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Jede symbiotische Beziehung hat eine begrenzte Halbwertszeit – Charlotte Brandi im Interview

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Im September 2018 ging ein Raunen des Entsetzens durch die hiesige Indie-Szene. Der Grund: das plötzliche Ende des Berliner Vorzeige-Duos Me And My Drummer. Ein knappes halbes Jahr später sind die meisten Tränen aber schon wieder getrocknet, denn sowohl Schlagzeuger Matze Prölloch als auch Sängerin Charlotte Brandi wollen dem Business weiterhin erhalten bleiben.

Letztere ist dieser Tage die Erste, die sich mit neuen Sounds an die Öffentlichkeit wagt. Umgarnt von der Kraft der Liebe präsentiert sich Charlotte Brandi auf ihrem Solo-Debüt „The Magician“ von ihrer zarten Seite. Wir trafen die Sängerin zum Interview und sprachen über alte Kapitel, neue Kapitel und den Traum aller Träume.

MusikBlog: Charlotte, die Wochen und Monate vor der Veröffentlichung eines neuen Albums sind, denke ich, immer spannend und aufregend. Ist es diesmal für dich noch aufregender als zu Me And My Drummer-Zeiten?

Charlotte Brandi: Das ist in der Tat so. Diesmal ist kein Partner da, mit dem ich jeden Tag abklatschen kann. Ich bin so glücklich, dass ich jetzt meine Band zusammen habe, mit der ich unheimlich gerne arbeite, und mit der ich seit einem Jahr auch hin und wieder auftrete.

Aber den Großteil der Arbeit stemme ich alleine. Ich plane, ich bin mit dem Label in Kontakt und ich suche mir gerade ein neues Management. Da steckt wirklich viel Arbeit und Engagement drin. Und dementsprechend groß ist natürlich auch die Aufregung.

MusikBlog: Mal grundsätzlich: Warum reden wir heute über dein erstes Soloalbum und nicht über ein neues Me And My Drummer-Studiowerk?

Charlotte Brandi: Das es irgendwann so kommen wird, war eigentlich schon klar als wir Me And My Drummer gegründet haben. Die Band markierte vom ersten Moment an unseren Lebensmittelpunkt. Wir waren total jung und mussten viele Erfahrungen innerhalb eines sehr fragilen und voneinander abhängigen Verhältnisses machen.

Ich denke, dass jede Beziehung, die etwas Symbiotisches hat, nur eine begrenzte Halbwertszeit hat. Das war in unserem Fall nicht anders, auch wenn wir das am Anfang vielleicht nicht so richtig wahrhaben wollten. Jetzt ist es einfach so, dass wir uns beide in einer Selbstfindungsphase befinden, in der wir uns abgrenzen und selbst definieren. Ich beschäftige mich jetzt mit meinem Soloalbum. Und Matze befasst sich mit anderen Bands und Theatermusik.

MusikBlog: Wie dick ist der Strich unter dem Kapitel?

Charlotte Brandi: Ich sag niemals nie. Aber im Hier und Jetzt sind einfach andere Dinge wichtiger. Und damit fühle ich mich auch sehr wohl.

MusikBlog: Dann lass uns über das Hier und Jetzt reden. Dein Soloalbum „The Magician“ versprüht auffallend natürliche Vibes. Die Grundstimmung ist sehr klar und unverschleiert. War das so geplant?

Charlotte Brandi: Meine Hausaufgabe war, einen persönlichen und musikalischen Nullpunkt zu setzen. Das war die Basis. Ich wollte mich als Musikerin und Person vorstellen. Die Art und Weise, wie ich ticke, fühle und empfinde: Das war das, was mir am wichtigsten war. Und dafür wollte ich nicht mit Synthesizern, sondern nur mit Naturinstrumenten arbeiten.

MusikBlog: Deine Affinität zum Dream-Pop hört man aber trotzdem raus.

Charlotte Brandi: Ja, das stimmt. So ganz pur und klar haben wir es dann doch nicht hinbekommen. Aber damit kann ich wunderbar leben. Ich komme ja nun mal aus dem Dreampop.

MusikBlog: Gab es bestimmte Künstler oder Bands, die dich während des Songwritingprozesses inspiriert haben?

Charlotte Brandi: Ich habe viel Musik von Air und Serge Gainsbourg gehört. Französische Musik im Allgemeinen hat mich sehr beeinflusst.

MusikBlog: Ich hätte jetzt eher gedacht, dass du die Frage verneinst. In meinen Ohren klingt das Album nämlich wie das eines Künstlers, der beim Musizieren komplett bei sich selbst ist.

Charlotte Brandi: Das freut mich, dass du das so empfindest. Bei den Einflüssen von außen geht es auch mehr um Stimmungen und ganz bestimmte Atmosphären.

MusikBlog: Hat das Fan-Sein Einfluss auf die Musik, die dich inspiriert?

Charlotte Brandi: Nein, schon lange nicht mehr. Mir geht es mittlerweile wirklich nur noch um die Musik. Wer dahinter steckt, ist mir nicht wichtig. Joni Mitchell beispielsweise habe ich früher total dafür abgefeiert, wie sich in Interviews präsentiert. Heute interessiert mich die Person Joni Mitchell überhaupt nicht mehr.

Mich interessiert nur noch die Musik, die hinter der Person steckt. Wie ist ein Song aufgebaut? Wie kommt diese bestimmte Stimmung zu Stande? Das sind die Fragen, die mich heute beschäftigen. Ich meine, schau dir Serge Gainsbourg an. Das ist ein stinkender, vom Alkohol gezeichneter Kerl, der Kette raucht und Frauen nachstellt. Aber seine Musik flasht mich total. Da steckt so viel Kraft drin.

MusikBlog: Wenn du all diese Einflüsse und das, was aus deinem Inneren dazu stößt in einen Topf wirst… Ist das Ausarbeiten dieser Melange herausfordernder als das, was damals unter dem Me And My-Drummer-Banner ausgearbeitet wurde?

Charlotte Brandi: Nein, gar nicht. Im Gegenteil. Damals ging es darum, die Ideen, Ansichten und Vorschläge von zwei unterschiedlichen Menschen unter einen Hut zu brigen. Diesmal war ich komplett auf mich allein gestellt. Die Songs gingen mir allesamt total leicht von der Hand.

MusikBlog: Neben der Musik, beindruckt die Platte auch mit sehr intimen und intensiven Texten. Hast du je mit dem Gedanken gespielt, ein deutschsprachiges Album aufzunehmen?

Charlotte Brandi: Ich habe nach der Fertigstellung des Albums tatsächlich einige deutschsprachige Songs aufgenommen. Das ist lustig, dass du danach fragst. Der Kontext war aber ein ganz anderer. Ich habe zu der Zeit viel Schubert gehört. Irgendwann habe ich mich dann ans Klavier gesetzt. So sind ein paar extrem „gestrige“ Songs entstanden. (lacht)

Die bleiben aber erstmal unter Verschluss. Und mehr Gedanken mache ich mir nicht darüber. Vielleicht mache ich irgendwann nochmal was auf französisch oder spanisch. Das würde mich schon eher reizen. Aber momentan bleibt erstmal alles englisch. Ich meine, ich bin mit englischsprachiger Musik aufgewachsen. So klingt die Musik, die ich liebe. Alle meine Helden singen Englisch. Und ich will ja auch mal raus hier. Ich will reisen, und mit meiner Musik im Ausland auftreten. Ich will nicht nur in Deutschland präsent sein. Ich will raus in die Welt. Das ist mein großes Ziel.

MusikBlog: Vielen Dank für das Interview.

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