Doppel-EP? Oder Zweiteiler-Album? Wahrscheinlich ist es irgendetwas dazwischen. Für die Veröffentlichung ihres Debütalbums beschreiten The Ninth Wave recht unkonventionelle Wege. Nachdem die vier Schotten im April die erste Hälfte ihres Debütalbums „Infancy“ vorlegten, schieben sie jetzt die restlichen sechs Songs hinterher.

Nun ist „Infancy“ also komplett. Und hört man die Platte jetzt am Stück, erweitern die Songs das Werk nicht nur quantitativ, sondern auch musikalisch: Dem vor allem düster-schweren Post-Punk der ersten EP fügt „Infancy Part 2“ noch einige Prisen Synth-Rock und eine bittersüße Klavierballade hinzu.

Mit letzterer wird die zweite Albenhälfte eröffnet. „Human Behaviour“ heißt das Stück, in dem Haydn Park-Patterson die sanfteren Töne anschlägt, die man vorher von ihm noch nicht gehört hat – nur um dann zu einem epischen Refrain anzusetzen. Von Songwriting verstehen er und seine Kollegin was.

Ebenfalls besonders hörenswert ist „Unspoken“, das mit mysteriösem Gitarrengeschwader beginnt und sich mit Einsetzen der Synths immer weiter zum Finale aufbaut.

Wie schon nach „Part I“ lässt auch das komplette Album eigentlich nur einen Wunsch übrig:

Nämlich, dass Co-Sängerin Amelia Kidd noch ein bisschen öfter ans Mikro darf. Ihre wenigen Auftritte in der ersten Reihe gehören zu den Highlights des Albums – das genannte „Unspoken“ gehört dazu –, trotzdem ist doch meistens Park-Patterson zu hören.

Aber das ist Meckern auf hohem Niveau. The Ninth Wave liefern ein reifes Debüt ab, das sich nun in der Komplettversion noch vielseitiger präsentiert, als es die ersten Songs waren. Möge es bis zur nächsten Platte nicht so lang dauern!

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