Ob und inwiefern Australien mittlerweile das bessere England ist, wenn es um Gitarrenmusik und innovative Bands geht, lassen wir mal dahingestellt. Pretty City, Tame Impala, Pond und Co. haben in den letzten Jahren genug albumgewordene Argumente für die These veröffentlicht. Gleiches gilt für Ocean Alley, die besonders mit ihrem zweiten Album “Chiaroscuro” ihren Platz in der australischen Musiklandschaft zementierten.

Jetzt sind sie zurück, mit “Lonely Diamond” und einem dritten Album, das überraschend viel Grandeur mit einem sympathischen Mangel an Anstrengung verknüpft und vielleicht eines der zugänglichsten Psychedelic-Pop/Rock des Jahres darstellt.

Wie so häufig erwächst die Großartigkeit von “Lonely Diamond” aus dem Zusammenspiel von hohen Ansprüchen an die eigene Musik, die weder krampfhaft noch kalkuliert angepeilt werden, sondern sich in einer authentischen und mutigen Tracklist äußern.

Ocean Alley erweitern das gewohnte Bandensemble um Streicher, ein ruhiges Piano und sogar Blasinstrumente an und lassen es “All Worn Out” ihr Gemisch aus Alternative- und Psychedelic-Rock mit einer hollywoodreifen, soundtrackartigen Tragik anreichern.

“Lonely Diamond” balanciert zum großen Teil auf dem schmalen Grat zwischen ausladender Pose und naturgegebener coolness. Irgendwo zwischen der Atmosphäre eines sonnigen Surfer-Rock-Albums und dem massentauglichen Potenzial eines Alternative-Rock-Albums, das für die großen Arenen gemacht ist, schaffen es Ocean Alley, ein abstraktes Gefühl zu erzeugen – von Einsamkeit, Aufbruch, Ohnmacht und Aktivismus, von bitterem Ernst und der Leichtlebigkeit einer Band auf Tour.

Das Album beginnt mit “Dahlia” fast wie ein interstellarer Krimi, bäumt sich dann zu einem stadiontauglichen Intro auf und gipfelt in einem entlastenden Höhepunkt, der das Album einleitet.Der Eindruck, irgendein Epos zu erleben, bleibt.

Was das für die – ohnehin schwierige – Einordnung des dritten Albums der australischen Band in ein Genre bedeutet? Es klingt wie Psychedelic-Noir, kaleidoskopartiges Sezieren eines pathetischen Slackers. Da ist es nur passend, dass “Lonely Diamond” genau so gut der Titel eines David-Lynch-Films sein könnte. In der Hauptrolle? Kyle MacLachlan!

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