Mit ihrem dritten Album „Boys These Days“ versucht die Londoner Band Sports Team, größer zu denken – und größer zu klingen. Der Blick geht über den Atlantik: Statt britischem Post-Punk dominiert nun ein weichgespülter, radiofreundlicher Rocksound, irgendwo zwischen Bruce-Springsteen-Nostalgie und Sam-Fender-Inspiration.

Produziert von Matias Tellez (girl in red), zeigen sich die sechs Ex-Cambridge-Students ambitionierter denn je – was allerdings nicht nur musikalische Weiterentwicklung, sondern auch den schmerzhaften Verlust ihres bisherigen Charmes bedeutet.

Früher waren Sports Team richtig gut darin, das Leben der britischen Mittelschicht mit einem Augenzwinkern auseinander zu nehmen. Auf „Boys These Days“ geht dieser Fokus verloren. Stattdessen nehmen sie sich große Themen vor: Klimawandel, Tech-Giganten, Waffenkultur – aber die Umsetzung bleibt oft oberflächlich.

Songs wie „Planned Obsolescence“ oder „Bang Bang Bang“ wirken eher wie ein KI-generierter Versuch, Billy Joel für die Gen Z neu aufzulegen. Statt Satire liefert die Band bestenfalls ironische Aufzählungen, schlimmstenfalls klischeehafte Phrasen. Die Gesellschaftskritik bleibt zahm, die Ironie leer.

Musikalisch geht’s quer durch den Indie-Rock-Garten: mal gefällig, mal cheesy, ab und zu mit großem Stadionmoment wie in „Condensation“.

Es gibt Augenblicke, in denen Sports Team ihre alte Stärke durchscheinen lassen, wie etwa im abschließenden „Maybe When We’re 30“, einer sarkastischen Abrechnung mit suburbaner Selbstzufriedenheit. Doch diese Lichtblicke sind rar. Oft wirkt das Album wie ein Produkt, das unbedingt gefallen will: glatt, witzig, aber ungreifbar.

Am deutlichsten wird das Dilemma von „Boys These Days“ im Umgang mit Ironie. Was einst ein Werkzeug war, scheint hier zur Rüstung geworden zu sein. Die Band kokettiert mit ihrer eigenen Abgehobenheit.

Ein bisschen anti, aber nie radikal, ein bisschen kritisch, aber nie unbequem. Ironie wird so zur Ausrede: Wer das Album nicht ernst nimmt, hat es nicht verstanden. Wer es ernst nimmt, ist das Ziel der Witze.

„Boys These Days“ ist keine Katastrophe. Es ist routiniert gemacht, klanglich ambitioniert und streckenweise charmant. Doch genau das ist das Problem: Sports Team waren einmal spitz, schrill und schmerzhaft ehrlich, jetzt sind sie glattgebügelt und bemüht clever.

Vielleicht erreicht man so größere Bühnen. Die Frage ist nur, ob man dort noch etwas zu sagen hat.

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