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Princess Chelsea (Credit Adam Custins)

Princess Chelsea – The Loneliest Girl

Wenn Klavier und Synthesizer klingen wie fremdartige Fabelwesen unter Regenbögen, gehören die Songs dazu meistens Chelsea Nikkel.

Die Neuseeländerin aus Auckland macht als Princess Chelsea Dream- und Synthie-Pop in vierter Auflage, der mit barocken Cellos und Chanson-Charakter seit 2011 stets an seiner Eigenständigkeit feilt.

Unwahrscheinliches wie das Nirvana-Cover „Come As You Are“ vom Vorgänger „Aftertouch“ findet sich auf „The Loniest Girl“ zwar nicht, dafür kann es jeder der zwölf Songs mit ihrem „The Cigarette Duet“ vom Debüt „Lil‘ Golden Girl“ aufnehmen.

Ihr erfolgreichster Song, der 2012 viral ging und inzwischen über 40 Millionen Mal bei YouTube geklickt wurde, hat in Form von „Cigarette Solo“ eine nebulöse Reprise bekommen. Mit dem barocken Synthie-Intro „The Deer With The Golden Lights“ formen die Stücke eine Klammer.

Dazwischen malen Glockenspiel, Xylophon, Harve, Mellotron und Nikkels puppenhafte Stimme so wirkungsvolle wie märchenhafte Melodien. Mehr Surrealismus kann man musikalisch kaum in Schlafzimmer-Kompositionen unterbringen.

Dafür geht die Musik-Text-Schere bisweilen weit auseinander – bewusst natürlich. Denn so jenseitig die Arrangements, so konkret fallen die Themen aus. Es geht um Zwischenmenschliches, um Beziehung, beides gleichzeitig und dann noch ironisch gebrochen.

Zwischen den naiven Zeilen von „I Love My Boyfriend“ stellt die Prinzessin den monogamen Lebensentwurf in Frage: „Everytime I look into his pretty eyes/ I think of all the things I didn’t even try/ I know, I know it’s only chemistry/ There’s nothing in the world that I can do about that/ But I love my boyfriend/ He is good to me.“

Wenn sich die klassisch ausgebildete Pianistin im zugehörigen Video als Mischung aus Schneewittchen und Pipi Langstrumpf in einer vierköpfigen Band inszeniert, wirkt das einmal mehr so, als wollten es Beach House mal so richtig übertreiben, um dann festzustellen, dass da kaum noch Hallschwaden bleiben, hinter denen man sich verstecken könnte.

Momente der Inspiration, des Wahnsinns und der Spontaneität liegen hier begraben. Das ist reizvoll, samtweich versponnen und auch ein bisschen verrückt.

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