Disclosure – Energy

„Energy“. Mit kernigen, unzweideutigen Botschaften beschallen die zwei immer noch saujungen Brüder von Disclosure die Popwelt.

Mit ihrem House und Electro, in leicht konsumierbare Pop-Song-Form gegossen, haben Howard und Guy Lawrence 2013 sofort die Charts und Dancefloors gestürmt.

„When A Fire Starts To Burn“, „White Noise“, „F For You“: Ein ganzes Arsenal an hit-verdächtigen Krachern, zu denen man Tanzen, Grooven und cool sein konnte, hatte das Wahllondoner Duo quasi aus dem Nichts zusammengebastelt.

Dabei wird hier kein Elektro-Pop-Rad neu erfunden. Disclosure sind mit ihrem Sound einfach zwingend. Die Beats gehen wuchtig ab, die Gesangs-Sample-Parts, meist weiblich, passen perfekt und verstärken den Ohrwurmcharakter.

Disclosure haben das berühmte Gespür für den Hit, für das, was die Masse bewegt.

2020 stellt sich für die beiden Brüder die Frage der Weiterentwicklung. Ihr drittes Album „Energy“ stellt ihre Antwort dar. Eins ist im Pop stets Gewissheit:

Nichts bleibt stehen, will heißen, die größten Hits von 2014 lösen sechs Jahre später nicht mehr das Gleiche aus und oftmals ist es schwer zu eruieren, warum genau. Und wer nicht gerade minderbemittelten, deutschen Gangsta-Rap macht, weiß das eigentlich auch.

Jedenfalls spürt man bei „Energy“ den Wunsch nach Entwicklung und Veränderung. Das ganze Album wirkt stärker wie ein DJ-Set, die klaren Songstrukturen weichen nahtlosen Wellen aus Dance-Floor-Momenten.

Energie bedeutet für Disclosure wohl in erster Linie perkussive Hektik – überall poltern und klackern Rhythmen, geben ein schweißtreibendes Bewegungsstakkato vor.

Der Effekt, der sich einstellt, geht zu Lasten der Hits. Die Gesangs-Parts kommen noch immer vornehmlich von weiblichen illustren Gästen (Kelis u.a.) und repräsentieren noch stärker den Hip-Hop.

Aber die musikalische Struktur will sich nicht mehr so recht dem Hit-Paradigma beugen. In diesem DJ-Set-Album gibt es zweifellos gelungene Electro-Pop-Momente.

When-A-Fire-Starts-To-Burn-Kracher sind damit aber erstmal vorbei. Mal schauen, wie lange man sich damit an der Spitze des schnelllebigen Geschäfts hält.

Facebook
Twitter

Schreibe einen Kommentar

Login

Werde MusikBlog-Mitglied!

Wir unterstützen die lokalen Musikszenen und vor allem kleinere Bands und Nachwuchs-Künstler*innen. Hilf auch du uns dabei mit einem kleinen monatlichen Beitrag.