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Als würde man ein Rezept für einen Kuchen schreiben – Empress Of im Interview

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Lorely Rodriguez, besser bekannt unter ihrem Künstlernamen Empress Of, erledigt die Dinge gerne im Alleingang. Ihr neues Album trägt deswegen gleich aus mehreren Gründen den Namen „Us“. Ihr Zweitling ist im Gegensatz zu ihrem Debüt „Me“ deutlich weniger selbstzentriert. Als Teil ihres Reifeprozesses als Musikerin und Produzentin hat sich Empress Of für eine kollaborativere Platte entschieden. Im Musikblog Interview sprachen wir mit der gebürtigen Kalifornierin über die Schwierigkeiten, ihre Kunst für andere zu öffnen, das Überwinden von Ängsten und die Vorurteile, mit denen man als Tochter lateinamerikanischer Immigranten konfrontiert wird.

MusikBlog: Lorely, dein Künstlername ist Empress Of (Kaiserin von). Gibt es tatsächlich etwas, von dem du gerne die Kaiserin wärst?

Empress Of: Von mir selbst. Und jetzt gerade unbedingt von Kaffee. Ich bin so müde, ich bin gerade erst aus Europa wiedergekommen und habe noch den totalen Jetlag.

MusikBlog: Dein Debüt heißt „Me“, dein Nachfolger „Us“. Wer sind die anderen Personen in diesem kollektiven „Wir“?

Empress Of: Es hat sich einfach natürlich angefühlt, das Album „Us“ zu nennen. Es ist ein kollaboratives Album, aber trotzdem immer noch sehr persönlich und autobiographisch. Aber es gibt darauf auch viele Geschichten über Freundschaft und andere Menschen. Ich wollte, dass das Album weniger selbstzentriert ist, aber trotzdem noch mich repräsentiert.

MusikBlog: Mit wem hast du denn zusammengearbeitet?

Empress Of: Ich habe mit verschiedenen Leuten gemeinsam an „Us“ gearbeitet und viele Songs mit anderen Leuten co-produziert (Dev Hynes, DJDS, Pional). Für mich ist das ein großer Reifeprozess, weil ich die Musik so sehr als meine eigene empfinde, dass es anfangs ungewöhnlich war, andere Leute mit einzubinden. Meine Entwicklung als Musikerin und Produzentin war, dass ich viel von den anderen Menschen im Raum gelernt habe.

MusikBlog: Wie sah die Zusammenarbeit konkret aus?

Empress Of: Das war völlig verschiedenen von Künstler zu Künstler und was ich jeweils von ihnen brauchte. Es konnte zum Beispiel sein, dass ein Song in meinen Augen komplett fertig war und ich ihm einem Freund und Musiker, den ich respektiere, vorspielte und er daraufhin meinte: „Hey, du solltest die Strophe umschreiben. Die ist nicht so gut wie der Refrain.“

„When I’m With Him“ habe ich aber zum Beispiel mit Jim-E Stack zusammen geschrieben. Ich habe vorher noch nie einen persönlichen Song mit jemandem zusammen entwickelt, weil es einfach schwierig ist, sich in diese Situation hineinzuversetzen, während jemand anderes dabei ist. Ich glaube, man muss der anderen Person wirklich sehr vertrauen und gleichzeitig auch Selbstvertrauen in seine Musik haben.

MusikBlog: Ich stelle es mir ziemlich schwierig vor, sich sagen zu lassen: „Hey, schreib den Song doch mal anders.“ Wie gehst du mit solcher Kritik um?

Empress Of: Natürlich ist das schwierig, aber es ist meine Verantwortung als Künstlerin zu wissen, worauf ich höre und worauf nicht. Viele Leute haben mir beispielsweise gesagt, dass sie „When I’m With Him“ nicht mögen und dass ich den Song nicht auf das Album packen sollte. Es ist aber mein Job, genau zu wissen, wie sich das Endresultat anhören soll. Es ist ein bisschen, als würde man ein Rezept für einen Kuchen schreiben. Du musst wissen, wieviel Backpulver und wie viel Zucker du rein machst, damit es am Ende genau so schmeckt, wie du es dir vorstellst.

MusikBlog: Manche Textstellen deiner Lyrics sind auf Spanisch. Gibt es bestimmte Themen, über die du lieber auf Spanisch singst?

