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Songwriting ist immer einsam – Stella Sommer im Interview

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Eigentlich ist Stella Sommer Kopf und Stimme der Hamburger Indie-Band Die Heiterkeit. Nach drei vielfach gefeierten Platten hat sie nun allerdings ein Solo-Album aufgenommen. Wobei der Titel „13 Kinds Of Hapiness“ trügt. Die 13 Tracks klingen getragen, melodramatisch, orchestral, also ganz anders als der ironische Diskurspop ihres Hauptprojekts. Ein Gespräch mit der Alleskönnerin über autobiografische Lieder, englische Texte, künstlerische Inspirationsquellen und warum ihr Glück mit der Einsamkeit verwandt ist.

MusikBlog: Stella, wenn man den Sound und die Texte von „13 Kinds Of Hapiness“ mit dem vergleicht, was Die Heiterkeit macht, wirkt dein Soloalbum melodramatisch, manchmal fast pathetisch. Woher kommt diese Stimmungslage so plötzlich?

Stella Sommer: Ach, das ist gar nicht so plötzlich. Auf dem letzten Album der Heiterkeit gab es auch schon Stücke wie „Die Kälte“, die womöglich ins Melodramatische gehen. Wobei ich den Begriff sowieso ein bisschen komisch finde…

MusikBlog: Nennen wir es Getragenheit. Kennzeichnet sie das Gegenteil jener unterkühlten Lässigkeit, mit der Die Heiterkeit sonst spielt?

Stella: Ich finde, die Stimmung dieses Albums rührt viel stärker als sonst von der Instrumentierung her. Bei der Heiterkeit hab ich schließlich immer nur Gitarre in einer klassischen Indieband-Konstellation gespielt. Jetzt ist alles ein bisschen größer, orchestraler. Durch das Klavier oder die Orgel nehme ich mir definitiv Freiräume, die auch emotional spürbar sind.

MusikBlog: Sind mit dem Titel denn tatsächlich 13 verschiedene Glückszustände gemeint?

Stella: Der Ansatz war eigentlich eine Sammlung von Kurzgeschichten, die ich mal gelesen habe. Ich fand diese „Eleven Kinds Of Lonliness“ zwar ein bisschen langweilig, aber die Idee dahinter, elf Erzählungen über die Einsamkeit zu schreiben, ganz gut. Deshalb habe ich das aufs Glück übertragen. Von Einsamkeit ist das schließlich gar nicht unbedingt weit entfernt.

MusikBlog: Wird diese Verwandtschaft dadurch zum Ausdruck gebracht, dass du vermeintliche Glücksgefühle mit derart getragenem Sound verknüpfst?

Stella: Ganz genau. Ich spreche ja schon im Titelstück abwechselnd von 13 Kinds of Hapiness und Loneliness. Die Musik dazu soll zum Ausdruck bringen, wie austauschbar beide Begriffe oft sind.

MusikBlog: Ist diese Austauschbarkeit autobiografisch geprägt?

Stella: Autobiografisch ist die Platte vor allem in dem Sinne, dass ich die Stücke über einen sehr langen Zeitraum angesammelt habe. Einige davon sind sicher zehn Jahre alt, stammen also aus einer völlig anderen Lebensphase von mir. Abgesehen davon, dass Liedtexte eigentlich immer auch ein wenig vom Texter erzählen, würde ich mich aus meiner Sicht viel zu angreifbar machen, wenn darin alles von mir und meinem Innersten handelt.

MusikBlog: Ein vertontes Tagebuch ist das Album also nicht?

Stella: Nein, so weit will ich die Musik nicht an mich und das Publikum heranlassen. Es geht inhaltlich auch gar nicht um so persönliche Sachen. Die Stücke sind einfach Ergebnisse verschiedener Skizzen um Themen wie Einsamkeit oder Glück. Es gibt da noch viel mehr unveröffentlichtes Material von mir, aber der Rest passt bislang nicht richtig zueinander.

MusikBlog: War denn beim Entstehen der ersten Stücke noch vor der Gründung von Die Heiterkeit absehbar, dass sie irgendwann mal Teil eines Konzeptalbums werden?

