Woman’s Hour machen Musik für Kontemplation, für die Momente, wenn es mehr sein darf als nur Atmosphäre und etwas weniger als Aufregung – denn von beidem ist die Musik der britischen Gruppe immer mindestens ein My entfernt.

Auf „Ephyra“ bleibt das Cover und die Musik monochrom, lichtverschont und unverortbar. Zum Glück!

Denn, wenn überhaupt der Versuch gewagt wird, jedes Geräusch, das im Hintergrund von „I Can’t Take You Seriously“ wabert oder „Don’t Speak“ einen nostalgisch-verklärenden Unterton verpasst ,aktiv wahrzunehmen, geht die Möglichkeit, all das wirklich zu hören in zu angestrengter Aufmerksamkeit auf.

Wie ein dauerhafter Halbwachzustand, wie ein Schleier, der sich über einen traumwandelnden Melancholiker legt, fühlt sich ein großer Teil des zweiten Albums der Gruppe aus London an.

Das Intro zu „From Eden To Exile And Then To Dust“ tut da nur sein Übriges, um die Verschmelzung von Realität und Traum zu skizzieren. Das alles passiert in einem derart dichten, synthetischen Gewand, dass die akustischere zweite Hälfte des Albums überrascht. „It’s A Blast“ ist ein subtiles und bedrohliches Eingeständnis, in dem sich fragiles Raspeln und harmonischer hallloser Chor abwechseln.

Zwischen Ordnung und Willkür, Mehrstimmigkeit und Vervielfältigung spannt sich ein Netz, das ganz ohne Dichte und rapidem Gefälle eine enorme Spannung aufbaut.

Den Abschluss macht das kurze „Removal Of Hope“, das trotz seines sinnverweigernden Titels eher einem religiösen Auftrag an das Selbst nahekommt. Wachstum aus Anerkennung bisheriger Fehler und dem Versprechen der harten Arbeit am eigenen Wesen.

„Removal Of Hope“ oder die endgültige Entfernung der Hoffnung scheint als Leitmotiv und Beschreibung des ganzen Albums besser geeignet zu sein, als jede objektive Definition.

Woman’s Hour machen auf „Ephyra“ und aus der Tabuisierung des Begriffs der Hoffnung ein Eingeständnis an die Kraft der eigenen Veränderung. Wo musikalisch mit Nuancen und einem bewussten Dauerrauschen gearbeitet wird, ist es auch sonst ein Album über die menschlichen Fehler und die Kraft jedes Einzelnen.

Im Mittelpunkt ist also die Kontemplation geblieben, der Ausbruch daraus wird auf „Ephyra“ aber endgültig zum Thema.

 

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