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Hanni El Khatib (Credit Asato Lida)

Hanni El Khatib – Flight

Wie klingt die Musik eines Künstlers, der einen Autounfall überlebt? Vielleicht krempelt er um, vielleicht macht er weiter wie bisher. Vielleicht verarbeitet er das Erlebnis, vielleicht verdrängt er es.

Für Hanni El Khatib jedenfalls bedeutete diese Erfahrung so etwas wie einen Neuanfang. In einem Unfall überschlug sich sein Wagen, er selbst kam nur mit Verletzungen davon. Der Track seines neuen Albums, der am offensichtlichsten davon erzählt, ist „Alive“:

„I can’t believe I survived“, singt El Khatib über einen locker-ansteckenden Groove, fast verwundert, dass er dem Tod noch ein Schnippchen geschlagen hat: „How can this be true!“ Mit seiner launischen Coolness ist es vielleicht das Highlight unter den neuen Songs.

„Flight“ ist das mittlerweile fünfte Werk des Amerikaners mit palästinensisch-philippinischen Wurzeln, es ist der Nachfolger zu „Savage Times“ von 2017.

Zu jener Zeit fiel der Künstler in eine Sinnkrise, ausgelöst vom ständigen Kreislauf aus Album und Tour, Album und Tour. El Khatib änderte sein Leben radikal, hörte auf zu Touren, hängte die Musik vorerst gar ganz an den Nagel.

Das Album ist das Ergebnis dieser Zeit. Es ist eher das Werk eines Künstlers, der noch auf der Suche nach einer neuen Richtung ist („I’m looking for a leader“), als einer, der diese schon gefunden hat.

Es ist der wilde Ritt durch kurz angerissene Zwischenspiele, wie „Colors“, und Song-Versatzstücken, die mal als basslastiger Hip-Hop („Room“), mal als roher Garage-Rock („Stressy“) daherkommen.

In „Gem“ klingen minimalistische Beats nach James-Blake’schem Hip-Hop, in „Dumb“ bricht ein Stimmen-Sample in lässigen Soul, bevor das Album in „Peace“ abrupt im Störgeräusch endet.

Viele der Schnipsel sind nur eine Minute, keiner mehr als dreieinhalb Minuten lang. Das klingt manchmal rastlos, hektisch – aber auch nach jemandem, der sich nunmehr alle Freiheiten nimmt, auf die er Lust hat.

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