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Ich weiß nicht, ob das so viel mit Mut zu tun hat – Mine im Interview

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Jasmin Stocker alias Mine schießt gerne quer. Bereits auf ihrem selbstbetitelten Debütalbum schloss die 33-jährige Sängerin so ziemlich alles aus, was auch nur ansatzweise mit standardisiertem Radio-Deutschpop in Verbindung gebracht werden könnte. Statt gängiger Tralala-Sounds aus der Retorte schälten sich im Oktober 2014 experimentelle Pop-Klänge aus den Boxen, die zeigten, dass deutschsprachige Hier-und-jetzt-Musik auch Spannung aufbauen und Tiefe haben kann.

Fünf Jahre später präsentiert Mine nun ihr drittes Studioalbum „Klebstoff„. Auch wenn es diesmal etwas poppiger zugeht, bleibt Mine ihrer Linie treu. Inhaltlich zwischen Freud und Leid innerhalb der eigenen vier Wände pendelnd, gibt es musikalisch auch auf Album Nummer drei wieder viel zu entdecken. Wir trafen uns mit Mine zum Interview und sprachen über Mut, Inspiration und Lampenfieber.

MusikBlog: Mine, jedes Album hat seine eigene Story. Welche Geschichte steckt hinter „Klebstoff“?

Mine: „Klebstoff“ spiegelt inhaltlich eine Zeit wieder, in der ich mich viel mit mir selbst auseinandergesetzt habe. Es geht um das Erkennen und das Aufbrechen von Strukturen.

MusikBlog: Blieb in der Zeit zwischen dem letzten und dem aktuellen Album viel in deinem Leben „kleben“?

Mine: Absolut. Ich finde, der Titel passt total gut zum Albuminhalt. Am Ende des Tages ist man ja irgendwie die Summe von allem, was man irgendwann mal erlebt hat. Nach jedem Erlebnis, jedem Gespräch und jedem Treffen bleibt immer irgendwas hängen. Und genau das sind die Dinge, mit denen ich mich auf dem Album beschäftige.

MusikBlog: Musikalisch bist und bleibst du eine Wundertüte. Das Album klingt zwar etwas poppiger als die Vorgänger. Aber im Großen und Ganzen bleibst du deinem Stil treu. Soll heißen: Es wird viel ausprobiert und experimentiert. In Zeiten, in denen deutschsprachige Popmusik vorhersehbarer und weichgespülter denn je um die Ecke kommt, gehst du einen anderen Weg. Woher kommt dieser Mut?

Mine: Ich weiß gar nicht, ob das so viel mit Mut zu tun hat. Klar, ich finde deutschsprachige Musik oftmals auch langweilig und zu phrasig. Aber ich setzte mich jetzt nicht bewusst hin und sage: Ich will es anders oder besser machen. Die Musik, die ich mache, entsteht einfach. Da steckt jetzt kein Konzept dahinter. Ich bin halt einfach unheimlich offen für neue Sounds. Ich denke, das ist der Schlüssel. Ich bin mit ganz viel verschiedener Musik aufgewachsen. Ich kenne das gar nicht anders. Wenn ich mich mit Musik beschäftige, dann spielen Genres keine Rolle.

MusikBlog: Welche Alben liefen denn während des Produktionsprozesses von „Klebstoff“ rauf und runter?

Mine: Da lief schon ziemlich viel rauf und runter. (lacht) Bei mir ist es auch so: Ohne Input gibt’s kein Output. Ich brauche die Inspiration von außen. Ich brauche Sounds, die mich auf eine Reise mitnehmen und mich inspirieren. Diesmal waren es vor allem Trettmann, Dizzy und Ty-Ill, die mich inspiriert und beeinflusst haben.

MusikBlog: Du hast diesmal mit Giulia Becker und dem Berliner Künstlerkollektiv AB Syndrom gemeinsame Sache gemacht. Waren das bewusste Entscheidungen? Oder haben sich diese Kollaborationen eher zufällig ergeben?