Empress Of: Auf diesem Album singe ich auf Spanisch über Dinge, bei denen es mir schwerfällt, auf Englisch zu singen, weil es für mich zu emotional wäre. Es ist fast wie ein Alter Ego. Ich kann mit dem Wechsel in eine andere Sprache in einen anderen Charakter schlüpfen und Dinge ausdrücken, die sich für mich auf Englisch anfühlen, als hätte ich sie schon zu oft gesagt.

MusikBlog: Fühlt es sich für dich anders an, wenn du auf Spanisch singst?

Empress Of: Nein, ich mache das schon mein ganzes Leben lang. In Kalifornien reden viele Leute sogenanntes „Spanglish“. Wenn ich mich mit meinen Freunden unterhalte, wechsle ich in einem Satz mehrfach die Sprache. Deswegen ist es für mich ganz normal, das auch in meiner Musik zu tun.

MusikBlog: Du sprichst gerade an, dass deine Eltern aus Honduras in die USA immigriert sind.

Empress Of: Wenn man in Los Angeles als Tochter von Immigranten-Eltern aufwächst und auf eine typisch amerikanische Schule geht, wo Popkultur eine große Rolle spielt und alle Blink-182 hören, dann ist das ein ganz schöner Kulturclash. Die einzige Antwort ist, einfach ich selbst zu sein.

MusikBlog: Die Flüchtlingskrise ist gerade auf der ganzen Welt ein großes Thema. Wie stehst du dem gegenüber?

Empress Of: Das ist wirklich ein großes Thema. So viele Leute aus Zentral- und Südamerika suchen z.B. an der Grenze zu den USA Asyl. Mich betrifft das sowohl persönlich, als auch als Künstlerin. Für mich ist es wichtig, meine Kunst und meine Musik dazu zu nutzen, um für mich selbst einzustehen und mich gegen Leute zu verteidigen, die mich als Lateinamerikanerin angreifen.

MusikBlog: Wie machst du das?

Empress Of: Ich möchte den Leuten einfach zeigen, dass ich mehr bin als nur meine Herkunft. Wir sind mehr als reißerische Headlines oder marginalisierte Communities. Man kann ein Kind von Immigranten und trotzdem eine erfolgreiche und gebildete Künstlerin sein.

MusikBlog: Bei dem Musikvideo zu „When I’m With Him“ hast du Regie geführt. Wie kamst du auf die Idee?

Empress Of: Das war ein wahnsinniger Lernprozess und unfassbar viel Arbeit. Aber wenn ich mir das Ergebnis anschaue, kann ich sagen, dass ich mich bei meinen Visuals damit zum ersten Mal zu 100 Prozent repräsentiert gefühlt habe. Und ich denke, dass das daran liegt, dass ich die alleinige Verantwortung für alles hatte.

Ich habe jeden selbst gecastet und angestellt. Ich war vor der Kamera und habe gleichzeitig Regie geführt. Ich hatte anfangs Angst davor, Regie zu führen, aber ich habe gelernt, dass Angst ein natürliches Gefühl ist, das man überwinden kann.

MusikBlog: Hattest du jemanden, der dir bei dieser Erfahrung beratend zur Seite stand?

Empress Of: Ich habe einfach total viele Leute gefragt, z.B. was ist die erste Sache, die du machst, wenn du ein Video drehen willst? Generell ist das ein wichtiger Punkt auch bei diesem Album – deine Community um Hilfe zu fragen. Egal, ob es ums Produzieren, Drehen oder Songschreiben geht. Klar habe ich eine Vision, aber ich muss nicht alleine dastehen, um sie wahr werden zu lassen. Man sollte nie Angst davor oder ein zu großes Ego haben, um nach Hilfe zu fragen.

MusikBlog: Schon deine erste Platte hast du an einem isolierten Ort in Mexiko aufgenommen. Bei dieser Platte hast du dir verschiedene Ruhepole innerhalb Kaliforniens gesucht. Versuchst du, dich während dieser Zeit generell auch von anderen Dingen – wie beispielsweise deinem Handy – zu isolieren?

Empress Of: Ich versuche vor allem, mich von meinem Alltag zu distanzieren. So schaffe ich Raum, um mich auf die Dinge und Themen zu konzentrieren, die ich normalerweise zu ignorieren versuche. Über diese Dinge Songs zu schreiben ist fast wie Therapie. Wenn du alleine in einem Raum mit deinem Therapeuten bist, dann fängst du an zu sprechen. Ich möchte, dass meine Musik genau so ist. Nur bin ich eben alleine in einem Raum mit meinen Aufnahmegeräten und kotze Musik. (lacht)

MusikBlog: Vielen Dank für das Interview.

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