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Kodaline – We Were Only Young

Nach über einem Jahrzehnt ist nun also Schluss: Mit „We Were Only Young“ legen Kodaline ihr fünftes und zugleich finales Studioalbum vor. 12 Songs, ein letztes gemeinsames Kapitel, mit dem sich die irische Band offiziell verabschiedet. Der Titeltrack sei laut Pressetext ein bittersüßer Blick zurück auf bessere Zeiten – dieser Ton zieht sich konsequent durchs gesamte Album.

Wer gehofft hatte, ein Abschiedsalbum würde die Band noch einmal aus ihrer Komfortzone locken, wird enttäuscht. Schon seit „Politics Of Living“ (2018) schleicht sich bei Kodaline ein zunehmend glattgebügelter Mainstream-Pop ein, der auf dem letzten Album „One Day At A Time“ (2020) weitergeführt wurde – und mittlerweile ist von der Indie-Finesse ihres Debüts „In A Perfect World“ von 2013 so gut wie nichts mehr übrig.

Stattdessen: Klavierballade reiht sich an Klavierballade, dramatisch aufgebaute Instrumentals, schwelgende Streicher, sentimentale Texte – und mit dem Saxophon-Solo im Outro von „Without You“ bewegt sich das Album sehr nah an der Grenze zum Kitsch.

Der Opener „Who Will Save You Now“ setzt mit Vogelgezwitscher und unruhigem Klavier an, ehe er sich zu einer Ballade entwickelt, die harmonisch Gebrauch von der klassischen James-Bond-Akkordfolge macht – große Geste zum Einstieg.

Der Titelsong und die darauf folgenden Tracks bedienen sich dann bei jener Klavier-Arpeggio-Masche, wie man sie einst von John Legend, Sam Smith oder Adele kannte, und macht direkt klar: Das hier ist ein Abschiedsalbum, Life-Goes-On-Floskel inklusive. Immer wieder geht es dabei ums Älterwerden, ums Bilanzziehen, um den Blick zurück auf das bisher gelebte Leben.

Musikalisch wird es erst mit „Get Me High“ interessanter – endlich Schlagzeug, endlich ein Mitsing-Refrain. Auch der Country-Pop-Track „Vultures“ sowie „Last Forever“ brechen mit dem Balladen-Einerlei. Zeitgemäßer werden die Songs dadurch aber nicht – im Gegenteil, sie wirken wie nachträglich eingestreute Radio-Pop-Nummern aus einer längst vergangenen Ära.

Immerhin: Steve Garrigans Stimme trägt nach wie vor mühelos, mit kleinen rauen Ausbrüchen wie im Opener, die noch am ehesten für Reibung sorgen. Am ehrlichsten wirkt „The One For Me“, das ohne Krampf einfach ausspricht, was es fühlt.

Komplizierte Gefühle oder anspruchsvolles Songwriting findet man auf diesem Album nicht. Wer aber ohnehin schon großer Kodaline-Fan ist, bekommt mit „We Were Only Young“ genau den sentimentalen, nostalgischen Abschied, den man sich zum Ende seiner Lieblingsband nur wünschen kann.

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