Das einzig Konstante an der Gruppendynamik der New Pornographers ist ihre Fluktuation. Für das mittlerweile zehnte Album der kanadischen Indie-Supergroup ist der (mehr oder wenige) harte Kern auf fünf Köpfe zusammengeschrumpft.
A.C. Newman hat diesmal alle Songs direkt zu verantworten oder zumindest Songwriting und Produktion. Da aber niemand alles alleine machen kann, ist immer noch Hilfe von Freunden nötig, und so tummeln sich sieben Gastmusiker*innen in Newmans Arrangements.
Eine andere Konstante betrifft nicht die Band-Interna, sondern deren Output: Sie beschreibt einen großen Spannungsbogen und zielt seit einigen Jahren abwärts. „The Former Site Of“ ist der bisherige Tiefpunkt auf dieser Kurve.
Um Übertreibungen zu vermeiden: Der Unterschied zwischen besagten Hoch- und Tiefpunkten ist vielleicht nicht so groß, wie die unvorsichtige Metapher es erscheinen lässt. Die Amplitude misst sich hier nicht in Maßen von den Beatles zu Coldplay. Aber eine Skala vom „oldschool“ zum aktuellen Coldplay scheint doch angemessen.
Alle zehn Songs erzählen Geschichten in Miniaturform und sind in sich stimmig. Gitarren, Bläser, dezente Elektronik-Pulse und die Beats vom eingesprungenen Studio-Schlagzeuger Charley Drayton (The Rolling Stones, Fiona Apple) – sogar die schrägen Akkorde in der Single „Votive“ – alles klingt zart, klein, fragil und fügt sich zu einem nahtlosen Ganzen zusammen.
Nur spannend ist das eben nicht. Keine Ohrwürmer stechen heraus, nichts regt zum Mitsingen an, dadrin verlieren kann man sich aber auch nicht. Nach 42 Minuten ist wieder alles aus dem Gedächtnis raus, was Newman & Co. nicht besonders mühevoll versucht haben hineinzustopfen.
In „Wine Remembers The Water“ sabotiert sich die Band exemplarisch selbst. In jeder Hinsicht hätte der Song das Potenzial zu überzeugen: Interessante Klangfiguren hüpfen auf quirligen Harmonien, und die Gesangsstimmen motivieren sich gegenseitig, den Höhepunkt noch schneller zu erklimmen… der nach nicht einmal zwei Minuten jedoch schon außer Reichweite liegt.
„The Former Site Of“ taugt noch ganz gut für textversessene Hörer*innen, die die Songs für die teils ulkig erzählten Geschichten schätzen. Ansonsten mischt man es am Besten auf Shuffle in die restliche Diskographie oder überspringt es.
