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Tua – Live im Gloria, Köln

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Wer um 21:15 Uhr gestern erst seinen Weg ins Kölner Gloria findet, der könnte denken, er habe sich verlaufen. Denn was Tuas Keyboarder Fabian Kalker auf der Bühne performt, hat mit dem Hauptact wenig zu tun.

Ballernde Synthies, kombiniert mit wummerndem Bass erzeugen Klangflächen, die man sonst in Köln eher im Odonien oder im Bootshaus antrifft. Bei den dazu passenden Lichteffekten sucht man die Wände nach einem Zettel ab, auf dem die typische Spielekonsole-Warnung abgedruckt ist: „Wenn sie unter Epilepsie oder Anfällen leiden, konsultieren sie vor dem Gebrauch einen Arzt.“

Nachdem Drummer Lui Hill mit seinem Singer/Songwriter-Elektro-Pop bereits den Abend eröffnen durfte, hat sich das Publikum spätestens nach Kalkers Ausflug in die Afterhour genug in Sachen Geduld geübt. Tua-Rufe werden laut.

Um halb Zehn wirft Tua einen ersten Blick durch den roten Vorhang, streckt aufmerksamen Augen die Zunge heraus und läuft danach so schnell es sein kaputter Fuß zulässt auf die Bühne.

Ob es das lange Warten war, das das Eis nicht nur bricht, sondern ganze Berge einreißt? Egal welcher Song, ob von seiner aktuellen Platte oder dem mittlerweile 10 Jahre alten Debüt „Grau“:

Jede Zeile sitzt. Hier werden nicht nur Refrains oder Bridges mitgesungen oder gerappt, sondern ganze Songs. Und zwar alle. Dass jede Nummer ebenso energetisch beklatscht und begröhlt wird, ist selbstverständlich.

Zwischendurch kann Tua sein Glück selbst nicht fassen: „Was ist denn hier los? Ihr seid wahnsinnig. Ihr macht mich fertig. Ich fange gleich an zu heulen. Ihr seid Tourstop Nummer 17 und definitiv das lauteste Publikum. Ihr habt also 16 andere Städte platt gemacht.“

Und weiter: „Aber in Köln haben wir immer so energetische Konzerte. Es gibt eine lustige Geschichte, ich glaube das war 2013 mit den Orsons, da hatten wir auch so eine energiegeladene Show in Köln. Maeckes wollte stagediven und leider hat unser Techniker genau in dem Moment das komplette Licht ausgedreht und Maeckes ist mit seinem Hinterkopf auf dem Kopf einer jungen Dame gelandet.“

Gelächter aus dem Publikum. „Hund, wer da lacht“, kontert Tua und kann sich sein Grinsen selbst nicht verkneifen. Verletzt wird am gestrigen Abend im Gloria niemand, obwohl die Chancen bei den ausdauernden Moshpits nicht schlecht gestanden hätten.

Aber Tua schafft auch Raum für ruhigere Momente, wie beim letzten Song des regulären Sets „Moment“, wo er den Gesang komplett in Publikumshände legt und sich laut eigener Aussage aufs Spielen konzentriert.

„Vorstadt“ und „Wem mach‘ ich was vor“ hebt er sich für die Zugabe auf und lässt den Kessel damit noch ein letztes Mal komplett überkochen, bevor es zur letzten Zugabe ganz leise wird.

„Für uns ist das eine große Ehre und vor allem ein Privileg, in der Lage zu sein, durch die Städte zu fahren, Musik zu machen und dabei nicht erschossen zu werden. Und auch wenn ihr nach Hause geht, dann ist da sicher alles okay und auch ihr werdet nicht erschossen auf dem Weg. Ich sage das, weil das nicht unser Verdienst ist, denn wir tragen dazu nicht aktiv jeden Tag bei.“, erinnert Tua nochmal jeden zum Schluss.

Und weiter: „Vielleicht habt ihr auch Bock, einfach „conscience“ zu bleiben und daran zu denken, dass gerade Leute auf dem Mittelmeer ertrinken und es eigentlich Staatssache wäre, das zu regeln. Ihr müsst gar nicht einer Meinung mit mir sein, aber behaltet das Thema einfach im Kopf – denn das ist längst nicht erledigt. Genau so wenig wie der Klimawandel.“

Bei „Wenn ich gehen muss“ könnte man anschließend eine Stecknadeln fallen hören, so aufmerksam hören alle zu oder singen leise mit. Und wozu andere Künstler ihr Publikum künstlich mit Phrasen wie „Herzt mal euren Nebenmann“ auffordern, das schafft Tua mit seinen Songs von ganz alleine.

Wenn sich zu Zeilen „Bis wir uns in den Arm nehm‘“ Konzertbesucher mit glasigen Augen in den Armen liegen, dann ist das der Funke Hoffnung, der sonst so oft fehlt.

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