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The Screenshots (Credit Frederike Wetzels)

100% Vertrauen in die politischen Entscheidungsträger – The Screenshots im Interview

Emporgestiegen aus dem twitterschen Digi-Reich präsentieren sich Susi Bumms, Dax Werner und Kurt Prödel alias The Screenshots seit geraumer Zeit auch für Social-Media-Allergiker als greifbare Band mit Hand und Fuß. Mit ihrem neuen Studioalbum „2 Millionen Umsatz mit einer einfachen Idee“ im Gepäck begeben sich die drei Krefelder auf eine ausgedehnte Pop-trifft-Rock-trifft-Punk-Reise, bei der das gesprochene Wort mindestens genauso wichtig erscheint wie der geschrammelte Akkord. Kurz vor der Veröffentlichung des Albums trafen wir uns mit Susi, Dax und Kurt zum Interview und sprachen über hohe Ziele, elementare Lernprozesse und Corona.

MusikBlog: Euer neues Studioalbum „2 Millionen Umsatz mit einer einfachen Idee“ erscheint mitten in der Corona-Krise. Dämpft das ein bisschen die Vorfreude? Oder ist es vielleicht auch genau der richtige Zeitpunkt?

Susi Bumms: Die Vorfreude ist alles andere als gedämpft. Wir sind bereit. Und die Platte muss jetzt endlich raus.

Kurt Prödel: Ich denke auch, dass es keinen richtigeren Moment gibt.

MusikBlog: Habt ihr denn zu Beginn der Krise noch in irgendeiner Art und Weise im Produktionsprozess gesteckt?

Kurt Prödel: Eigentlich waren wir zu der Zeit, als alles anfing, schon so ziemlich durch. Wir haben noch zwei Songs aufgenommen, das war‘s dann aber auch.

MusikBlog: Wie kommt man denn auf so einen Albumtitel?

Susi Bumms: (lacht) Naja, wir wollen mit diesem Release zwei Millionen Umsatz machen und damit in die Charts kommen.

Kurt Prödel: Wir wollen mit dem Titel eine Transparenz für den Endverbraucher schaffen.

Dax Werner: Mal abgesehen vom Außenbereich, treibt so ein Titel intern natürlich auch total an. Das ist vergleichbar mit einer Fußballmannschaft, die sich vor der K.O.-Runde nochmal mantramäßig motiviert. Wir haben den Titel auch nochmal als Zeile innerhalb des Songs „Träume“ mit drin. Da haben wir schon gemerkt, dass das eine ziemlich coole Aussage ist, die das große Ganze eigentlich auch ganz gut auf den Punkt bringt.

MusikBlog: Musikalisch präsentiert sich eine Band, von der ich den Eindruck habe, dass sie genau weiß, wie sie klingen will. Bin ich da auf der richtigen Fährte?

Dax Werner: Das ist in der Tat so, und freut uns natürlich, wenn man das auch irgendwie raushört.

Kurt Prödel: Wir sind ja bezüglich der Instrumentierung auch sehr einfach aufgestellt. Da gibt’s jetzt gar nicht so viele Möglichkeiten, damit das am Ende irgendwie ganz anders klingt. Wir machen immer ganz große Augen, wenn wir beispielsweise mal mit einem Off-Beat experimentieren. Wir haben dann immer gleich das Gefühl, etwas bahnbrechend Neues mit einzubauen. (lacht)

MusikBlog: Gibt es Bands oder Künstler, die euch inspirieren?

Dax Werner: Es ist jetzt nicht so, dass wir wie irgendeine bestimmte Band klingen möchten. Aber ich kann mich erinnern, dass wir mal Die Nerven live gesehen haben. Danach war uns klar, wie so eine Dreier-Konstellation auf der Bühne klingen kann. Da war unglaublich viel Energie vorhanden. Das war schon ein inspirierender Moment.

MusikBlog: Eure Entstehungsgeschichte ist ja extrem spannend. Hat sich dieses ganze Drei-Twitter-Avatare-machen-handgemachte-Musik-Ding auf natürlichem Wege entwickelt? Oder stand da von Beginn an ein Konzept hinter?

