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Sofia Portanet (Credit Lia Kalka)

Sofia Portanet – Freier Geist

Wenn man den Namen der Wahl-Berlinerin Sofia Portanet in Google eintippt, spuckt die Suchmaschine reihenweise Vergleiche aus. Eine optische Ähnlichkeit mit Kate Bush wird ihr attestiert, klingen soll sie wie eine Mischung aus Nina Hagen und Ideal.

Ein wildes Potpourri aus 70er- und 80er-Jahre-Reminiszenzen also. Mit ihrem Debütalbum „Freier Geist“ beweist Portanet aber, dass sie viel mehr kann, als nur stupide von früher abzukupfern.

Denn schon die Tracklist ihres Albums macht etwas stutzig: Englische Titel wie beispielsweise „Free Spirit“ wechseln sich mit deutschen Songs wie „Wanderratte“ ab.

Mit dem Closer des Albums, „Racines“, bringt sie sogar ein französisches Stück ins Spiel, das mehr als nur entfernt an die Gesangskunst einer Edith Piaf erinnert.

Besonders oft bekommt man mehrsprachige Alben ja nicht zu hören – warum eigentlich? Vielleicht wird kreativer Ausdruck zu oft zugunsten der Homogenität geopfert.

Aber nicht mit Portanet! Ganz abgesehen von der Multilingualität machen auch die diversen musikalischen Inspirationen, die „Freier Geist“ prägen, daraus ein ziemlich ungewöhnliches Hörerlebnis.

Tracks wie „Menschen und Mächte“ klingen tatsächlich, als hätte man soeben irgendeine obskure Neue-Deutsche-Welle-Band entdeckt, beim disco-angehauchten Intro vom Gender-Banger „Waage“ stellt man sich unwillkürlich einen Dancefloor voller Menschen in glitzernden Schlaghosen vor.

Dann wiederum gibt es Songs wie beispielsweise „Ringe“, bei denen man deutlich die Einflüsse von Oper hört, die ihren Gesangsstil prägen. Der Track „Das Kind“ klingt irgendwie nach mit Musik untermaltem Gedicht. Auch das kommt nicht von ungefähr: Portanet ist Rilke-, Heine- und Goethe-Anhängerin.

„Freier Geist“ nur auf seinen Retro-Charme zu reduzieren, täte der Platte also unrecht, weil viel mehr in diesen neun Songs steckt. Portanet ist damit ein Debüt gelungen, das irgendwie erfrischend anders ist.

Und das gilt sowohl für neue Musik, die gerade auf den Markt kommt, als auch für die 80er-Schublade, in die man sie so gerne steckt. Hoffentlich macht der Freigeist Sofia noch lange so weiter, damit wir uns weiterhin an ihrer Klangkunst erfreuen können – egal, in welcher Sprache.

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