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Torres (Credit Birgit Martin/MusikBlog)
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Torres – Live im Uebel Und Gefährlich, Hamburg

Die Panik vor dem Corona Virus bleibt scheinbar am Nudelregal hängen. Auf alle Fälle ist kurz nach Einlass nichts davon im Turmzimmer vom Uebel & Gefährlich zu merken. Es wird voll werden.

Das ist Torres zu gönnen, ist sie doch notorisch knapp bei Kasse. Erst vor wenigen Tagen hat sie gepostet wie sehr „arme Künstler“ unter mäßig besuchten Konzerten leiden.

Katie Harkin spielt als Support. Frisch zurück von der Tour zusammen mit Sleater Kinney, präsentiert sie ihr kommendes Debütalbum. Alleine mit Gitarre auf der Bühne. Zu Beginn ziemlich trocken und nüchtern.

Singer/Songwriter mit viel Hall und zerrend schnarrender Gitarre. Zum letzten Stück erklärt sie in Unterbrechungen, was die Band jeweils spielen würde. „Und jetzt stellt Euch Drum-Rolls vor“. Der Unterhaltungswert ist gerettet.

Mackenzie Scott, aka Torres, kommt samt Band auf die kleine, vollgepackte Bühne. Ungewohnt düsterer Auftritt im schwarzen Samtumhang. Alle vier mit dunkelgrünen, fast schwarzen, Lippen.

„Good Scare“, der Opener der neuen Platte „Silver Tongue“. Klingt live voller und düsterer. Torres ist hochkonzentriert, fast verhuscht. Man glaubt gar nicht, dass sie zum Teil davon lebt auf Bühnen zu stehen. Es ist echt voll geworden. Schüchtern lächelnd freut sie sich über den „großen Erfolg“.

Weiter mit „Dressing America“ (ja, sie hat ihre Cowboy-Stiefel an) und „Last Forest“ von der neuen Scheibe. Letzteres knirscht und knarzt angenehm, eine Spur Gothic spitzt durch. Die Drums rumpeln ordentlich zum Refrain.

Auf „Silver Tongue“ schafft Torres es, Gitarrenmusik ohne Gitarre im Vordergrund zu machen. Das ändert sich live und sie schiebt ihr Instrument immer weiter in den Vordergrund.

Noch intensiver wird das bei den nächsten Stücken. „Three Futures“, „Cowboy Guilt“, „Skim“, „Sprinter“, „New Skin“, „Honey“. Ein längerer Trip in die Vergangenheit der drei alten Alben.

Gleichsam wacht Torres immer mehr auf, adaptiert, fühlt sich offensichtlich wohler auf der Bühne. Als der Techniker kurz eine Panne auf der Bühne fixt, wird der Humor gröber „Hello. What you’re doing? Can I fuck you?“

Wir lernen, dass sie in „Sprinter“ ein Erlebnis aus ihrer baptistisch geprägten Jugend verarbeitet. Solidaritätsbekundung an ihren Pfarrer, der wegen Pornos schauen gefeuert wurde.

Nochmal zurück zur aktuellen Platte. „Gracious Day“ wieder sehr persönlich. „Good Grief“ bettet zerbrechlichen Gesang ein zwischen wütend desillusionierten Lärm. Der Sound spricht mehr als die Worte selbst.

„Helen In The Woods“ verarbeitet sie zum bombastischen Abschluss. Fette Drums, die Gitarre kreischt immer mehr. Jedes Wort auf den Punkt geschrien.

Nachdem sie warm geworden ist, dominiert Mackenzie den Raum. Nicht durch geübte Show. Durch musikalische Präsenz.

Durch und durch geniale Musikerin. Nur anfänglich gefangen in der Verpflichtung, vor Publikum zu spielen.

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