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Mystery Jets aus London haben bereits einige Stilvolten hinter sich. Mit „A Billion Heartbeats“ nehmen sie endgültig zwischen den Stühlen im Niemandsland platz, wo es Blaine Harrisons hörenswerten Parolen oft an Nachdruck fehlt.

Oder sagen wir besser: Mystery Jets sind unfreiwillig zu einer Band für die vakante, unsicherer Zukunft der aktuellen Krise geworden, in der Pläne schmieden und sich auf Wagnisse festlegen keine Option mehr darstellt.

Zu oft bleibt hier nur verbogener Indie-Psychpop auf Testosteron hängen. Für Alternative-Rocker zu glatt, für Indiepopper zu breitbeinig – und das wird den Lyrics selten gerecht.

Denn „A Billion Heartbeats“ beginnt textlich vielversprechend, musikalisch haftet aber auch dem Opener „Srecwrdiver“ direkt das Geschmäckle des Halbgaren an:

„An old mighty thunderstorm/ Hooligans in uniform/ Demonstrating up the drag/ Desecrating the national flag/ Hate masquerading as pride/ Say you got God on your side/ But you ain’t why Jesus died”, singt Blaine Harrisons da und befasst sich neuerdings mit Widerstand und Protest.

Er wird damit zu einem besseren Texter als Prediger, Mystery Jets aber noch längst nicht zu Rage Against The Machine.

„Pretty Done“ wagt etwas mehr, schlingert im Chorus in den massentauglichen Psychrock, schielt nach Tame Impala und The Shins und traut sich dann doch nicht, die volle Distanz zu gehen, weil die fünfköpfige Band entweder weiß, dass ihr dafür auf halber Strecke die Luft ausgehen würde, oder im Zweifel die Brieftasche im Gesäß zwickt, die vor zu viel Wagemut bewahrt.

Der vielversprechende Titel „History Has It’s Eyey On You” fällt noch weiter ab und „A Billion Heartbeats“ ruft einem auf unangenehme Weise ins Gedächtnis, warum die Alternative-Rock-Superstarts Biffy Clyro zuletzt gar nicht mehr so super waren (und die Vorboten ihrer neuen Platte auch Böses in diese Richtung erahnen lassen).

Wir mögen damit hoffentlich falsch liegen und Mystery Jets unrecht tun, wenn sich hier im Nachgang doch noch ein griffiger Song als Grower entpuppen sollte. Für den Moment gilt:

Auch wenn die aktuelle Krise einige der Themen des Albums überholt hat, zeichnen die Texte der zehn Lieder ein lebendiges Bild von Großbritanniens Psyche nach dem Referendum und vor der Pandemie. Allein die Musik hinkt der Komplexität der Gegenwart und den Ideen ihres Schöpfers weit hinterher.

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