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Elderbrook (Credit Warner Music)

Am Ende soll etwas Einzigartiges entstehen – Elderbrook im Interview

In London steigt ein neuer Stern am Firmament der Elektro-Popmusik auf. Alexander Kotz aka Elderbrook ist derzeit das hipste „Ding“, wenn es um poppige Sounds aus der Maschine geht. Nach etlichen EPs erscheint nun endlich Elderbrooks Debütalbum „Why Do We Shake In The Cold?“ Wir trafen den Songwriter, Produzent und Sänger Elderbrook zum Interview und sprachen über das gesellschaftliche Miteinander, einzigartige Sounds und den perfekten Karrierepfad.

MusikBlog: Alex, das Jahr, in dem dein Debütalbum veröffentlich wird, präsentiert sich wie eine nicht endenwollende Bad-News-Dauerschleife. Die Coronakrise setzt der Kulturbranche extrem zu. Wie fühlst du dich momentan?

Alexander Kotz: Mir geht es gesundheitlich gut. Wir wohnen und arbeiten ja nicht direkt in London, sondern eher etwas außerhalb des Ballungszentrums. So haben wir ein bisschen mehr Ruhe und Platz hier draußen. Ja, das Ganze ist schon ziemlich bizarr. Ich hätte gerne Festivals im Sommer gespielt. Das Livespielen vermisse ich wirklich sehr. Aber ansonsten hatte ich eigentlich genug zu tun. Ich habe die letzten Wochen und Monate an meinem Album gearbeitet. Es war also nie wirklich langweilig.

MusikBlog: Dein Album trägt den Titel „Why Do We Shake In The Cold?“. Denkst du, es gibt noch andere Gründe als den einen offensichtlichen, die Kälte?

Alexander Kotz: Nun, der Titel spielt ein bisschen mit dem Hintergrund der Frage. Es geht um die Idee, dass wir in der Kälte zittern, um anderen Menschen zu zeigen, dass wir ihre Nähe brauchen.

MusikBlog: Diese Idee scheint eine große Bedeutung für dich zu haben.

Alexander Kotz: Der Titel und der Inhalt des Songs fassen das große Ganze einfach gut zusammen. Mir war es sehr wichtig, dass man sich neben der Musik auch intensiv mit den Texten beschäftigt. In den Songs geht es um Kommunikation, die Art und Weise, wie wir als Menschen miteinander in Verbindung treten. Da spielen Nähe und Wärme auch immer eine große Rolle. Elektronische Musik wird nur selten mit tiefgründigeren Texten in Verbindung gebracht. Das ist aber genau mein Weg.

MusikBlog: Musikalisch pendelst du zwischen Pop und elektronischen Club-Sounds. Irgendwie höre ich aber auch klassische Singer/Songwriter-Strukturen raus. Viele Melodielinien erinnern mich auch an die Art und Weise, wie viele Rockbands ihre Harmonien mit einbinden. Hole ich da zu weit aus?

Alexander Kotz: Nein, überhaupt nicht. Das ist auch genau mein Ansatz. Wer mich kennt, der weiß, dass ich eine Vorliebe für Indie- und Rocksounds habe. Bands wie die Arctic Monkeys, die Kings Of Leon oder die Strokes haben mich musikalisch sehr geprägt.

Diese Einflüsse binde ich mit ein, so dass am Ende etwas ganz neues entsteht. Mir ist es wichtig, dass meine Musik nicht wirklich in irgendeine vorgefertigte Schublade passt. Ich versuche, die Gesangslinien und Harmonien von klassischen Rockbands in die Welt des Elektro-Pops zu transportieren. Am Ende soll etwas Einzigartiges entstehen. Das ist mein Ziel.

MusikBlog: „Down By The Bay“ hat es mir persönlich besonders angetan. Meine Füße hören nicht auf zu wippen, wenn der Song läuft.

Alexander Kotz: (lacht) Das ist cool. Der Song liegt mir auch sehr am Herzen. Ich kann mich noch sehr gut an die Zeit des Schreibens erinnern. Ich hatte dabei irgendwie das Gefühl, dass alles um mich herum perfekt zusammen passte. Ich war total bei mir. Ich fühlte mich als Künstler und auch als Mensch unheimlich wohl in meiner Haut.

MusikBlog: Wann hast du dieses innere Glück und diese künstlerische Zufriedenheit zum ersten Mal in deinem Leben verspürt?

Alexander Kotz: Das ist schon ein paar Jahre her. Aber ich erinnere mich noch an die Zeit. Damals war ich noch ein Student. Ich habe meine ersten Songs bei Soundcloud hochgeladen. Da war dann irgendwann auch der Song „Rewinding“ mit dabei. Danach ging es richtig los. Leute riefen bei mir an, Labels klopften an die Tür: Ich hatte das Gefühl, auf dem richtigen Weg zu sein.

MusikBlog: Vorher warst du mit einigen Bands unterwegs. Du hast da Gitarre gespielt. Warum hast du dich irgendwann für den Soloweg entschieden?

Alexander Kotz: Das war ein Prozess. Ich stand damals total auf Indie-Klänge und den klassischen Band-Sound mit Schlagzeug, Gitarre, Gesang und Bass. Irgendwann habe ich daheim angefangen, selber Songs zu schreiben. Die gingen alle eher in die Folk-Richtung.

So entwickelte sich ein neuer Arbeitsprozess für mich. Ich stand weniger im Proberaum. Ich war öfter zuhause und habe eigene Songs aufgenommen. Irgendwann wurde aus der Singer-Songwriter-Nummer dann ein Projekt, das sich verstärkt mit elektronischen Elementen befasste. So entstand dann Elderbrook.

MusikBlog: Froh und glücklich, dass alles so gekommen ist?

Alexander Kotz: Absolut. Ich habe in den vergangenen Jahren so viele tolle Erfahrungen sammeln dürfen. Ich weiß nicht, ob ich das je mit einer Band geschafft hätte. Ich arbeite jetzt mit tollen Künstlern wie Camelphat und Rudimental zusammen.

Ich mache mein eigenes Ding. Und ich liebe es, mit dieser Musik auf die Bühne zu gehen. Momentan sieht’s diesbezüglich zwar schlecht aus. Aber ich habe Hoffnung, dass ich ab März wieder auf Tour gehen kann.

MusikBlog: Vielen Dank für das Interview.

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