damals eher ein Schatten ihrer selbst: die Sportfreunde Stiller sind Radio- und Schwiegermutters Liebling, Judith Holofernes schillert auf Vox mit Mark Forster über den TV-Bildschirm und Madsen legen 14 Jahre nach Bandgründung mit „Lichtjahre“ ihr siebtes Studioalbum nach.

Darin besungen: sorglose Sommerferien, Web 2.0 und bessere Zeiten ohne. Ist intensives, öffentlich ausgelebtes Schwelgen in längst vergangenen Erinnerungen nun schon gleichzusetzen mit einer waschechten Midlife-Crisis? Oder ist es gar die eigene Wahrnehmung, die Madsen-Songs von früher nicht als dermaßen schmierig-nostalgisch empfand?

Es ist doch so: in „Nachtbaden“ beispielsweise kam Alltagsflucht nicht halb so beschämend unlyrisch umschrieben weg wie im trällerndem „Sommerferien“, und „Verschwende dich nicht“ ist wesentlich mut-zusprechender als „Wenn alles zerbricht“.

Wo Madsen inhaltlich noch immer in ihrer einstigen Studenten-Zielgruppe wabern und statt Auto bekennend unlässig „Karre“ sagen („Rückenwind“), bewegen sie sich musikalisch auch noch in den Gefilden von damals:

Bemühte Punk-Gitarren, einfach-gehaltene Melodien, die durch Sebastian Madsens Beinahe-Geschrei untermalt werden, und unspektakuläre Drums. Bonus: beim Versuch, zu beweisen, sie seien in 2018 angekommen, greifen Madsen mit „Ich tanze mit mir allein“ elektronisch daneben und binden mit ihrem Gast König Boris („Bumm! Bumm! Bumm!“) immerhin so etwas wie Rap ein.

Wo leere Floskeln bespickt mit bedeutungsschwangeren Worten die Führung ergreifen, kann es helfen, sich bei Kolleg*innen nach Inspiration umzusehen, oder gar Altbewährtes neu zu interpretieren, statt eigene Musen sprechen zu lassen.

Vielleicht spiegelt Madsens Version von „Hungriges Herz“ ja sogar den Sound wider, den Mieze damals gerne gemacht hätte, ist aber noch anstrengender als zurückliegende „Punk“-Verschlimmbesserung von „Last Christmas“ und lässt die jeweiligen Originale erst recht als gar nicht mal so schlecht da stehen.

Dann lieber schnell zu Weezers langersehntem und kürzlich gedroppten Cover von Totos „Africa“ skippen. Oder generell zu ganz anderer Musik.

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