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Jeder weiß auch mal, wann er den Mund zu halten hat – Moop Mama im Interview

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Moop Mama ist eine 10-köpfige Brassband aus München, die besonders für ihre unangekündigten Guerilla-Konzerte in Fußgängerzonen oder Stadtparks bekannt ist. Mit „ICH“ veröffentlicht die Gruppe nun ihr viertes Studioalbum, auf dem unter anderem auch Fatoni, Danger Dan (Antilopen Gang) und Kryptik Joe (Deichkind) zu hören sind. Passend zum Albumrelease trafen wir uns mit Rapper Keno Langbein und Tenorsaxophonist Marcus Kesselbauer und unterhielten uns über die Schwierigkeiten einer großen Band, die Wahl der Feature-Gäste für das Album und Wünsche, die in Erfüllung gehen.

MusikBlog: Anfang nächsten Jahres beginnt die Tour zu eurem neuen Album „ICH“, gleichzeitig euer 10-jähriges Jubiläum. Was ist geplant?

Marcus Kesselbauer: Großes!

Keno Langbein: Im Endeffekt der nächste Schritt nach vorne. Wir hoffen, dass die Hallen etwas größer werden und dass wir das, was wir jetzt im letzten Jahr produziert haben, richtig abfeiern können. Wir freuen uns schon riesig darauf, die Songs von der neuen Platte vor größerem Publikum zu präsentieren. Im Moment sind wir noch auf Promo-Tour, wo wir spontane Gigs an ungewöhnlichen Orten auf der Straße spielen, unverstärkt. Das ist alles sehr klein und nah und außergewöhnlich.

MusikBlog: Wie klein denn? Immerhin seid ihr schon zu zehnt.

Marcus Kesselbauer: Es ist sehr intim. Wir haben zum Beispiel letztens auf einem Floß gespielt, wo wir uns auf drei Etagen verteilen und anordnen mussten. Es waren auch nur eine Handvoll Gäste da.

Keno Langbein: Bei den Sachen, die wir jetzt gerade machen, bei diesen Guerilla-Konzerten, wie wir sie nennen, ist es so, dass wir Ort und Zeit immer sehr spontan preisgeben. Wir wenden uns dann über Facebook an unsere Fans in der jeweiligen Stadt und geben die Informationen nur an die Leute, die sich rechtzeitig melden. Wir halten das im Moment im kleinen Rahmen, weil wir coole und außergewöhnliche Aktionen machen wollen und es für uns auch immer viel Spannung ist, so spontan zu sein. Das meinen wir mit klein. Sehr fan-basiert.

Marcus Kesselbauer: Und ohne größeren technischen Aufwand.

MusikBlog: 10 Männer, 10 Meinungen. Wie spontan könnt ihr wirklich sein?

Keno Langbein: Naja, deshalb heißt unser neues Album ja auch „ICH“. Wir sind ein 10-köpfiges, großes Monster geworden und mittlerweile hat da jeder so seine Aufgabe und jeder weiß auch mal, wann er die Fresse zu halten hat, wenn gemeinsam was angepackt werden muss! (lacht)

Aber es geht wirklich sehr spontan! Zum Beispiel sind wir neulich in Berlin angekommen und wussten tatsächlich noch nicht, wo und wann wir spielen wollten. Wir haben dann am Vormittag einen Facebook-Aufruf gemacht und nach Locations gefragt. Im Laufe des Tages hat sich dann diese Boots-Crew gemeldet, worauf wir mit dem Taxi rübergefahren sind, unser Zeug darauf gestellt haben und den Leuten über Facebook Bescheid gesagt haben.

Letztendlich ziehen wir das eigentlich immer ziemlich gut durch. Diese neun Jahre Erfahrung, die machen sich wirklich bemerkbar. Nicht nur bei der Band, auch bei unserer Crew. Wir halten alle super-krass zusammen und gerade in Situationen, wo es dann wirklich stressig wird oder hart auf hart kommt, da sind wir mittlerweile so ein bisschen „S.W.A.T.-Team“-mäßig unterwegs. Ich glaube, wenn irgendwann mal die Welt untergehen sollte, dann weiß ich, mit wem ich mich durch die Zombie-Massen kämpfen werde!

MusikBlog: Neun Jahre sind eine lange Zeit. Gab es Momente, in denen zehn einfach ein paar zu viel waren?

Marcus Kesselbauer: Nein, weil es jeden einzelnen von diesen zehn braucht, damit das funktioniert und es so klingt, wie du es hörst. Bei den Gagen-Erwartungen ist es natürlich totaler Irrsinn gewesen, eine 10-Mann-Band zu gründen, denn du musst halt auch alles durch zehn teilen. Aber das Schöne ist, du kannst auch die Arbeitsaufträge durch zehn teilen und dann wird es wieder etwas einfacher für jeden, denn viele Hände schaffen ein schnelles Ende!

