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Tiemo Hauer (Credit Fabian Pfister)

Tiemo Hauer – Gespräche über die Vor- und Nachteile des Atmens

„Gespräche über die Vor- und Nachteile des Atmens“ zu führen ist derzeit ein sehr ernstes Thema. Der Titel von Tiemo Hauers neuem Studioalbum war allerdings schon gesetzt, als die Anzahl der hierzulande zur Verfügung stehenden Beatmungsplätze noch nicht die Schlagzeilen beherrschte.

Er lässt die Welt darauf wieder teilhaben am Zweifel, der Hoffnung, der Enttäuschung auf seinem mittlerweile 30-jährigen Lebensweg, wird über die Songs hinweg nicht nur vergangenes Zwischenmenschliches (wie bereits im letzten Jahr auf der „Ein Kurzes Für Immer“ – EP geschehen) aufgearbeitet, sondern auch Zugang zum künstlerischen und privaten Coming of Age zugelassen.

Atmen als Metapher, also erzählt der Stuttgarter im eröffnenden Titeltrack mit sonorer Stimme aus dem Blickwinkel eines so Stolzen wie Gescheiterten, dessen heiterer Fatalismus ihn vom simplen Weltschmerz trennt, und für den das Luftholen im Sinne der Selbstverwirklichung stets ein schwieriges Unterfangen bleibt.

Obwohl dato im häuslichen Exil die Zeit wäre, einem Singer/Songwriter-Album gebührende Spielzeit einzuräumen, belässt es Tiemo Hauer auch auf seiner neuen Ausgabe nicht bei schwermütigen Chanson-Adaptionen am Piano.

Schon „Halb Whisky, Halb Mensch“ im Anschluss steuert Kurs Pop, verbindet sich das Leichte der Melodie mit der Schwere des Inhalts, werden schwelgende Keyboards zum Transportmedium der Themen.

Der Kombination, mit der Meinrad Jungblut stets Bitterböses in flotte Harmonien bettete, folgt das Gros der Tracks, „Sie laufen“ solange durch die Realität bis ein scharfes Gitarren-Solo einen Cut setzt, „Ciao-Part I“ zum Rock-Song wird und dessen zweiter Teil auf Dagoberts Pfaden wandelt.

Nicht nur „Herzlichen Glückwunsch!“ seziert das Wesen der Masse, bleibt Tiemo Hauer bei allem Austeilen immer einer von vielen, ein Desillusionierter, aus dem vielleicht gerade deshalb die Leidenschaft pro besseres Leben spricht, denn „solange die Idioten uns entgegenkommen“ („Aufeinanderliegen“) ist der richtige Weg eingeschlagen, was schon oft erkannt, aber weniger oft so differenziert besungen wurde.

Am Ende der Digitalausgaben wiederholt sich das zweite Stück in einer alternativen Version. „Halb Mensch, halb Whisky“ heißt es jetzt, das nun halbvolle Glas ist vielleicht auch Licht am Ende des Tunnels für einen, der noch lange kein „Gefallener Baum“ ist.

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