Dax Werner: Ich würde sagen, dass sich das Konzept eher entwickelt hat. Als wir anfingen, stand erstmal nur der Spaß am gemeinsamen Musizieren im Vordergrund. Dann macht man sich natürlich irgendwann seine Gedanken, ob und inwieweit sich unsere Twitter-Aktivitäten mit dem Musikmachen verbinden lassen. In dieser digitalen Welt findet ja eher andere Musik statt. Wir hingegen musizieren ja ganz klassisch mit einem Sound, der da nicht so reinpasst. Und aus dieser vermeintlichen Verkantung hat sich dann das Konzept entwickelt.

MusikBlog: Wie fühlt man sich denn, wenn man seinen allerersten Live-Auftritt auf einer Fernsehbühne feiert („Neo Magazin Royal“)?

Dax Werner: Die Sache mit Jan Böhmermann war natürlich irre, ganz klar. Ich fand aber die Zeit danach noch heftiger. Wir haben dann ein paar Wochen später in Hamburg im Pudel Club gespielt. Das war so unser erster Auftritt auf einer normalen Club-Bühne. Da zu sehen, wie die Leute plötzlich richtig abgehen, war nochmal so ein richtiger Fingerzeig für uns.

Kurt Prödel: Das war eine extrem spannende Zeit für uns, in der dann plötzlich ganz viel zusammen kam. Da waren die ersten Konzerte, man hat sich mit ganz vielen Leuten unterhalten. Und dann weiß ich noch, wie ich mich gefreut habe, als wir in Berlin im Hardrock Café mit Jens Balzer von DIE ZEIT gesprochen haben.

MusikBlog: War es eine große Herausforderung, all die auf die Schnelle eingespielten und aufgenommenen Songs auf einmal live zu präsentieren?

Kurt Prödel: Auf jeden Fall. So weit haben wir am Anfang ja gar nicht gedacht. Wir waren das erste Jahr komplett mit den Aufnahmen und dem ganzen Produktionsprozess beschäftigt. Und dann hieß es auf einmal: Jetzt geht’s raus auf die Bühne! Das war schon ziemlich krass für uns. Wir mussten die Songs auch echt lange proben. Anfangs klangen wir wie unsere eigene Cover-Band. Mal eben 40 Minuten am Stück zu spielen, war für uns wie eine musikalische Tour de France.

MusikBlog: Gab es da auch mal Momente, in denen ihr das Ganze hinterfragt habt?

Kurt Prödel: Nein, nicht wirklich. Was es aber gab, waren Momente, in denen uns bewusst wurde, dass wir das Ganze zwingend professionalisieren müssen. Das waren die Phasen, in denen plötzlich Promo-Arbeiten, Live-Konzerte, Interviews und das ganze Drumherum an die Tür klopfte und wir schauen mussten, dass wir das zusammen mit Team im Hintergrund irgendwie alles hinbekommen. Glücklicherweise lief und läuft das aber alles super.

Dax Werner: Wir sind auch so Leute, die alles nochmal und nochmal ausdiskutieren. Wir wollen bei jeder noch so kleinen Entscheidung involviert sein. Da muss man aber irgendwann eine gute Balance finden, in der auch andere vertraute Menschen eine wichtige Rolle spielen. Das ist ein Lernprozess.

MusikBlog: Ab Januar soll eigentlich die Tour zum Album folgen. Corona macht aber irgendwie keine Pause. Wie groß ist die Hoffnung, dass ihr im Winter wieder auf Reisen gehen könnt?

Kurt Prödel: Naja, zurzeit sieht es nicht so gut aus.

Susi Bumms: Es ist ja auch so: Wir mussten im letzten Jahr sechs Tage vor unserer Tour krankheitsbedingt alles absagen. In diesem Jahr hätten wir keine sechs Tage mehr warten dürfen, sonst wäre auch diese Tour ins Wasser gefallen. Soll heißen: sechs Tage vorher wird erst entschieden! (lacht)

MusikBlog: Habt ihr Vertrauen in die politischen Entscheidungsträger?

Dax Werner: Beim Thema Corona absolut, zu 100 Prozent. Die Leute, die gerade wichtige Entscheidungen treffen müssen, stehen im Vergleich zu uns zigmal mehr in der Verantwortung. Die haben solch einen Druck. Da stell ich mich nicht hin und erzähle diesen Leuten, wie sie ihren Job zu machen haben. Ich vertraue komplett darauf, dass diese Leute dafür sorgen, dass am Ende die besten Entscheidungen getroffen werden.

MusikBlog: Vielen Dank für das Interview.

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