Keno Langbein: Wir haben einfach auch lange geschaut, wo die Stärken in so einer Gruppe liegen. Natürlich sind manche Sachen stressiger, wenn man zu zehnt ist, aber andere Sachen lassen sich auch einfach auf eine ganz andere Art und Weise machen. Mittlerweile bringt jeder das mit ein, was er neben dem Musikspielen noch gut kann. Wir haben zum Beispiel Peter und Jan, die unser Label machen, die sich organisatorisch auftun und Ideen entwickeln. Marcus schreibt dagegen die Arrangements. Um Video-Ideen kümmern wir uns gemeinsam. Alle helfen da einfach zusammen mit und so rollt der Laden.

Klar, steht man manchmal da und denkt „Ach, das wäre alles viel einfacher, wenn wir nur zu dritt wären“, aber das, was wir hier erleben, was wir kreieren, das ist einfach viel besser und viel mehr das, was wir sein wollen. Wir gehen unseren eigenen Weg und sind sehr zufrieden und auch ein bisschen stolz.

MusikBlog: Als ob zehn nicht genug wären: Für die neue Platte habt ihr euch noch mehr Leute ins Studio geholt!

Keno Langbein: Ja! (lacht) Diese Jungs, die wir da ausgewählt haben, das sind einfach alles Menschen, die wir schon eine Weile kennen und mit denen wir was anfangen können. Da wäre Fatoni. Das ist einfach ein langjähriger Kollege von uns, der sogar Gründungsmitglied dieser Band war, was viele gar nicht wissen. Deshalb war das eine besonders große Freude, mal wieder mit ihm zu arbeiten.

Und dann Danger Dan, also die Antilopen Gang. Die waren einfach, ähnlich wie wir, überall in den letzten Jahren. So sind wir uns immer wieder begegnet. Und das sind einfach auch Eins-A-Menschen, mit denen wir gerne zusammenarbeiten, weil sie Aussagen vertreten, hinter denen wir auch stehen können. Danger Dan hatte in einem seiner Refrains so einen Gitarren-Riff, etwas, das auch eine Seite von uns ist und die wir schon länger mal wieder raushauen wollten. Ich habe ihm daraufhin ein bisschen schüchtern eine Skizze von unserem Song geschickt, eine Test-Aufnahme, und er hat sich direkt zurückgemeldet. Da war sofort ein gemeinsamer Vibe da.

Der neuste Bekannte ist Kryptik Joe. Wir sind von Deichkind große Fans! Die machen zwar ganz andere Musik als wir, aber ziehen diesen Selbstmacher-Modus auch extrem durch, so wie wir. Ich weiß gar nicht mehr, wie der Kontakt zustande gekommen ist…

Marcus Kesselbauer: Auf dem Nova Rock in Österreich. Da bin ich morgens aus dem Bus gestiegen, um zum Catering zu gehen und da kam mir Kryptik Joe entgegen mit „Hey, Moop Mama!“ Er hat dann erzählt, dass er uns in Berlin im Radio gehört hätte und uns shazamt hat, um herauszufinden, wen er da hört. Seitdem ist er Fan, wäre schon auf einigen Konzerten gewesen und freute sich nun auf unseren Gig da bei diesem Festival vor ein paar Jahren.

MusikBlog: Gitarren-Riff, Rock, Hip-Hop, Rap – Ist das „Urban Brass“, wie ihr es nennt?

Keno Langbein: Unsere Musik ist im Prinzip eine Zusammenführung aus all den Elementen, die wir gut finden. Da kommt Zeitgenössisches hinzu, aber auch Sachen, die wir einfach schon immer feiern – von rockigen Stellen bis hin zu Hip-Hop. Wir haben diesmal beim Track mit Fatoni zum Beispiel erstmals relativ viel Auto-Tune miteingebaut. Das ist einfach eine breite Fläche, auf der wir feuern können.

MusikBlog: Stichwort breite Fläche: Lieber eigene Konzerte oder doch große Festivals?

Marcus Kesselbauer: Der Unterschied ist insofern da, dass auf Festivals nur ein Teil der Leute uns schon kennt und erst zum Schluss alle mitsingen. Bei eigenen Shows sind das von Anfang an alle.

Keno Langbein: Das ist auch einfach eine unserer größten Stärken, weil wir so gelernt haben. Seit Tag eins sind wir auf der Ochsentour und haben vor Publikum gespielt, was uns gar nicht kannte, total absurd. So haben wir aber gelernt, das Publikum irgendwie immer an uns zu reißen, egal wer da vor uns steht. Musikalisch passen wir so ein bisschen überall und nirgends rein, deshalb spielen wir auf den unterschiedlichsten Festivals – von Hip-Hop über Rock bis hin zu Pop oder Reggae. Ich weiß gar nicht, ob wir überhaupt schon mal ein Gig hatten, wo wir es durch unsere universelle Live-Energie nicht geschafft haben, dass am Ende alle Leute feierten.

MusikBlog: „Molotow“, eure erste Singleauskopplung, ist das jetzt nun ein Liebeslied oder nicht?

