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Boy Pablo (Credit Akam)

Boy Pablo – Wachito Rico

Seit man zum Aufnehmen keine teuren Tonstudios mehr braucht, ist es längst keine Seltenheit mehr, dass ganze Alben in Schlafzimmern entstehen. Man denke nur an Car Seat Headrest, der mit dem Debüt aus seinem Kinderzimmer als Messias der nächsten Generation des totgeglaubten Indie-Rocks gefeiert wurde.

Boy Pablo schreiben eine ganz ähnliche Geschichte. Mit „Everytime“ – mittlerweile über 33 Millionen Mal angeklickt – wurde vor allem Mastermind Nicolas Pablo Muñoz  vor drei Jahren zum gehypten Posterboy des entspannten Indie-Pops.

Mit seinem Debütalbum „Wachito Rico“ beweist der Norweger mit chilenischen Wurzeln, dass in ihm mehr als ein One-Hit-Wonder steckt. Denn was mit schillernden Synthies im Opener „i hope she loves me back“ übertrieben extrovertiert und plakativ beginnt, entfaltet sich im Laufe der 13 Songs zu fein instrumentierten Schmuckstücken.

Boy Pablo ist besonders gut darin, unerwartet eine neue Richtung einzuschlagen, wenn man sich gerade in Sicherheit wähnte, den Weg bereits zu kennen. Dabei hilft definitiv die Zweisprachigkeit, denn neben Englisch spricht Muñoz fließend Spanisch, was er so selbstverständlich in seine Songs einarbeitet, dass man sich keine Sekunde darüber wundert.

Aber nicht nur in dieser Hinsicht ist „te vas“ das Vorzeigebeispiel auf „Wachito Rico“. Nachdem man die melancholische Ballade nach gut zweieinhalb Minuten zu Ende glaubte, legt Boy Pablo nach einer kurzen Pause ein entspanntes Outro nach, das die vorangegangene Schwere mit blubbernden Klängen hinfort fliegen lässt.

Generell sind es vor allem die Liebe zum verqueren Nerdtum, die an „Wachito Rico“ so viel Spaß machen. Sei es der spanische Einspieler bei „mustache“ oder das halbminütige Instrumental „vamos a la playa“, das scheinbare Fahrstuhlmusik zum perfekten Intro zum nachfolgenden „Wachito Rico“ erhebt. Aufgrund ebendieser Raffinessen kann man beispielsweise den allzu offensichtlichen Achtziger-Synthie-Overload beim Titelsong getrost verzeihen.

Während in der Realität draußen der Regen an die Fenster klopft, kann man sich anschließend zu „nowadays“ mit Vogelgezwitscher, zwei Akkorden auf der Akustik-Gitarre und der einfachen Zeile „I’m just happy that my mornings are getting brighter nowadays“ einen guten Start in den Tag gönnen.

Es kann so einfach sein.

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