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Torres (Credit Stephan Martin/MusikBlog)
Torres (Credit Stephan Martin/MusikBlog)

Torres – Live im Waagenbau, Hamburg

Das Pariser Exil-Quartett „The Dove & The Wolf“ erklimmt tapfer die Bühne im düsteren Waagenbau. Interessanter Look in dunkelroten Overalls. Erinnert entfernt an die Kluft wenig freiheits-trächtiger Orte auf dieser Welt.

Beginnend mit düsterem Folk und Lagerfeuer-Sound arbeiten sie sich hoch zu rockigem Sound. Sie reden gerne. Dreimal bedanken sie sich beim Saal für das frühe Kommen. „Es ist so schön, dass es noch Leute gibt, die sich für Opening Acts interessieren“. Der höfliche Applaus lässt in mir den Wunsch nach einem „Tag der Support Bands“ aufkommen. Dafür dürfen sie den ganzen Abend alleine am Merch-Stand stehen.

Torres. Zwei nerdige Typen nehmen ihre Plätze an Schlagzeug und Elektronik ein. Die Optik passt zum Sound. „Tongue Slaps Your Brain Out“, „Skim“ und „Righteuos Woman“ von der neuen Platte „Three Futures“ bilden ohne Pause den Anfang. Dumpfes, langsames Dröhnen, untermauert von Rückkopplungen erzeugt Spannung.

MackenzieScott beginnt fast A Capella. Der Sound baut sich langsam darunter auf. Starke, dichte Elektronik. Gezielt und supertrocken schlägt einem der barfüßige Drummer mit der Tom mitten durch die Ohren ins Gehirn. Pausen zwischen den Stücken überbrückt der nimmermüde wummernde Bass.

Mackenzie im schwarzen Sakko, im Gegensatz zum Video mit Nike Bustier darunter. Über den Dingen an der Gitarre, Mimik und Gestik reduziert intensiv. Passend zum Motto von „Three Futures“ teils latent und ironisch aufreizend. Selbstbewusstsein ist gesetzt.

Kleine Einlagen wie abstrakter Bauchtanz mit Rücken zum Publikum nehmen nie den Fokus von der Musik. Um die geht es hier. Torres’ Persönlichkeit ist der Träger.

Die Zeiten des Folk-Sounds hat Torres lange hinter sich gelassen. Anspruchsvolle Arrangements untermauert von voller Elektronik. Ihre typisch schrägen Gitarrensounds bilden die Melodie im Vordergrund.

Die obligatorische Choreographie lässt jetzt die erste Ansage erwarten. Weit gefehlt, ohne Pause geht es weiter. Drei Tracks der vorletzten Platte „Sprinter“. Etwas gewöhnlicher, der Intellekt darf kurz ruhen. Dafür steigt der Noise-Level langsam aber stetig.

Beim Titeltrack „Sprinter“ frisst sie sich mit ihrer Gitarre in die Tiefe der Eingeweide. Krass im Gegensatz zum betonten mir-doch-alles-egal Blick. Ansagen werden überbewertet.

Richtig zur Sache geht es mit dem Knaller „Bad Baby Pie.“ Bass-Drum und Tom schenken sich nichts mehr. Die Gitarren wetteifern mit der psychedelischen Elektronik darum, wer den dichteren Sound webt. Mackenzie wirkt extrovertierter und beginnt, mit dem Publikum zu spielen. Trotz des Geräuschpegels bildet ihr Gesang unbestritten den Mittelpunkt. Dann doch kurze Kommunikation mit dem Publikum, man kann draußen die neue Platte kaufen.

Unglaublich aber es geht mehr, konstante Steigerung über die nächsten Tracks. Gitarren sägen nur noch, die Drums rumpeln als Rückgrat, Rückkopplungen bilden die Decke darüber. Musik ist zu Ende, jetzt gibt es wunderschönen, melodischen Lärm.

„Strange Hellos“ zum Abschluss perfektioniert den vorgegebenen Plan der akustischen Zerstörung. Ihre eigentlich leisen Riffs am Anfang knallen mit ohrenbetäubenden Pausen dazwischen, bevor es in den Endspurt geht. Entspannter Noise-Rock entwickelt sich zu ausgewachsenem Industrial. Die Band verlässt sukzessiv die Bühne.

Torres hält noch lange alleine die Stellung und beweist, wie lange Gitarren-Rückkopplungen das Publikum verzaubern können. Ironisches Grinsen, finaler Abgang. Das war’s, Zugaben sind so überflüssig wie Ansagen.

Intelligente, charakteristische Musik. Inszeniert als minimalistischer, dreckiger Club-Gig mit Noise Ekstase zum Abschluss.

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