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Emmy The Great (Credit Alex Lake)

Emmy The Great – April / 月音

Ein Album, bei dem die Entstehungsumstände zählen. Emma-Lee Moss‘ viertes Soloalbum als Emmy The Great ist klassischstes Geschichten-Erzählen in Singer/Songwriter-Manier.

In Hong Kong geboren, aber im Alter von 12 mit Übergabe der britischen Kolonie an China nach London gezogen, bleibt viel Identitätsbewältigung im Erwachsenenalter zu meistern.

Als Tochter einer Chinesin und eines Engländers lebt die Musik von Emmy The Great vom Spannungsfeld zwischen den Kulturen – so viel ist Konstante. Doch für „April“ wurde die biografische Spurensuche viel konkrete:

Eine musikalische Residency barg die Möglichkeit, in Hong Kong selbstständig als Erwachsene zu leben, der Sprache wieder vollends mächtig zu werden und sich seiner multikulturellen Herkunft zu stellen.

Für eine junge Frau, die die letzten Jahre sehr beschäftigt zwischen ihrer Musik, Tätigkeiten für Film und Fernsehen und journalistischem Schreiben für unter anderem Guardian und Vice verbrachte, ein echter, Zeit anhaltender Blick in den Spiegel.

Herausgekommen ist ein poetisches, minimalistisches Folk-Album voller Kindheitserinnerungen aus einem Hong Kong, wie es es heute nicht mehr gibt. Auch das vierte Emmy The Great-Album lebt von lyrischer Kraft und Storytelling und ist kein klassisches Pop-Album, bei dem Melodien, Refrain-Ohrwurmcharakter oder gar tanzbare Beats zählen.

Denn sowohl die Pandemie als auch die anti-chinesische Protestbewegung haben tiefe Spuren in der Seele der Stadt hinterlassen, die ein feinfühliger Mensch wie Moss klar aufnimmt und verarbeitet:

„I’ll never know why the city called me back, but I know what it gave me. In return, I want to give it this album. That Mid-Autumn, nobody could have predicted what was to come, neither the atomisation that began with the anti-Extradition Law protests in June 2019, nor the struggle for democracy that continues now, through the Covid-19 pandemic“, sagt sie.

Und weiter. „To witness your birth city in its greatest moment of need is a powerful, humbling event, and I know I watched Hong Kong’s destiny shift into something turbulent and uncertain. I’m glad I recorded what I felt there, during a precious, peaceful time, when life was so good that all I had to do was trust the moon. May it be just one small piece of witness among many, and may the voices of Hong Kong never stop speaking, and asking to be heard.“

Emma-Lee Moss findet eine erfrischend andere, durch und durch klassische Seite am Pop, steht – ohne es zu ahnen – deutschen Liedermachern vergangener Dekaden nahe, ob Biermann oder Gundermann, und bringt auf angenehme, feminine Weise wieder mehr soziale Relevanz in das Genre der ewigen Liebeslieder.

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