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Lingby – Silver Lining

Vor Jahren konnte man ein Album von Lingby aus Köln crowdfunden. Ich war damals Redakteur eines auflagenstarken Musikmagazins (R.I.P.) und mir saß dementsprechend das Geld mehr als locker.

Wohin noch mit all dem Koks und den teuren Sachen, musste ich mich fragen – und so stiftete ich einfach mal hunderte von Euros in die Band und am Ende dieser Story standen Lingby mit ihrem Waldhorn und ihren zarten Gesichtchen bei mir in der Wohnung und gaben ein Wohnzimmerkonzert.

Hinreißend war das. Seitdem verfolge ich mit großer Hingabe – und mittlerweile völlig verarmt – das Schaffen einer der spannendsten deutschen Bands.

Lingby machen es sich dabei nie leicht. Ihr Indie zwischen „Quiet is the new loud“ und Drama sitzt immer irgendwie zwischen den Stühlen. Dass das jetzt mit „Silver Lining“ anders werden wird, man kann es den zwei Boys und den beiden Schwestern nur wünschen, besonders realistisch ist dieser Wunsch allerdings nicht.

Umso wichtiger daher, von selbst auf diese Platte aufmerksam zu werden. Denn sonst verpasst man etwas ganz Großes.

Songwriterin Judith Heß hat darauf den Verlust ihres Vaters als roten Faden in die Stücke eingewebt. Das klingt nicht nur schwer, an manchen Stellen ist die Stimmung fast nicht auszuhalten. Das komplette Gegenteil zu Musik, zu der man entspannt bügeln kann.

Dennoch nimmt man hier nicht Teil an einem Depressions-Soundtrack. Immer wieder beginnen die Songs zu leuchten, erheben sich zu fast optimistischen Boten, die in all dem Schmerz auch von Schönheit erzählen wollen, ja, müssen.

Vor der dunklen Kulisse ist die Wirkung solch heller Momente mitunter wirklich tränen-treibend schön. Erinnert ein wenig an Savoy Grand – ähnliche Zeitlupenmusik aus den Nuller Jahren, die den Gefühlshaushalt auf den Kopf zu stellen vermochte.

Dem Einsteiger in die Gegenwelt Lingby seien die Songs „Someone In My Skin“ und „Morning Prayer“ empfohlen. Eine Band wie ein Trip, oder – um mich selbst zu zitieren: “Ein vielschichtiger Pop-Entwurf, voller Schönheit und Emo. Musik zum Zudecken.”

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