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Dann reißt es einem den Boden unter den Füßen weg – Enno Bunger im Interview

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Enno Bunger hat schwere Zeiten hinter sich. Unerwartet, aus dem Nichts kommend und vor allem ohne persönliche Einladung stand der Krebs plötzlich vor der Tür des gebürtigen Ostfriesen. Und er ließ sich auch so schnell nicht wieder abschütteln. Als er dann endlich ging, nahm er eine enge Freundin mit. Ennos Lebensgefährtin konnte sich gerade noch so aus den Klauen der Krankheit befreien.

Auf seinem neuen Album „Was Berührt, Das Bleibt“ blickt der Sänger und Songwriter zurück. Im Fokus präsentiert sich eine Zeit zwischen Hoffen und Bangen – eine Phase, in der eine imaginäre Macht mit Ennos Gefühlen Russisch Roulette spielte. Wir trafen uns mit Enno Bunger zum Interview und sprachen über harte Zeiten, beste Freunde und große Geschenke.

MusikBlog: Enno, du bist vor ein paar Wochen mit folgendem Statement an die Öffentlichkeit gegangen: „Mir ist da ein Riesenalbum vom Herz gefallen“. Erinnerst du dich noch an den Moment, als das letzte Häkchen gesetzt wurde?

Enno Bunger: Den finalen Augenblick habe ich jetzt nicht mehr im Kopf. Das Ganze war ich ja ein ziemlich langer Prozess. Aber ich weiß noch, dass es am Ende ein sehr berührendes und befreiendes Gefühl war.

MusikBlog: Auf dem Album thematisierst du Verlustängste im Freundes- und Familienkreis. Die Lebensgefährtin deines Drummers und besten Freundes Nils starb an Leukämie. Bei deiner Freundin wurde ebenfalls Krebs diagnostiziert. Glücklicherweise konnte sie den Kampf gewinnen. Inwiefern spiegelt der Titel des Albums all das Erlebte wider?

Enno Bunger: Das, was in dieser Zeit berührt, aufwühlt und tiefe Wunden schlägt, ist im jeweiligen Moment kaum zu verarbeiten. Wenn ein Mensch, den man liebt, stirbt, dann reißt es einem den Boden unter den Füßen weg. Man fühlt sich hilflos und leer. Ich hoffe und denke aber, dass mich all das Schlimme in der Vergangenheit auch in irgendeiner Form stärkt und festigt. Das ist dann das, was neben dem Schmerz bleibt.

MusikBlog: Inhaltlich geht es kaum tiefer. Innerhalb der aufwühlenden und herzzerreißenden Strophen blitzt aber auch immer mal wieder eine Prise Humor durch.

Enno Bunger: Ja, das stimmt. Schwarzer Humor war ein ganz wichtiger Baustein, den wir uns alle immer mal wieder zu Nutze gemacht haben, wenn sonst nichts mehr ging. Das ist auch schwer zu beschreiben. Und ich denke, solche Situationen erlebt man auch nur mit Menschen, die einem besonders nahe stehen.

Ich muss da immer wieder an einen bestimmten Augenblick zurückdenken, als ich heulend vor meiner Freundin saß und sie mich fragte: „Wie geht’s dir eigentlich gerade?“. Ich war völlig perplex und meinte nur: „Hallo? Siehst du nicht, dass ich total am Heulen bin?“. Darauf sie: „Ach, ich finde, du siehst irgendwie aus wie immer.“

Diese Reaktion hat mich total umgehauen. Ich fand das in dem Moment total lustig. Und das hat sich auch in meinen Kopf eingebrannt – siehe Text zum Song „Stark Sein“. Da habe ich diesen Moment nochmal aufgegriffen und verewigt.

MusikBlog: Neben der Trauer berührt das Album aber auch mit klassischen Licht-am-Ende-des-Tunnels-Momenten. Mir fällt da sofort der Begriff „Dankbarkeit“ ein. Der Song „Ponyhof“ markiert diesbezüglich sicherlich das größte Ausrufezeichen, oder?

Enno Bunger: „Ponyhof“ ist definitiv ein ganz besonderer Song. In dem Lied geht es um wahre Freundschaft. Der Song feierte Premiere auf der Hochzeitsfeier meines Drummers und besten Freundes Nils Dietrich. Das war ’ne ziemlich irre Geschichte. Niels wusste nämlich nichts davon. Ich weiß noch, wie er mich damals ganz verwundert angeschaut hat und mich fragte: „Sag mal, wozu brauchen wir denn das Mischpult und die ganze Musikanlage hier?“ (lacht)

MusikBlog: Kurz darauf lagt ihr euch aber bestimmt in den Armen, richtig?

Enno Bunger: Ja, das war schon cool. Ich habe die Hochzeitsrede einfach ein bisschen umgewandelt und einen Song draus gemacht. Das hat ziemlich gut gepasst. Und mir war wichtig, diesen Moment auch mit aufs Album zu nehmen.

MusikBlog: Was macht Nils in deinen Augen zu einem besonderen Menschen?

Enno Bunger: Puh, das kann man gar nicht in Worte fassen. Nils ist einfach immer da. Er will immer wissen, wie es mir geht. Er lässt mir aber auch den Freiraum, den ich brauche, wenn ich mich mal zurückziehen will. Stell dir vor, du hast jemanden an deiner Seite, der sich für dich und deine Entwicklung quasi aufopfern würde.

Nils ist so ein Mensch. Er ist ja damals aus dem Projekt raus, weil er das Gefühl hatte, die „Band“ würde sonst irgendwann an die Wand fahren. Und weil er das nicht wollte, und weil er wusste, wie viel mir das Projekt bedeutete, hat er irgendwann gesagt: „Enno, du ziehst das Ding jetzt alleine durch. Nur so wird das was werden.“

Ich meine, das war schon ziemlich heftig. Er hat seinen Traum vom Musikerdasein ein Stück weit begraben, um mir damit den Weg zu ebnen. Wer macht so etwas aus freien Stücken? Er ist einfach mein bester Freund – der Typ, auf den ich mich immer verlassen kann.

MusikBlog: War das damals auch die Zeit, in der die klar wurde, dass das Ganze unter Umständen richtig groß werden könnte?

Enno Bunger: Ich glaube, so richtig konfrontiert mit der Entwicklung wurde ich, als ich die ersten Mails von Leuten bekam, denen meine Musik und meine Texte etwas bedeuteten. Das ist für jeden Künstler das größte Kompliment. Wenn sich wildfremde Menschen plötzlich total öffnen und einem total intime und private Geschichten erzählen, dann ist das schon ziemlich krass.

Ich habe das auch vor Kurzem wieder gemerkt, nachdem ich die Entstehungsgeschichten einiger neuer Songs gepostet habe. Da bekam ich plötzlich mehr Nachrichten als Kommentare, weil die Geschichten, die mir geschickt wurden extrem tief und persönlich waren. Wenn man eine Verbindung zwischen der Musik und den Leuten herstellen kann, dann ist das das größte Geschenk.

MusikBlog: Vielen Dank für das Interview.

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