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Madsen (Credit Dennis Dirksen)

Madsen – Na gut dann nicht

Bei der Zeitangabe steht bei den meisten Songs auf „Na gut dann nicht“ eine zwei vorn. Wem das noch nicht als Indiz zum Gerne der neuen Madsen-Platte reicht, der muss sich nur die ersten 30 Sekunden des titelgebenden Openers anhören und dürfte keine Zweifel mehr haben: Das ist Punk.

Na gut, dass das Quintett mit seinem deutschsprachigen Indie-Rock gerne auch mal Richtung Punk geschielt haben, ist kein Geheimnis. Aber so konsequent durchgezogen wie auf „Na gut dann nicht“, haben Madsen diese Linie noch nie.

Wenn man aber über Punk in seiner Ursprungsform nachdenkt, überrascht es wenig, dass es in den Zeiten, in denen wir leben, immer mehr Musiker wieder zu diesem Genre hinzieht.

Punk, das ist Protest, das sind fliegende Bierbecher in Kombination mit Mittelfingern Richtung Rassismus, Staatsoberhäupter und Kapitalismus. Bei Songtiteln wie „Alte weiße Männer“ muss man also kaum zweimal überlegen, was hier Gegenstand des Textes ist.

Dazu gibt es ein eingängiges Bass-Riff, dreckige Gitarren-Chords und Gesang, der mehr Gegröhle als irgendwas anderes ist. Dazu eine Bridge aus Oh-oh-oh-Chören, die einem diesen besonderen Geruch aus Bier und Schweiß anderer Menschen in die Nase treiben, während man mit 16 zu „Bro Hymn“ im Mosh-Pit des lokalen Jugendzentrums eskalierte.

Wer hätte gedacht, dass man sich jemals nach dem Schweiß anderer Menschen in den eigenen Haaren sehnt? Zum Stichwort „Quarantäne“ haben Madsen auch was zu sagen und schlagen so neben einigen abgegrasten Themen auch den Bogen in die Gegenwart.

„Quarantäne für immer“ ist eine bissige Abrechnung mit Menschen, die es sich zu Hause mit ihrer eigenen Apathie gemütlich gemacht haben und den proletarischen Rest da draußen belächeln, während sie ihrem eigenen Untergang lächelnd zusehen und das nichtmal verstehen.

Ein besonderes Schmuckstück in Sachen Zeitgeist ist „Protest ist cool aber anstrengend“, womit Sebastian Madsen einmal mehr sein Händchen für pointierte Texte beweist:

„Narzisstische geisteskranke Präsidenten schreien / Wir kümmern uns nur um uns allein / Deine Kinder fragen dich wie du dazu stehst / Natürlich findest du das alles nicht okay / Doch morgen soll es regnen und du musst noch Rasen mähen / Deswegen könnt ihr heute leider nicht zur Demo gehen (…) Du willst mit nem BWM zur Fahrraddemo fahren / Und ein Selfie mit Greta das wär‘ schon ganz schön nice“.

Natürlich ist „Na gut dann nicht“ keine musikalische Überraschung und Songs wie „Scheiße zu Gold“ sind textlich wie melodisch nach der ersten Sekunde so offensichtlich, dass man getrost weiter skippen kann.

Doch allein für oben benannte Beobachtungen, die einige Dilemmata der Generation Y punktgenau formulieren, lohnt sich die Platte.

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