(Beide lachen)

Keno Langbein: Das ist eine interessante Frage! Ich würde sagen, dass es ein Lied über viele Sachen ist. Es ist kein klassisches Liebeslied, weil ich finde, dass der Konflikt in dem Song doch stärker ist als vielleicht dieses gewünschte Happy End. Für mich ist es auch ein sehr allgemeines Bild für Beziehungskonflikte: Auf der einen Seite das Bedürfnis nach Kontrolle und Sicherheit und auf der anderen Seite das Bedürfnis nach Unabhängigkeit und Autonomie. Und es hat natürlich auch eine politische Ebene.

MusikBlog: Wie politisch ist denn die neue Platte?

Keno Langbein: Das ist auch eine gute Frage! Sagen wir mal so: Wir haben nie eine Agenda gehabt oder haben gesagt „Hey, wir sind jetzt eine politische Band.“ Aber wir waren auch schon immer eine Gruppe, die versucht hat, Stellung zu beziehen, ihre Meinung zu sagen und sich nicht zu verstecken. Ich würde uns als politisch interessiert und meinungsstark bezeichnen. Wir sind keine politische Band im klassischen Sinne; wir sind nicht da, um irgendwelche Antworten zu geben. Aber wir werden sehr oft so wahrgenommen, weil wir doch immer wieder Aktionen machen, die einen politischen Kontext haben, das braucht man nicht leugnen.

MusikBlog: Worum geht es in „Nüchtern“?

Keno Langbein: Auf jeden Fall nicht um Alkohol – oder zumindest nur ganz am Rande. Das Gefühl, was mich zum Text inspiriert hat, war eher das, wenn man emotional nicht nüchtern genug ist, um gleich auf eine Situation zu antworten oder zu reagieren. Mir geht es so – und ich denke, viele Menschen können es nachvollziehen – wenn zu viel auf einen einprasselt, dann dauert es manchmal einen Moment, bis man wieder zur Ruhe gekommen ist und wirklich weiß, wie man zu etwas steht.

MusikBlog: Es heißt aber auch „Sind Wünsche nicht bessere Wünsche, die nie in Erfüllung gehen“. Also für euch lieber keine erfolgreiche Platte, sonst wäre der Wunsch erfüllt?

Keno Langbein: Oh, das ist ja eine sehr suggestive Frage! (lacht)

Marcus Kesselbauer: Doch, wir wollen eine Platte, die uns groß rausbringt aus dem Geschäft…

Keno Langbein: …aus dem Geschäft?! (lacht)

Marcus Kesselbauer: Also nein, wir wollen eine erfolgreiche Platte!

Keno Langbein: Ich denke, ein Wunsch ist etwas, was einen immer antreibt. Man braucht aber keine Angst davor zu haben, dass ein Wunsch in Erfüllung geht und kein neuer nachwächst. Auf uns als Band bezogen: Mit jedem Wunsch, den wir uns erfüllt haben, gab es wieder den nächsten, an dem wir gearbeitet haben. Oder, was jetzt wieder gut zum Song passt, diese gewisse Ernüchterung. Wir fahren jetzt zum Beispiel seit Jahren im Nightliner rum, als junge Leute haben wir…

Marcus Kesselbauer (mit sarkastischer, dunkler Stimme): …als junge Leute haben wir davon geträumt!

Keno Langbein: Ja, wir hatten ja nichts! (lacht) Das sind einfach so Sachen. Du denkst „Woah ey, wenn das mal passiert, dann haben wir es echt geschafft!“ – und dann stehst du da und merkst, es ist ganz anders, als du es dir vorgestellt hast. Es hat auch Nachteile und anstrengende Seiten. Man wird vielleicht ein bisschen erfolgreicher, aber dadurch wird das ein oder andere auch wieder schwieriger. Die Spontanität, die am Anfang da war, muss man mit viel mehr Input aufrechterhalten. Wir wissen aber mittlerweile recht gut, was uns Spaß macht und worauf wir hinauswollen. Deshalb werden wir auch nicht aufhören, solche Guerilla-Konzerte zu machen, egal, wo uns das hintreibt. Zu Arbeiten gibt es immer etwas.

MusikBlog: Zum Abschluss noch eine Frage: 10 Männer nennen sich Moop Mama, bringen ein Debütalbum mit dem Titel „Deine Mutter“ heraus und gründen das Label Mutterkomplex. Was ist da los?

Marcus Kesselbauer: Ich mag meine Mutter! (lacht)

Keno Langbein: Jeder von uns mag seine Mutter sehr gerne! Am Anfang ist das nur ein Witz gewesen, der sich aber irgendwie immer weiter fortgeführt hat. Wir sagen auch immer ganz gern, dass wir eine 10-köpfige Männerband sind, die versucht, eine große Frau zu sein.

MusikBlog: Weil?

Marcus Kesselbauer: Wir mögen Frauen einfach wahnsinnig, wahnsinnig gerne! (lacht)

Keno Langbein: Schau, hier neben uns ist unsere Produktmanagerin. Frauen haben einiges!

Produktmanagerin: Frauen haben alles!

MusikBlog: Vielen Dank für das Interview.

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