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Torres (Credit Michael Lavine)

Torres – Silver Tongue

So richtig einfach waren die letzten Jahre nicht. 2017 veröffentlichte Mackenzie Scott aka Torres ihr drittes Album „Three Futures“. Nach der dazugehörigen Tour fiel sie in ein schwarzes Loch aus Selbstzweifel, Infragestellung der Musikindustrie und Heizproblemen mangels Geldes.

Als Tiefpunkt löst sich das Label 4AD vorzeitig aus ihrem Vertrag. „Fuck the music industry“, wird Mackenzie gerne und oft aus der Zeit zitiert. Aber es richtet sich alles wieder ein. Ihr Beziehungsleben springt in ungeahnte Höhen, und sie beginnt wieder zu schreiben.

„Silver Tongue“, die erste, von Mackenzie selbst produzierte, Platte, ist das bisher persönlichste Werk. Über die ganze Spielzeit hinweg arbeitet sie Beziehungen und Emotionen auf. Analog dazu ihr Auftreten in Social Media.

Da geht es fast nicht mehr um Probleme, Musik, Home-Gigs und stolprige Patreon-Gehversuche. Dreh- und Angelpunkt ist ihre Beziehung zur New Yorker Künstlerin Jenna Gribbon. Von dieser stammt übrigens das Cover, auf dem Torres uns „in ihr Raumschiff einlädt“.

„Good Scare“ als erstes Stück zeigt sofort, dass die Entwicklung konsequent, aber nicht linear ist. Sehr viel fragiler als der Sound auf „Three Futures“. Eingängiger Takt aus dem Computer, klimpernde Percussion, hohe Stimme. Viel mehr Singer/Songwriter-Sensibilität als knarziger Druck aus zerrender Gitarre. Ein bisschen wie zurück ganz zum Anfang, aber viel erwachsener.

Die gewohnt ziehenden Gitarren-Ebenen kommen bereits beim zweiten Stück „Last Forest“ wieder. Als Sphäre im Hintergrund tragen sie Musik und Stimme mehr, als dass sie dominieren. Alles in allem ist die Musik aufgeräumter, doch vielschichtiger als früher.

„Good Grief“ kombiniert verhaltene Wut mit Zerbrechlichkeit. Schnarrende Gitarren mit abwechslungsreichem Gesang und eingängigem Takt. „Good grief baby; there’s no such thing“. Möglicherweise das intensivste Stück, das ihr bisher gelungen ist.

„Gracious Day“ das komplette Gegenteil. Weg sind die Effekte, Gitarre und Stimme so klar wie es nur sein kann. „I don’t want you going home anymore; I want you coming home; gracious day; you moved in“. Der Titeltrack schließt die Scheibe mit feuchten Augen als nahezu epische Hymne ab.

Alles in allem eine konsequente Entwicklung. Von Singer-/Songwriter über Gitarren-Rock jenseits aller Normen hin ins Jetzt – die komplexe Symbiose. Verletzlicher, empfindsamer und epischer als die vergangenen Stücke. Trotz aller Dramatik und dem Flirten mit dem Pop fehlen weder Druck noch Tiefe.

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