Stella: Eher nicht. Damals war ich ja noch nie im Studio, weshalb das Plattenmachen noch sehr weit entfernt war. Die Idee einer Band war seinerzeit zwar durchaus präsent, aber ziemlich schwer zu greifen. Ich habe mit elf oder zwölf angefangen, Lieder zu schreiben – damals noch überwiegend auf Englisch, weil ich damals halt viel britischen Folk gehört hatte. Erst, als ich mit 20 nach Hamburg gezogen bin, fiel mir auf, dass man Indie auch Deutsch singen kann, hatte aber dieses Arsenal an Texten in englischer Sprache – sehr schlechtem Englisch allerdings.

MusikBlog: Und jetzt hat es sich so weit verbessert, dass es an die Öffentlichkeit darf?

Stella: Als ich an die Platte herangegangen bin, habe ich es eher als große Herausforderung empfunden, die Bruchstücke und Refrains auszuarbeiten und zu vervollständigen. Im Deutschen kenne ich mich gut aus, da bin ich zuhause. Sich eine andere Sprache anzueignen wie die eigene, ohne sich dabei lächerlich zu machen, das fand ich interessant und spannend. Letztlich war es dann aber gar nicht so großartig anders, nicht auf Deutsch zu schreiben.

MusikBlog: Du hast nicht das Gefühl, verkünstelt zu klingen?

Stella: Also ich bin ganz zufrieden.

MusikBlog: Gab es Momente, in denen du mit Deutsch weiter gekommen wärst, weil du dich nicht adäquat ausdrücken konntest?

Stella: Eigentlich nicht. Beide Sprachen sind in meinem Alltag so präsent, dass ich gar nicht groß differenziere. Bei Filmen zum Beispiel weiß ich hinterher oft nicht, ob ich sie im Original oder übersetzt gesehen habe. Ich hoffe, das überträgt sich auch auf meinen Gesang.

MusikBlog: Ist es Zufall, dass der ein wenig an Andy Warhols Muse Nico erinnert?

Stella: Unterbewusst vielleicht. Als die Stücke entstanden sind, habe ich viel Musik aus den Sechzigerjahren wie Marianne Faithfull oder die Stones gehört. Es gibt aber auch andere Inspirationsquellen wie Nick Cave oder Tocotronic.

MusikBlog: Inspirationsquellen oder schon Vorbilder?

Stella: Wo genau ist da der Unterschied?

MusikBlog: An Vorbildern orientiert man sich, Inspirationsquellen macht man sich nutzbar.

Stella: Dann eher Letzteres. Ich habe sie quasi ausgenutzt. (lacht)

MusikBlog: Und die Instrumente hast du alle selbst eingespielt?

Stella: Philipp spielt wie bei der Heiterkeit Schlagzeug, der Bass kommt teilweise von Pogo McCartney und ein Freund von ihm hat eine Gitarrenlinie beigesteuert. Ansonsten kommt alles von mir, ja.

MusikBlog: Wenn du so viel Unterstützung hast – warum heißt es dann Solo-Album?

Stella: Weil ich alles alleine arrangiert und vorproduziert habe und es irgendwie lächerlich gefunden hätte, jetzt noch eine Band aufzumachen. Ich wollte mich nicht wieder abhängig machen von Leuten, bei denen unklar ist, ob sie nach der Platte wieder aussteigen. Als Stella Sommer hab ich alle Freiheiten und muss keine Kompromisse machen. Aber auch Die Heiterkeit weiß gar nicht so ganz genau, ob es überhaupt eine Band ist beziehungsweise was das überhaupt sein soll – eine Band. Vielleicht sind wir ein projektbezogenes Kollektiv.

MusikBlog: Das es weiterhin gibt?

Stella: Ja, grad letzte Woche hab ich ein Album fertig gemacht, das im Grunde seit einem Jahr rumliegt.

MusikBlog: Kommt man nicht durcheinander, wenn zwei Projekte parallel laufen?

Stella: Nein, das geht. Es ist ja nicht zeitgleich passiert.

MusikBlog: Was unterscheidet Die Heiterkeit musikalisch von Stelle Sommer solo?

Stella: Allein bin ich folkiger, zeitloser, vielleicht auch klassischer, nostalgischer. Ich finde es sehr angenehm, dem Band-Zusammenhang zu entkommen und jeden Song in jede Richtung zu denken, weil nicht alle Mitglieder beschäftigt sein müssen. Im Proberaum alles alleine gemacht zu haben, war schon eine neue Erfahrung. Aber Songwriting ist immer einsam.

MusikBlog: Bist du trotzdem Teamplayer?

Stella: Doch. Schon. Aber ich habe es in 20 Jahren noch nie anders versucht.

MusikBlog: Vielen Dank für das Interview.

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