Mine: Das sind schon bewusste Prozesse, die dann am Ende im optimalen Fall dazu führen, dass man mit genau den Leuten was zusammen macht, die man auch unbedingt dabei haben wollte. Es kann aber auch mal anders laufen. Im Fall von Giulia Becker beispielsweise war es so, dass ich schon seit Ewigkeiten ein großer Fan von ihr bin und sie auch irgendwann mal in einer Instagram-Story verlinkt habe.

Daraufhin kontaktierte sie mich und outete sich als Fan von meiner Musik. Das war schon ziemlich krass. Wir kamen dann so ins Gespräch. Und am Ende war es dann so, dass es zu einer Zusammenarbeit kam. Das sind die Dinge, die ich auch heute noch, nach sieben Jahren im Business, nicht so richtig fassen kann. Man trifft seine Helden und kann sogar mit dem einen oder anderen zusammenarbeiten. Das macht mich heute noch sprachlos.

MusikBlog: Apropos sieben Jahre im Business: Erinnerst du dich noch an den Moment, in dem alles so richtig ins Rollen kam?

Mine: Ich glaube, das war eher ein Prozess. Ich erinnere mich aber noch sehr gut an dem Moment, in dem mir klar wurde, dass ich nichts anderes mehr machen möchte. Damals war ich mit einem befreundeten Produzenten am Rumtüfteln. Irgendwann hatten wir einen Song so halbwegs im Kasten. Ich fragte ihn dann: Und? Wann machen wir den Song fertig?

Er guckte mich an und meinte, in zwei Wochen habe er wieder Zeit. Das ging natürlich gar nicht. Das dauerte mir viel zu lange. Ich hab dann am selben Tag noch einen Kredit aufgenommen und mir mein erstes digitales Equipment gekauft. Tja, und von da an gab’s kein Halten mehr.

MusikBlog: Mittlerweile beschäftigst du dich auch intensiv mit der Produktion deines Schaffens. Bist du jemand, dem Kontrolle wichtig ist?

Mine: Ich bin schon ein ziemlicher Kontrollfreak. (lacht) Aber ich denke, dass das auch ein ganz natürliches Verhalten ist, wenn man als Solokünstler unterwegs ist. Man will ja auch Verantwortung übernehmen. Ich möchte einfach ganz genau wissen, was unter meinem Namen nach draußen geht.

Natürlich kenne ich auch meine Grenzen. Es gibt viele Dinge, die andere Leute besser umsetzen können. Ich stelle mich beispielsweise nicht hin und versuche mich am Dudelsack oder mime während der Recordings den Engineer. Wenn ich etwas nicht kann, dann gebe ich auch gerne ab. Wichtig ist nur, dass ich am Ende nochmal alles abchecke und mein Häkchen setzen kann. Diesbezüglich kann die Arbeit mit mir schon ganz schön anstrengend sein. (lacht)

MusikBlog: Neben der Arbeit im Studio gehört auch die Performance auf der Bühne zum Musikerleben dazu. Mir kam zu Ohren, dass du unter großem Lampenfieber leidest. So richtig schlimm?

Mine: Noch schlimmer. (lacht) Ich arbeite echt hart daran, dass ich das endlich in den Griff bekomme. Und ich merke auch, dass es mit der Zeit, je öfter ich auf der Bühne stehe, auch immer besser wird. Aber es nagt manchmal doch noch ganz schön heftig an mir.

MusikBlog: Normalerweise verfliegt die Nervosität aber doch, wenn die ersten Songs überstanden sind, oder?

Mine: Nicht immer. Manchmal kann ich das Lampenfieber einfach nicht ablegen. Das sind dann immer ziemlich bittere Momente, in denen man dann irgendwann nur noch funktioniert. Genau das will ich aber nicht. Ich will mich auf der Bühne frei und offen fühlen. Aber wie gesagt, es wird immer besser. (lacht)

MusikBlog: Vielen Dank für das Interview.

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